Die Trompete schmettert, der Boden bebt, das Publikum kommt seinen eigenen Füßen nicht hinterher. Sie schreien im Offbeat “Hey hey hey”, springen und schwingen genau wie der Geigenbogen, der über die Saiten fegt. Shantel & The Bucovina Club Orkestar hat mit südosteuropäischer Tanzmusik die Meute gestern Abend ordentlich ins Schwitzen gebracht. Balkan Pop ist angesagt. Das Lustige daran: Shantel alias Stefan Hantel kommt aus Deutschland.

Shantels Vorfahren stammen aus Bukowina – einer Region, die sich über die südliche Ukraine und das nördliche Rumänien erstreckt. Der gebürtige Frankfurter begann sich dafür zu interessieren, nachdem er seine Berufung als DJ gefunden hatte, unternahm mehrere Reisen durch den Osten und lernte die dortige traditionelle Musik kennen.

2003 erschien die Compilation “Bucovina Club” und brachte westeuropäische Augen zum Strahlen. Die Vogue schrieb:

Shantel holt die Stars serbischer Dorffeste und ukrainischer Mafiahochzeiten in die Metropolendiscos. Der melancholisch-wilde Gipsy-Sound Osteuropas wird jetzt zum Szenetrend.

Einzelne Songs wurden zum Soundtrack von Alles auf Zucker (2004) und Borat (2007). Auch die Filmmusik von Akins Auf der anderen Seite (2007) stammt von Shantel.

“Bucovina Club 2″ ließ nicht lange auf sich warten, es folgten “Disko Partizani” (2007) und “Planet Paprika” (2009). Und damit Shantel fortan auch auf Konzerten spielen konnte, suchte er sich ein paar begnadete Musiker zusammen und gründete das Bucovina Club Orkestar.

Von der World Music Party Main Stage schwappt pure Energie, wenn die Gruppe loslegt. Der treibende Beat prügelt Glück in die Menge. Sie lachen und zappeln, als gäbe es kein Morgen mehr.

Plötzlich hält die Musik inne- die Macht des Orchesters – , erwartungsvolle Gesichter richten ihren Blick auf die Bühne. Man wartet auf den Einsatz, Shantel grinst, die Meute schreit – uuund weiter gehts, immer weiter durch die Nacht, eine Zugabe nach der anderen…

Shantels Publikum tobt

Lust auf mehr Balkan Beats? Ebenfalls auf dem Sziget: Besh o Drom, Fanfare Ciocarlia und Emir Kusturica.

http://www.youtube.com/watch?v=t0UcC_HQnsA