Manchmal macht man Erfahrungen, vor denen man andere schützen möchte. Sucker Punch ist eine dieser Erfahrungen und deshalb empfehle ich euch, ihn nicht anzusehen. Warum? Ich erklärs euch…

Es gibt ja bekanntlich Filme und es gibt Filme. Es gibt Erwartungen und es gibt Erfahrungen. Es gibt dreiminütige Trailer und es gibt 150-minütige Filme. Es gibt Regisseure und es gibt Drehbuchautoren.

Sucker Punch musste (oder konnte?) sich mit großen Erwartungen messen. Die „Nerd“-Gemeinde, die sich Filmemacher ja in letzter Zeit bekanntlich immer öfter als Zielgruppe auswählen, kann sich ja eigentlich nicht beklagen. „Kick-Ass“ und „Scott Pilgrim“ waren unterhaltsame Filme, die, aus meiner Perspektive natürlich nicht authentisch einschätzbar, aber auch auf Nicht-Mitglieder der Subkultur einen gewissen Charme wirken ließen. Jetzt ist da ein Trailer, in dem hübsche, junge, leichtbekleidete Mädels gegen Robotersamurai mit Gatling-Guns, Helghast-Nazi Crossover und Drachen kämpfen. Traurig eigentlich, dass das bei einer Zielgruppe, zu der ich mich ja nun auch zähle, ausreicht, um hohe Erwartungen an einen Film zu haben. Zu unserer Verteidigung muss aber auch gesagt werden, dass einem sehr deutlich zu verstehen gegeben wird, dass dieser Film von Zack Snyder ist, der ja auch „300“ und „Watchmen“ gemacht hat. Das Zack Snyder allerdings nur der Visionär ist, zu dem ihn besagte Filme gemacht haben, wenn ihm jemand ein gut geschriebenes Drehbuch auf den Schreibtisch legt, beweist „Sucker Punch“ noch mehr als „Die Legende der Wächter“.

Kurz zur Geschichte: Babydoll (Emily Browning) und ihre Schwester haben viel Geld von ihrer Mutter geerbt, das findet der Vater nicht so gut und betrinkt sich. Volltrunken will er sich an Babydolls Schwester vergehen. Um ihre Schwester zu retten, schnappt sich Babydoll die Pistole ihres Vaters und erschießt dabei versehentlich ihre eigene Schwester. Der Vater bringt sie daraufhin in eine Nervenheilanstalt und besticht den Direktor der Klinik ihr eine Lobotomie (Gehirnoperation) zu verpassen, die sie für immer verstummen lässt. In den 5 Tagen bis zur Ankunft des Arztes, schweift Babydoll in eine Phantasiewelt ab, in der sie 5 Gegenstände finden muss, um zu fliehen. Um an die Gegenstände zu kommen, muss sie dabei gegen Robotersamurai, Deutsche Soldaten-Roboter, Roboter und Drachen kämpfen.

Warum sollt ihr also nicht in „Sucker Punch“ gehen. Weil hier der Name (Sucker Punch – hinterhältiger Schlag ins Gesicht) Programm ist. Ursprünglich wurde der Name wahrscheinlich gewählt weil der Film den ahnungslosen Zuschauer mit all seinem Einfallsreichtum, seiner Coolheit, Bildgewalt und audiovisuellen Darbietung wie ein Schlag ins Gesicht treffen sollte. Nun ist es genau umgedreht. Der erwartungsvolle Zuschauer wird mit einem Schwall von zusammenhangslosen Klischees, Pseudo-Erotik und langweiligen CGI-Effekten überwältigt. So stark, das man nach dem wirklich denkt, jemand hat einem ins Gesicht geschlagen – weil es stellenweise wirklich wehtut, sich diesen Film anzusehen.Dieser Film ist unangenehm. Und dabei wird keiner eurer Sinne geschont.

Die Augen: Fangen wir mal langsam an. Die Schauspieler sind grauenhaft. Allen voran Abbie Cornish, die die Rolle der Sweat Pea spielt. Wenn sie ihren Mädels erklärt, dass sie sich mit dem Fluchtplan aus der Irrenanstalt / Puff in Lebensgefahr bringen, erinnert das schon stark an Schülertheater. Kaum weniger lächerlich sind allerdings auch Pro- und Antagonist. Emily Browning als „Babydoll“ geht einem mit ihrem unschuldigen-verletzlichen und immer gleichen Blick schon nach einer halben Stunde auf die Nerven und der Direktor der Anstalt wirkt wie ein schlecht gelaunter Clown auf einem Kindergeburtstag. Selbst die Actionszenen, die den zeitlichen und intentionalen Großteil des Films ausmachen, sind so generisch und uninspiriert, dass man sich freut, wenn sie wieder vorbei sind. Mal ein kleiner Tipp von meiner Seite: Wenn in einem Raum 30 Roboter stehen, wäre es visuell-dramaturgisch besser, nicht bei jedem einzelnen Roboter-Tod eine Zeitlupe zu verwenden…

