Die Welt spielt verrückt und alle spielen eifrig mit. Der mächtigste Drahtzieher im modernen Gesellschaftsspiel ist selbstverständlich der multimediale Überfluss. Der vermag es, uns des Öfteren sachte aber präzise Schläge mit dem Inputhammer zu verpassen. So wird nach und nach ein beachtliches Repertoire an amüsanten Unpässlichkeiten, moralischen Entrüstungen, omnipräsenten Persönlichkeiten, überflüssigen Höchstleistungen, etcetera in unser aller Bewusstsein eingetrichtert. Eine der unterhaltsamsten Kategorien ist dabei die der Sozialstudien. Anhand dieser stellt man immer wieder fest, dass die Deutschen ein bizarres Experimentalvolk sind.

Einschlägige Forschungsergebnisse zeigten unlängst, dass zum Glücklichsein außer einer angenehmen Arbeitsatmosphäre, gesunder Ernährung und sportlicher Aktivität auch einige feste soziale Kontakte beitragen. Man fragt sich unweigerlich, wie viel Geld das Projekt verschlang, bevor diese Früchte der Erkenntnis geerntet werden konnten. Schließlich wurde vorher beharrlich angenommen, dass Arbeitslosigkeit, Fast Food Produkte, Fett an- und Muskel abbauendes Nichtstun sowie die Abschottung von seinen Mitmenschen einen himmelhoch jauchzen lassen. Was für eine Fehleinschätzung. Neben dem Sozialleben soll sich Optimismus positiv auf die Lebenseinstellung auswirken. Bei dieser plötzlichen, enormen Erleuchtung stößt die eine oder andere Bewusstseinserweiterung sicherlich an ihre Grenzen.

Aber von der guten Laune haben die Deutschen ja reichlich – zumindest wenn man aktuellen Studien Glauben schenkt. Diese besagen, dass die Majorität der deutschen Bürger mit ihrem Leben zufrieden ist. Wäre ja auch destruktiv zu klagen und zu kritisieren anstatt den finanziellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohlstand einfach zu genießen. Diese Meldung ist aber tatsächlich mal überraschend. In einem Einbürgerungstest hätte man die Frage nach dem allgemeinen Wohlbefinden doch bestimmt negativ beantwortet. Frei nach Kurt Krömers Klassifikation: „Haste kein Problem, biste nicht deutsch!“ Aber die Wahrheit ist ja eh immer eine zweifelhafte Angelegenheit und wieso nicht mal zur Abwechslung einfach ganz bescheiden zufrieden anstatt von innerer Finsternis geprägt sein.

Eine weitere statistische Bilanz, die für Glücksgefühle sorgen könnte, ist folgende Schlagzeile: „Sex hilft gegen Prüfungsstress.“ Es wurde nachgewiesen, dass Probanden, die vor einer Prüfung sexuell aktiv waren, gelassener und konzentrierter mit der Stresssituation umgehen konnten. Jetzt wird sicher jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch sagen: Sex hilft doch eigentlich gegen alles. Familiäre Probleme, stechende Kopfschmerzen, hohe Schulden, Verspannungen im Nackenbereich sowie ein schlechter Haarschnitt sind doch beim Beischlaf sofort vergessen. Schade nur, dass ein Großteil der Männer angibt, dass Essen ihnen mehr Vergnügen bereitet als Geschlechtsverkehr. Dabei hilft es anscheinend auch nicht, wenn die Damen mit kulinarischen Köstlichkeiten auftrumpfen. Der Zusammenhang zwischen Küchenarbeit und Petting lässt sich also nicht ganz erschließen.

Zum Schluss noch etwas, das die gute After-Sex-Stimmung wahrscheinlich trügt: Partnervermittlungen und Dating-Börsen wurden wissenschaftlich untersucht und bekamen ein vernichtendes Urteil. Irgendwie vermisst man hier eine Art Katharsis. Aber bevor die völlige Desillusionierung einsetzt, lieber schnell noch mal den Partner um Abhilfe bitten.