Das 20. Sziget-Festival ist vorüber und hinterlässt ein großes “Wow” in den Herzen seiner Besucher. Eine Woche lang war die Donauinsel im nördlichen Budapest im Ausnahmezustand, ein Mekka für europäische Festivalwütige, Boden für Kunst, Kultur und gute Musik. Die Auszeichnung als Best European Major Festival im letzten Jahr sorgte bei den Veranstaltern für Höhenflüge, die die Jubiläumsausgabe noch fantastischer und aufregender als sonst werden ließ.

Mit Bands wie Korn, The Stone Roses, Snoop Dogg oder Placebo war das Line-Up diesmal mit beeindruckenden Namen gespickt. Aber es sind nicht die Headliner, die das Festival so besonders machen, sondern die über 50 anderen Bühnen, auf denen jede erdenkliche Musikrichtung ihren Platz findet. Während Emir Kusturica auf der World Music Stage mit Balkan Pop die Massen in Ekstase versetzt, findet in einem kleinen Zelt nur 100 Meter weiter eine Jamsession mit afrikanischen Musikern und für Laien unbekannten Instrumenten statt. Ob Dubstep oder ungarische Volksmusik, Sum 41 oder Katzenjammer, hier findet jeder seine Nische.

Die Hauptbühne

Und obwohl die Acts und auch die Besucher unterschiedlicher nicht sein könnten, ist die Stimmung absolut friedlich. Ein Grund dafür mag sein, dass die Feierwütigen nicht – wie auf anderen Festivals – irgendwann das Konzertgelände verlassen müssen und die Langeweile auf dem Zeltplatz mit Alkohol zu kompensieren versuchen. Hier kann man seine Matratze auch zwischen Hauptbühne und Dixieklo parken.

Auf die Internationalität ihres Festivals sind die Macher besonders stolz:

Visitors from over 60 countries joined the event. Although there are no statistics on this, Sziget is probably the most international music festival in the world.

Vor allem Niederländer, Franzosen und Deutsche trifft man an jeder Ecke. Erstmalig in diesem Jahr gab es die “Holland meets Hungary Stage” mit Musikern aus beiden Ländern, und die “Puglia Sounds Stage”, auf der überwiegend italienische Acts auftraten.

Das Festivalgelände

Neben den unzähligen Bühnenshows ist auch das außermusikalische Angebot riesig. Es gibt Theater- und Zirkusvorführungen, man kann basteln, klettern, heiraten, sich massieren, tätowieren und die Karten legen lassen, Bungeejumpen, Fahrradfahren, shoppen gehen. Eine Neuerung in diesem Jahr: ein 42 Meter hohes Riesenrad, das Sziget Eye (Ungarn grüßt Olympia). Die Preise sind okay, aber bei einem Umrechnungskurs von 1 Euro = 278 Forint und (dank Prepaidkartensystem) bargeldlosem Zahlen hört man schnell auf zu rechnen.

Das Sziget Festival begrüßte in diesem Jahr seinen 6 millionsten Besucher, bzw. seine beiden, denn es marschierten zwei Leute gleichzeitig durch das Tor. Sie erhielten Sziget Tickets auf Lebenszeit. Da kann man schon mal neidisch werden. Noch mehr Zahlen:

During the 20 years we hosted 3800 bands and sold 13 and a half million pints of beer. In the first year the total budget of the festival was approx. 100 000 EUR and attracted a total of 43 000 fans, while the 2011 edition already had a budget of over 10 million EUR and hosted 385 000 fans.

Acht Tage dauerte das Festival – davon drei Warm-up-Days, die überwiegend der ungarischen Musik gewidmet waren. Es ist schwierig, das Sziget zusammenzufassen, denn es ist einfach so unglaublich facettenreich und groß. Der Standardsatz auf dem Heimweg: “Ich hab irgendwie gar nicht so viel mitgekriegt.” Da hilft nur eins: Im nächsten Jahr wiederkommen!

Spaß auf dem Sziget

Kunst zwischen den Zelten

Sziget Eye