Bereits zum 20. Mal hat das Sziget Festival am Montag seine Tore geöffnet. Herein strömten bunte Scharen aus aller Herren Länder – die Welt trifft sich in Budapest, eine Woche lang, feiert, trinkt und tanzt zusammen. 400 000 Besucher werden jedes Jahr auf der Insel erwartet, die sich dann vor und um 60 Bühnen herum von allen denkbaren Musikrichtungen beschallen lassen. Headliner in diesem Jahr sind u.a. Korn, The Stone Roses, Snoop Dogg und Placebo. Außerdem dabei: The XX, Beatsteaks, Crystal Fighters, Two Door Cinema Club, Kakkmaddafakka und, ach, irgendwie alle, die man jemals live sehen wollte…

Nicht umsonst wurde das Festival im letzten Jahr bei den European Festival Awards zum Best Major Festival gewählt. Das Besondere ist nicht nur seine Größe und das Line-Up, sondern auch die Location: eine Insel, mitten in Budapest. Daher rührt auch der Name: Insel heißt in der Landessprache sziget (Bier heißt in der Landessprache sör, feiern bulizni, tanzen táncolni).

Bis man als deutscher Landesbürger die heilige Brücke zum Festivalgelände überqueren kann, ist es jedoch ein weiter Weg. Die billigste Variante ist wohl eine 12stündige Zugfahrt. Durch Tschechien, die Slowakei und die Nacht, auf senkrechten Sitzen in überfüllten Waggons. Der Ausnahmezustand fängt dort schon an. Koreaner und Franzosen unterhalten sich über das Line-Up, während der Schaffner murrend über im Gang liegende Festivalpilger hinweg steigt und seinen “Tickets please”- Spruch gleich in drei Sprachen runter rattert, damit auch ja keine Fragen aufkommen.

Am Keleti Bahnhof angekommen, knacken alle Glieder einmal und der Strom bewegt sich weiter, hinab in die klappernde Metro. Wir tauchen unter der Donau hindurch und werden von der zunehmend bunter werdenden Menge zur Vorortbahn getrieben, die schließlich zur Hajógyári-Insel fährt. Der Stadt liegen die Musiktouristen offensichtlich am Herzen: überall stehen Schilder, die den public transport Weg zum Festival beschreiben. An der entscheidenden Haltestelle schnarrt eine freundliche Stimme durch den Wagen

“For Sziget Festival, please get off here.”

Alle anderen Fahrgäste atmen erleichtert auf und rollen weiter Richtung Szentendre.

An jeder Straße sorgen Polizisten dafür, dass der Besucherstrom nicht überfahren wird (oder vielleicht eher dafür, dass gelegentlich doch ein Auto hindurch kommt). Man fühlt sich auf jeden Fall gut aufgehoben.

Jetzt erstmal schlafen, sagt der Körper. Ein Bierchen und dann feiern, sagt alles andere. Und los gehts!