Manchmal könnte man glauben, Satire hätte keine Existenzberechtigung mehr, da die Realität an sich eine überspitzte Karikatur ihrer selbst ist. Orwells gesellschaftskritisches „Big Brother“-Prinzip brachte beispielsweise Einzelpersonen auf infantile Ideen: In Rostock zeichnete ein Mathematikprofessor mehrere Prüfungen auf – und das nicht mal heimlich. Die Studenten durften sich während der Klausur auf Leinwand betrachten. Ob das förderlich für die Konzentrationsphase war, ist fraglich.Derartige Nachrichten schocken niemanden mehr – das eigentlich Faszinierende an der Geschichte ist allerdings, wie der Vorfall öffentlich wurde. Einige Studenten beschwerten sich bei der Universitätsleitung. Jedoch prangerten sie nicht die Videoaufzeichnung an sich an, sondern die Ablenkung durch störende Kamerageräusche. Der Professor gelobte Besserung und versicherte, sich nun selbst um die Kontrolle zu kümmern.

Sollte er tun, denn vom Bundesverfassungsgericht wurde entschieden, dass die Ottonormalprofessoren zu wenig verdienen. Das Mindestgehalt von ca. 3.500€ im Monat wird nun angehoben. Da soll noch einer behaupten, der Staat steckt kein Geld in die Bildung.

Allerdings scheint das nicht für alle Dozenten ein Grund zum Arbeiten zu sein. So haben in Stuttgart massig Studenten eine Prüfung bestanden, ohne diese überhaupt zu schreiben. Durch eine „Verkettung von unglücklichen organisatorischen Umständen“, wie es von offizieller Seite hieß, harrten die jungen Akademiker bei Minusgraden vor dem Prüfungssaal aus, ohne dass irgendwas passierte. Der benötigte Schlüssel tauchte nicht auf. Die Verantwortlichen beschlossen, alle Betroffenen bestehen zu lassen. Witzige Angelegenheit, wären da nicht die Streber, die das Examen tatsächlich schreiben mussten und dummerweise durchgefallen sind. Diese klagen derzeit gegen die Entscheidung. Doch selbst wenn die nicht erbrachte Leistung bewilligt wird, stehen die Chancen gut, dass den Studenten ihr zukünftiger Titel früher oder später doch noch aberkannt wird. Die Nation ist da bekanntlich sehr empfindlich und schon Obi Wan sagte: „Die Macht hat großen Einfluss auf die geistig Schwachen.“

Apropos: In der medizinischen Fakultät der Kölner Uni sind Leichen aufgetaucht, die nicht zugeordnet werden können.  Sie lagen so lange rum, dass sie nicht mehr identifiziert und folglich nicht angemessen beerdigt werden können. Die Sprecher versprachen aber, mal gründlich aufzuräumen und besser auf die menschlichen Körper aufzupassen. Ein annehmbarer Problemlösungsweg, der die Gemüter vorerst beruhigt.

Während irgendwer irgendwo unbemerkt rumliegt, gehen Jugendliche auf die Straße, um ihre Stimme zu nutzen. „Die Deutschen wollen ja rebellisch sein, sie warten nur auf Einen, der es ihnen erlaubt.“ äußerte der Kabarettist Marc-Uwe Kling. Und nachdem wichtige Männer das Thema, die Route, das Datum und die Uhrzeit des Demonstranten-Proletariats abgesegneten, durfte jedermann kundtun, dass ACTA eher uncool ist. Erfreulich, dass auch die Deutschen Einsatz zeigen, wenn ihnen etwas nicht passt. Schade nur, dass bei Antinazidemos weniger Beteiligte anzutreffen sind. Die Aktion ist an sich also löblich, lediglich die Motive müssten noch mehr aufs Allgemeinwohl ausgelegt sein. Ein generelles Bratwurstverbot würde wohl mehr Gemüter empören als irgendwelche Menschenrechtsverletzungen. Aber wie gesagt, die Realität ist oft realitätsferner als Fiktion.