„Anscheinend hast du den korrekten Gebrauch des Gerundiums noch nicht verstanden. Schade.“, hätte der mit roten Fragezeichen umrahmte Kommentar meiner Englischlehrerin am Seitenrand der Grammatikaufgabe gelautet, sobald ich dort als Beispiele: Planking, Falling, Vadering, Hadoukening und Roofing angegeben hätte.

Doch wer das Internet für mehr als die Suche nach Rezeptideen und der Prokrastination mittels Online-Sudokus nutzt, weiß, dass es sich bei zuvor genannten Begriffen nicht um die mehr oder minder korrekte Umwandlung von Verben ins Substantivische, sondern um eine Teilsparte in der Kategorie Internetphänomen (Meme) handelt und wird daher, im Gegensatz zu Frau Schmidt, zumindest mit einigen dieser „-Ings“ etwas anfangen können.

Da für den geneigten Memekenner die Auslegungen der englischen Grammatik grundsätzlich freier ist, als die meiner Englischlehrerin, ist ein „Was ist das und woher kommt das?“ weniger interessant als ein wohlwollend bis resigniert-kopfschüttelndes „Warum eigentlich?“.

Auf diese Frage würde manch „-Inger“ antworten: „Weil es Spaß macht!“ Was durchaus zutrifft, wenn man bedenkt, dass es einiges an Timing (Vadering, Hadoukening), Sportlichkeit (Planking, Owling, Batmanning, Falling) und (Todes-)Mut (Roofing) erfordert, um an diesem Trend teilzuhaben. Der Spaß- und Thrillfaktor des Moments ist bei genauerer Betrachtung jedoch eher nebensächlich für den Erfolg des „Ingings“.  Viel entscheidender ist die Motivation, aufgrund derer – Hand aufs Herz – jeder von uns wenigstens einmal im Laufe seines jungen 2.0 Lebens einen Facebookstatus verfasst hat, um seinen persönlichen Narziss mit kleinen blauen Däumchen zu füttern: Anerkennung und Bestätigung seitens der Netzwelt.

Die meisten dieser Memes erreichen ihre Popularität, indem sie mittels der eigenen Person auf die Popkultur stereotypisch Bezug nehmen und diese damit pointieren. Das kreative Um-Die-Ecke-Denken ist ein entscheidender Faktor, welcher den Erfolg eines neuen Ing-Memes ausmacht. Der Betrachter denkt sich beispielsweise: „Höhö, der hängt an seinen Füßen von ‘ner Stange runter wie ‘ne Fledermaus und das heißt Batmanning…wegen Bat = Fledermaus und Batman dann wegen dem Comic Charakter…des is‘ ja lustig.“ (Womit auch geklärt wäre, warum Memes gleichzeitig mit ihrer Beschreibung ihren Witz verlieren).

Denn: Ing-Memes sind nichts anderes, als auf das Wesentlichste reduzierte Witze. Und ein Witz wird nicht lustiger, umso öfter man ihn erzählt. Aus diesem Grund sind gerade noch gehypte Memes in der nächsten Woche schon gefühlt ein Jahr alt, nachdem das aktuelle über den Computerbildschirm geflimmert ist. Jeder möchte einmal seine 15 Minuten Ruhm haben und obwohl man bei Witzen irgendwie nie so richtig weiß, wie und wo sie entstanden sind, kann man zumindest in diesem Fall seine Partizipation medial beweisen und später einmal behaupten:

“Und dann hat sich euer Opa auf eine Telefonzelle gelegt und war für zwei Tage weltberühmt. Telefonzellen? Das waren begehbare Boxen in denen man sich vor Regen geschützt hat.”