Da sag noch mal einer, dass kleine Festivals nichts zu bieten haben. Neben dem großartigen Lineup beim Rocken am Brocken hatten sich die Veranstalter noch etwas ganz besonderes einfallen lassen. Aber ich beginne mal von vorn.

Heiße Tage, (sehr!) kalte Nächte, wenig Schlaf, extrem viel Spaß: das war das Festival. Und da man schon aufgrund der Kälte (aber noch mehr aufgrund der wunderbaren Konzerte, die bis in die Nacht gingen) kaum Schlaf bekam, musste man sich schon ein bisschen zwingen, am Samstag morgen frühzeitig aufzustehen. Das sollte sich jedoch lohnen, denn es gab eine Waldwanderung. Ja, ganz richtig gelesen! Das gesamte Festival-Gelände war gesäumt vom Wald und lockte viele Besucher hinein. Damit sich niemand verläuft und man auch noch etwas lernen kann, sollten wir von einem Ranger geführt werden. Der fiel kurzfristig aus und so übernahm ein sehr sympathischer Förster diesen Part.

So stiefelten wir also Samstag morgen um 10 Uhr in Richtung Wald. Nach den ersten Metern bekamen wir die ersten Informationen zum Ablauf und zum Wald, dann kam der anstrengste Part: Es ging eine ganze Weile ziemlich bergauf. Doch die Waldluft tat gut und was dann folgte entschädigte die Anstrengungen allemal. Vor einer kleinen Felswand nahmen wir Wanderlustigen platz und ein mutiger junger Mann erklomm eben jene Felswand, um für uns Gitarre zu spielen und zu singen. Tim Gerrits aus Magdeburg hat uns alle in seinen Bann gezogen. Mit seiner charmanten Art, inklusive schlechter Witze, kann er schon super unterhalten und das Publikum zum schmunzeln bringen. Doch mit Stimme und Gitarre sorgte er für gebanntes Schweigen und anschließenden tosenden Applaus. (Die zahlreichen “Wonderwall!”-Rufe wurden hier erst einmal gekonnt ignoriert).

Von der schönen Musik sowie Atmosphäre beseelt wanderten wir tiefer in den Wald hinein, diesmal zum Glück nicht mehr bergauf. Über Stock und Stein hüpften wir bis zu einer weiteren Felswand, die nun jedoch nur von mutigen Festival-Besuchern erklommen wurde. Inmitten der Bäume konnten wir Rast machen, uns entspannen und weiteren Klängen lauschen. Antje Schomaker aus Hamburg, ebenfalls mit der Gitarre bewaffnet, erfüllte den Wald mit ihrer wunderbaren Stimme. Wir lauschten den Texten über Herzschmerz und Liebe, den Klängen der Gitarre und dem Rauschen der Bäume, die ein weiteres mal in tosendem Applaus gipfelten. Und was wäre ein kleines Akustik-Konzert ohne das berühmte „Wonderwall“ von Oasis? Ja, auch das bekamen wir nach weiterem Rufen und Betteln des Publikums von einem der Wanderlustigen, der Antje’s Gitarre gern zu „Wonderwall“ erklingen lies.

Mit erwärmten Herzen und jeder Menge Ohrwürmern traten wir dann den Rückweg an, der uns glücklicherweise nur noch bergab führte. Nachdem auch der Förster mit großem Jubel verabschiedet wurde, erreichten wir zur Mittagszeit wieder das Festivalgelände.

Rocken am Brocken war einfach ein Wohlfühl-Festival, das in mir persönlich noch lange nachklingt, wie diese Sessions im Wald mit zwei talentierten Singer-Songwritern.