… und der zweite kommt so gleich! Letzten Samstag durfte ich mit euch einen weiteren Abend auf der Suche neuer Talente Sachen-Anhalts erleben und eins vorne weg: diesmal gab es aus meiner Sicht klare musikalische Lichtblicke für das Finale. Ich habe es nicht verheimlicht, dass der erste Vorausscheid eher schwach ausgefallen ist. Am vergangenen Samstag  verließ ich das Projekt 7 mit vielfältigen Eindrücken, die mich im Hinblick auf das Finale sehr neugierig machen. Aber nun erstmal alles der Reihe nach:

Der Allgemeine Rundblick:

Mein Talk mit Maurice im Studio und weiter unten alles detailiert in Schriftform:

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Accesslink

Eine Band, die etwas holprigen Anfang hatte. Bandmitglieder, die kaum unterschiedlicher sein konnten, eröffneten den Abend. Der erste Eindruck war nicht der beste, denn zu spät einsetzendes Schlagzeug und Gitarrenriffs neben der Spur beherrschten den ersten Teil des Auftritts. Ich hatte das Gefühl, als ob sich die Musiker gegenseitig im Weg standen und dies auch gleich den Anschein hatte, als ob sie ihre Instrumente noch nicht richtig beherrschen konnten, zumindest nicht im Zusammenspiel. Eigentlich sehr schade, denn mein restlicher Eindruck war sehr sympathisch. Ihre Nervosität war ihnen anzumerken und trotzdem haben sie dies (zumindest in ihrem Auftreten) überspielt, was man aber in der Qualität ihrer Spielleistung um so mehr hörte.

Ein weiterer Plus waren ihre Kompositionen, die sich irgendwo zwischen klassischem Rock und Pop bewegten mit partiell interessanten Textzeilen. Sofort nach dem Auftritt und auch noch Tage danach hatte ich Ohrwürmer im Kopf. So sehr ich Sympathie in meine Bewertung einfließen lasse, konnten ich und die restlichen Jury-Mitglieder leider nicht über die musikalischen Stolpersteine hinweghören. Besonders im Hinblick darauf, dass die Jungs vor einem Jahr bereits teilgenommen haben und bis zum Finale nur noch ein kurzer Zeitraum für mögliche Entwicklungen ist. Warum es die andere Bands traf schreibe ich weiter unten.

heat

HEAT

WOW! Ich glaube das habe ich den Jungs auch schon persönlich gesagt. Einen größeren Kontrast zum Vorgänger konnte es an diesem Abend nicht geben. Woher kommt diese Wucht des Schlagzeugs? Was ist das für eine durchdringende Gitarre? Ich möchte nicht parteiisch wirken, aber an diesem Abend zogen HEAT meine komplette Aufmerksamkeit auf sich. Ich wollte mich noch mal vergewissern, dass nichts am Klangregler gedreht wurde, aber Stephan, der Tontechniker, antwortete nur: ” Ich mach hier  nur Ton und keinen Sound”, doch was da den Projekt 7 Boden zum vibrieren brachte war Sound vom allerfeinsten.

Bei den vier Jungs  habe ich das gesehen, was ich bei wenigen Bands des Wettbewerbs (in meiner Jung-Juror-Laufbahn) gesehen hab: ein Ganzes. Egal ob gespielte Arroganz oder nicht – diese Jungs machten das, was sie wohl am besten können. Und das konnten Sie gut! Wer ohne Fans ins Projekt anrückt und einen leeren Saal zum Abschluss gefüllt hat, kann sich was einbilden. Egal ob es Neugier, Gefallen oder einfach nur Entsetzen über die nicht vorhandene Bühnenperformance oder schlichtweg fehlende Kommunikation zum Publikum war. Diese Jungs haben polarisiert und ihren Brit Rock Style von vorne bis hinten durchgezogen (inklusive überziehen und ellenlanges nachstimmen).

Und auch wenn sie den Eindruck erwecken wollten, dass sie kein Bock auf das Ganze hatten: wer kein Bock hat, stellt sich nicht einem Bandwettbewerb. Ich freue mich über den Neuzugang ins Finale!