Die Ohren: Den Sound von „Sucker Punch“ fand ich schrecklich. Der Soundtrack beinhaltet zwar einige gute Songs, diese gehen aber in dem Meer von 08/15-Liedern unter, die in so ziemlich jeder Szene eingespielt werden. Sei es im Kampf, während den Dialogen oder auch nur wenn Babydoll den Boden schrubbt. Tarantino benutzt ja schon proportional viele Lieder mit Vocals, Snyder geht aber noch einen Schritt weiter (beziehungsweise 100 Schritte abwärts) und ballert den Film so mit Emo-Musik voll, dass er aussieht, wie ein Fragvideo auf Youtube. Dazu kommt noch eine außerordentlich schlechte Tonmischung und eine nahezu lächerlich offensichtliche Nachvertonung.

Carla Gugino war auch schon bei Watchmen dabei

 

Das Gehirn: Hier tut es am meisten weh. Bis zu dem Punkt an dem sie in die Klapse eingeliefert wird, hätte man aus dem Film sogar noch was machen können. Die Anfangsszene im Elternhaus ist die einzige, die so etwas wie Emotionen transportiert. Spätestens wenn die Klinik  zum Freudenhaus mutiert, geht allerdings alles den Bach runter. Ob, und wenn, dann warum sie sich vorstellt, die Klinik wäre ein Moulin-Rouge Verschnitt mit Happy End, wurde mir nicht wirklich klar. Hat Babydoll wenigstens den Hauch einer Vorgeschichte, werden ihre weiblichen Gefährtinnen überhaupt nicht charakterisiert. Achja doch, Sweat Pea muss irgendwie zu ihrer Mutter zurück. Jedes der Mädchen muss einen Tanz einstudieren und wenn Babydoll tanzt ist das so schön, dass alle Zuschauer in eine Art Trance fallen – süß oder? Beim tanzen entschweift Babydoll nämlich in ihre Phantasiewelt mit Drachen, Samurais und Robotern.

Selbst hier macht der Film allerdings keinen Sinn. Die Actionszenen währen vielleicht sogar ein kleines bisschen spannend, wenn man das Gefühl hätte, die Mädels wären zu irgendeinem Zeitpunkt in Gefahr. Soldaten die deutschen Soldaten-Zombie-Roboter (das Szenario beschreibt den ersten Weltkrieg) sind anscheinend so pazifistisch veranlagt, dass sie die Mädels partout nicht töten sondern nur mit ihren Waffen bedrohen wollen. Da wird dann eben solange gewartet und auf die am Boden liegende Schulmädchen-Domina gezielt, bis eine ihrer Freundinnen kommt und die Soldaten mit ohrenbetäubendem Gekreische von ihrem untoten Leben als Dampfmaschine erlöst. Ja die Nazis sind Dampfmaschinen. So kann man nämlich vermeiden, dass Blut spritzt und der Film nicht für 12-Jährige freigegeben wird, von denen Zack Snyder anscheinend denkt, dass sie dämlich genug sind, um diesen Film gut zu finden. Stattdessen dampfen die leblosen Körper dann also ein bisschen. Immer noch besser als bei Twilight, wo haufenweise Gliedmaßen abgerissen werden, ohne das auch nur ein Tropfen Blut spritzt. Seit dem wissen wir ja, wer im Schaufenster immer die Klamotten anziehen muss. Das sind Vampire!

Ich könnte jetzt noch eine halbe Ewigkeit über alles herziehen, was in diesem Film keinen Sinn macht aber natürlich könnte man argumentieren, dass es wohl kaum der Anspruch von „Sucker Punch“ ist, einen Sinn zu haben. Leider hat er allerdings auch nichts anderes. Keine Charaktere, keine Action, keine Optik, keinen Sound und keine Erotik. Zumindest nicht im positiven Sinne. Spart euch diesen Film, er ist es nicht wert. Manchmal sieht man schlechte Filme und kann darüber lachen, hier schämt man sich einfach nur. Und wenn ihr Mädels unter den Rock gucken wollt, geht lieber ins Ballett.