Tom Smith und seinen Editors scheint das Prädikat „grandiose Live-Band“ auf die geschwollene Brust geschrieben. Normalerweise. Stimmgewaltig über pathosschwangerer Konzertluft – so kennt man sie, die vier Musiker aus dem britischen Birmingham. Wortkarg und etwas angestrengt wirken sie allerdings diesen Samstag in der ausverkauften Columbiahalle.

Bevor die Editors auf ausladender Europatournee ihr aktuelles Album The Weight of Your Love in Berlin vorstellen, sollen die Jungs und Mädchen von Balthazar die Menge auf das bevorstehende Konzert einstimmen: Eine Violine ergänzt die üblichen Saiteninstrumente, Drums und Keys; die vierstimmig, pointiert vorgetragenen Lieder wabern über der brechend vollen Halle. Applaus mal hier, mal da und dennoch irgendwie verhalten. Aber gut, vielleicht taut die Masse zum Hauptakt des Abends etwas auf, Balthazar waren ja bereits vor wenigen Wochen im Rahmen von First We Take Berlin hier.

Aufgeregt tuschelt es von den vollen Rängen, ungeduldig scharren die Füße auf dem Parkett.

Dann laufen die Editors ein, das Licht wechselt von schwarz auf dunkellila und Sänger Tom Smith steht mit dem Rücken zum Publikum. Mit Sugar, einem Song der aktuellen Platte, eröffnen sie ihr Konzert – doch das Publikum, auffällig alt, zeigt sich auffällig unberührt. Dieser Zustand bleibt auch bei den folgenden Tracks der Vorgänger-Platten wie Someone Says und Eat Raw Meat = Blood Drool bestehen. Insgesamt ist ihre Setlist an diesem Abend eine gelungene Mischung aus älteren Stücken und neuen Songs.

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Während man bei All Sparks oder An End Has a Start auf Platte den Herzschmerz der Briten förmlich mitfühlen kann, sind auf der Bühne extreme Gesten, Zuckungen und entrückte Mimik nötig. Smith verliert kaum ein Wort, die Stimme geht selbst bei dem sonst so klaren Gesang ein wenig unter.

Im Laufe der musikalischen Gratwanderung zwischen tanzbaren Bassläufen und herzzerreißenden Texten, muss man normalerweise Tanzen oder wahlweise Whiskey trinken und sich Geschichten von früheren Liebhabern erzählen – doch nun? Es gleicht eher einem Mitwippen, die Leidenschaft scheint zu fehlen. Auf beiden Seiten. Allerdings durchläuft jede gute Beziehung mitunter Höhen und Tiefen: Ein wenig zur alten Form finden beide Parteien, auf sowie vor der Bühne, ab Mitte des Sets, als die ersten Takte der Single A Ton of Love erklingen.

Es folgen weitere ausladende Gesten des Frontsängers, mal am Piano, mal an der Gitarre. Die Beleuchtung bleibt durchweg spärlich, ähnlich wie die Begeisterung der hinteren Reihen. Bei In This Light and on This Evening und Munich, fehlt zwar die sonst allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit, doch es blitzen Züge ihrer alten (Live)Form auf.

Fazit: Wäre Smiths Stimme nur lauter, gäbe es nur keine kleinen technischen Patzer… dann hätten wir uns nach dem letzten Song Honesty nicht nach hinten verzogen, um die 3 Track starke Zugabe von dort zu beobachten. Bricks and Mortar, Nothing und Papillon folgen, doch noch immer keine Gänsehaut. Schade.