Es ist zu spät! Spart euch die Mühe, der Zug ist abgefahren, der Drops ist gelutscht, die Würfel sind gefallen, es ist Ende im Gelände und Schicht im Schacht. Zumindest habe ich ständig das Gefühl, denn anscheinend verkehren wir in sehr schnelllebigen Zeiten.

Man muss schon Extrem-Frühaufsteher sein und sich bereits vor Sonnenaufgang über das Weltgeschehen informieren, um mitreden zu können. Gerüchte verbreiten sich anscheinend noch bevor sie überhaupt entstehen und sowas wie tagesaktuelle Themen gibt es eigentlich gar nicht mehr – sie sind vielmehr Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Alle wissen Bescheid und haben bereits eine Meinung, bevor die Meldung fünf Minuten alt ist. Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind ja unsere Tageszeitungen. In den Eilmeldungen erfährt man alles über Todesfälle, Neugeborene und Skandale aus Politik, Wirtschaft und der High Society. Mir mangelt es da oft an Interesse. Fehlende Informationen über Klatsch und Tratsch betrachte ich nicht als Bildungslücke. Das darf man aber natürlich nicht zugeben, wenn man dazugehören möchte. Stattdessen wähle den klassischen Problemlösungsweg und denke über das Ganze nicht weiter nach. Wieso sich auch von den News irritieren und empören lassen? Da kriegt man nur hohen Blutdruck, Sodbrennen und Selbstbildstörungen von. Bei den meisten Statusmeldungen der sozialen Plattformen platzt dem Rezipienten aufgrund der gewaltigen Bildsprache sowieso fast der Kopf. Das steckt einfach so viel Weltschmerz drin.

 

Beruhigend zu wissen, dass ich mich nicht alleine mit Zeit-Problemen herumschlagen muss. Etwas rückständig sind anscheinend auch die Mitarbeiter von Google. Diese haben sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt: Unlängst wurde der Berliner Theodor-Heuss-Platz beim Google Kartendienst Maps wieder in den Adolf-Hitler-Platz umbenannt. So hieß dieser auch  - allerdings in der Zeit von 1933 bis 1945. Eine Erklärung oder Stellungnahme gab es von Googles Seite natürlich nicht. Den Leuten fällt also nichts Originelleres ein als Nazi-Witze über Deutschland. Dabei bedient guter Humor doch eigentlich immer aktuelle Themen.

Und was ist sonst noch typisch für dieses Land? Natürlich: die deutsche Bahn. Der Transport ist teuer, ständig unpünktlich und kommt meist gar nicht erst an. Doch die Menschen in Bayern lassen sich das nicht gefallen. Erst kürzlich blieb ein Zug an der österreichisch-bayerischen Grenze liegen, sodass die Fahrgäste diesen mit vereinten Kräften wieder in Fahrt bringen mussten. Nach einer Strompanne baten Lokführer und Begleitpersonal einfach die Passagiere ganz lieb um Hilfe. Das nagelneue Zug-Modell trägt übrigens den Namen „Flirt“ – da muss man ja manchmal nachhelfen, sonst läuft gar nichts.  Aufgrund des unkonventionellen Handelns müssen die Verantwortlichen jedoch wahrscheinlich mit juristischen Konsequenzen rechnen. Und das in Bayern, wo die Uhren eigentlich noch anders ticken. Ein Idiot in Uniform ist aber auch dort immer noch ein Idiot. Allerdingst ist er dann auch immer noch in Uniform. Da gehorchen die meisten ohne mitzudenken, Stress möchte man ja tunlichst vermeiden. Außerdem vergessen viele Deutsche oft die Lebensgefahren, in die sie sich begeben, um noch pünktlich anzukommen.

 

Wir sehen, Zeitprobleme haben meist nichts mit mangelnder Orientierung über die Zeit zu tun. Da steckt Methode hinter. Ihr wisst ja, wer zu spät kommt, verpasst das Beste und so weiter. Wenn ihr also mal gestresst seid und keine Zeit für irgendwas findet, denkt einfach an Shakespeares Worte: „Das Leben ist voller Wahn, Lärm und Raserei, letztendlich aber doch bedeutungslos.“