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Otters Sleep Holding Hands

Eine interessante Idee aber leider etwas schief gelaufen. Sie haben etwas gewagt und das rechne ich ihnen an, aber zu wenig von der Idee rübergebracht.  Ich war gespannt auf die Umsetzung ihrer eingereichten Tracks und nach dem Durchhören der Demo-Aufnahmen habe ich diese Kombo auch als Favoriten im Video bei der Vorstellung der Nominierten erwähnt (Link hier). Leider wurde ich enttäuscht und die Darbietung wirkte auf mich etwas unbeholfen. Ein Synthesizer für Beat-Loopings gemischt mit einer leicht verstimmten Gitarre und einer nicht wirklich ausdrucksvollen Stimme.  Die restlichen Kompositionen blieben auch nicht wirklich hängen. Der erste Song hatte  zwar Ohrwurmcharakter, beim Rest  jedoch habe ich meine Meinung im Publikum bestätigt gefühlt.

Und so flatterte der unnötige Konfettiglitter  zum Schluss auf die sich gebildete Freifläche vor der Bühne nieder. Hier passte irgendwie gar nichts nach meinem Gehör. Sorry Jungs!

(P.S. Hier mal der Ohrwurmtrack “I wish my head”, der ist wirklich nicht schlecht)

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The Fortunate Fools

Die vierten Finalisten. Eine solide Leistung. Perfektes Taktgefühl. Diese Jungs beherrschen ihr Handwerk wohl im Schlaf. Mit funkigen Grooves probierte sich die Band beim Magdeburger Publikum. Hier mangelte es weder am Selbstvertrauen noch an der Spielpraxis. Dies war deutlich zu hören, doch leider blieb nach diesem Auftritt bei mir rein gar nichts hängen. Ich kann nicht wirklich sagen woran es lag: War es zu perfekt? Zu ausgereift? Im Gespräch mit Maurice  konnte ich es nicht anders beschreiben als: “Mir fehlte die musikalische Seele.”

Ich hatte das Gefühl, als ob  sich die Vier ihr Können in der Musikschule angelernt haben (verzeiht mir wenn es nicht so ist) und theoretisch ihre Instrumente spielen können und auch theoretisch des Songwritings mächtig sind. Doch Theorie muss in der musikalischen Praxis und Wirkung nichts heißen. Somit war der Klintsch bei der Jury-Entscheidung: Kann man eine Band, die man schon fast nach dem Aufritt vergessen hat ins Finale lassen oder gibt man eher die Stimme einer noch unreifen aber dafür ohrwurmlastigen Band? (siehe Accesslink)

Im Endeffekt fiel die Entscheidung zu Gunsten des Zeitraums bis zum Finale. The Fortunate Fools hinterließen, wenn schon keinen Ohrwurm im Kopf, dann wenigstens einen professionellen Eindruck, der meiner Meinung nach sich gut ins Finale einordnen kann. Hierbei bin ich aber für eventuelle Überraschungen offen. Denn sonst sehe ich auch im Finale eventuelle Gefahr, die Band schlichtweg zu übersehen.

elkaar

ELKAAR

Klassischer Metal oder doch nicht klassisch? Zumindest ging es am Ende sehr energisch zu. Mit eigenem Headbanger-Fanblock machten die Jungs schon mächtig Eindruck. Ähnlich wie beim Hip-Hop fiel es mir schwer diese Band als Gengre-Fremder zu bewerten. Doch auch in dieser Musikrichtung meine ich etwaige Unterschiede feststellen zu können.

Ich hatte das Gefühl als standen zu große Rhythmusstörungen auch für diese Band beim Auftritt im Weg. Ohne das können in Frage stellen zu wollen, haben mir meine Jury-Kollegen dies auch bestätigen können. Allerdings kann ich in diesem Blog leider nicht viel mehr Aussage darüber treffen, dafür Vertraue ich zu sehr auf die anderen Wertenden. Und wenn man wenig zu sagen hat, sollte man lieber schweigen und das werde ich jetzt tun.