Es ist mal wieder an der Zeit, den allseitigen Wissenshaushalt aufzufüllen. Das Thema Gesundheitsmythen ist vermutlich ein Paradoxon in sich. Wer glaubt denn überhaupt noch an diese Gesundheit. Höchstwahrscheinlich ist es etwas, das die Industrie erfunden hat, um uns Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Wort „gesund“ findet sich in einem Studentenalltag doch eher selten wieder. Allerdings gibt es Hoffnungsschimmer, die das schlechte Gewissen rund um das verantwortungslose Verhalten beruhigen.

Beispielsweise wurde jetzt bestätigt, dass man mit zwei Liter Flüssigkeit am Tag intus auch keine besonderen Vorteile genießt.  Es konnte keine medizinische Begründung dafür gefunden werden, dass der Körper so viel Wasser benötigt. Die Getränkeindustrie wird aber wohl trotzdem keine großen Einbußen machen, denn auf die Trinkerei möchte ja keiner gänzlich verzichten.

Auch die Legende, dass der Mensch nur einen geringen Teil seines Hirns nutzt, ist inzwischen überholt. Moderne Gehirnscans beweisen, dass es keine brachliegenden Gehirnareale gibt. Dieser Glaube geht tatsächlich auf die Industrie zurück, die die Menschen davon überzeugen wollte, dass sie ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen, um anschließend kostenintensive Methoden dagegen zu verkaufen. Der Mythos, Fruchtstück sei die wichtigste Mahlzeit am Tag, entstand auf genau die gleiche Art. Ein Müslihersteller schrieb es als Slogan auf eine Cornflakesschachtel und sofort war jeder von der Aussage überzeugt. Da kommt einem doch die Theorie mit den ungenutzten Hirnkapazitäten wieder in den Sinn.

Überzeugend war wohl auch die Ansicht, dass Lesen im Dämmerlicht die Augen zu sehr anstrengt und somit zu dauerhaften Schäden führen kann. Jedoch existieren keinerlei wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese Behauptung stimmt. Wer also diesen Artikel in seinem dunklen Kabuff im Keller liest, kann unbesorgt sein.

Auch die folgende Meldung lässt einen beruhigt aufatmen: „Männer werden doch nicht aussterben.“ Nach dieser Schlagzeile sollten doch alle in exzessiven Freudentaumel verfallen, die Arme in die Luft reißen, jubeln und schlichtweg dankbar sein. Es wurde nämlich vermutet, dass Männer chromosomenmäßig den Frauen unterliegen und deswegen evolutionstechnisch den Kürzeren gezogen haben. Das wären doch mal geschlechtsspezifische Präferenzen, mit denen man prahlen könnte. Aber noch ist es nicht so weit – in den vergangenen Jahren gab es keinen signifikanten Schwund. Eigentlich schade, denn so ein Endzeitszenario, bei dem rücksichtslose Weiber auf Männerjagt gehen, um die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren, hat doch etwas für sich.

Jedoch spielen die Wissenschaftler gelegentlich doch noch die Moralapostel: es wurde nachgewiesen, dass viele Menschen durch falsche Entschlüsse sterben. Folgerung: an Nummer 1 der Todesursachen steht nicht etwa Alkohol, Nikotin oder fettiges Essen, sondern persönliche Entscheidungen. Beklemmender Gedanke aber ganz ehrlich: es sind nun mal die spontanen, exzentrischen Impulse, die Dynamik ins Leben bringen. Außerdem möchte niemand auf den Genuss von liebgewonnenen, eventuell nicht ganz lebensfördernden Ritualen verzichten. Und solange das männliche Geschlecht noch nicht ausstirbt, gibt’s ja eh genügend Nachschub.