Zum 12 Mal wird bei den SWMusicids nach neuen musikalischen Talenten aus Magdeburg und Umgebung gesucht. Für mich jedoch war es zum ersten Mal der Blick hinter die Kulissen des Jury-Raums.

Im Pop10 Studio habe ich Maurice über den Abend berichtet:

Es war keine besonders harte Entscheidung, denn alle Jury-Mitglieder haben größtenteils nach Gefühl und musikalischen Bewusstsein entschieden. Somit gingen die Meinungen nicht besonders gravierend auseinander. Trotzdem sorgten einige Bands und Künstler für Diskussionsstoff. Mein Fazit habe ich weiter unten formuliert, doch zunächst gibt es meine Einschätzung zu den einzelnen Acts:

http://www.youtube.com/watch?v=hDjoskFgkrM

kondor

Kondor

Sebastian aus Magdeburg versuchte sich als erster mit Rap auf der Projekt 7 Bühne. Etwas Verwirrung stiftete die Ansprache bevor es mit dem ersten Beat losging, jedoch mit dem ersten Track hat Kondor es geschafft die sich gebildeten Vorurteile aufzulösen. Ganz gut produzierte Beats und auch einige Ohrwurmparts waren dabei. Sogar jetzt noch beim schreiben kann ich mich noch gut an einige Texte erinnern. Das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt.

Bisschen Arbeit sehe ich noch in den Sprechgesang-Parts, die etwas schief ausgefallen sind. Gut, dass es nicht so viele davon gab. Auf der anderen Seite hat es Kondor geschafft, ab der ersten Minute das Publikum auf seine Seite zu ziehen und gab sich viel Mühe die Laune zu halten, wofür die Kondition nicht ganz ausreichte. Im Endeffekt konnte er sich aber mit seiner Energie ins Finale rappen.

Mein Tipp für das Finale: Kräfte Sammeln, den Auftritt besser strukturieren und eventuell noch jemanden dazuholen, der die Tracks abspielt um die etwas peinliche Kommunikation mit dem Techniker zu vermeiden.

monocyte

Monocyte

Die erste und größte Band das Abends, bestehend aus 6 Mitgliedern, versuchte Ihr Glück auf den Finalisten-Titel. Natürlich steigert sich bei der Zahl der Mitglieder auch die Schwierigkeit des Zusammenspiels, das machte der Band an einigen Stellen zu schaffen. Der energiegeladene Sänger der Band, hat mit aller Kraft versucht das Publikum auf seine Seite zu ziehen, was seine Konzentration von seiner eigentlichen Aufgabe ablenkte. Eigentlich sehr schade, denn in den ruhigeren Parts, hab ich durchaus Sympathie für die Kompositionen gehegt. Ich mochte die Leadgitarren-Parts und auch den Einsatz des Pianos, jedoch sobald es wieder in den schnelleren Rhythmus wechselte, war die Gesangsleistung eher mittelmäßig. So hat dies auch die Gesamtwirkung der Band auf der Bühne bei den Jury-Mitgliedern etwas ins negative gezogen. Eine Sache an der man arbeiten könnte und eine Band, in der aus meiner Sicht noch Potential steckt. An diesem Abend aber nicht ausreichend für den Finaleinzug.

bm

The Black Mollys

Ganz ehrlich – mir waren die Jungs sympathisch. Ohne Mimikeinsatz und große Showeinlagen stand das Trio auf der Bühne und spielte die Songs runter. Klingt erstmal unspektakulär. Aber ich konnte mich durchaus für die Texte begeistern. Ich zog vergleiche zu Bands wie Ton Steine Scherben oder Die Heiterkeit. Aus der technischen Sicht habe ich keinerlei Einwände, jedoch ist dieser Wettbewerb eventuell der falsche Kontext für diese Kombo. Sehr gut stelle ich mir die Black Mollys in einer verrauchten dunklen Kneipe vor, wo sie auch ihr Publikum finden werden.  Aber im  Hinblick auf das Finale und Produktion der Songs im Studio war hier keine große Entwicklung zu erwarten, da ihre Musikrichtung von diesem “kaputten” Charakter lebt und aus meiner Sicht schon komplett im Rahmen des Möglichen ausgereift ist.

dttah

Don’t Try This At Home

Noch ein Trio und auch ein Vorjahresteilnehmer. Die Jungs haben aus der Kritik vom letzten Jahr gelernt – bastelten am Sound und an den Songs. Was man zu hören bekam klang auf jeden Fall schon viel professioneller als die Bands am restlichen Abend. Die Gitarre war präsent und ausgereift, der Beat und die Hooklines waren partiell sehr stimmig und ließen mich über die Entwicklung der im Vorjahr noch sehr schüchternen Jungs staunen. Irgendwie habe ich mir auch vorgestellt, dass in deutsche Sprache den Jungs und vor allem ihrer Musik viel besser stehen würde, aber das tut hier nichts zur Sache.

Im Hinblick auf den gewonnenen Record könnte ich mir vorstellen, dass im Studio noch einiges herausgeholt werden könnte, was die Jungs selbst in ihren Songs noch nicht gesehen haben. Jedoch auch hier müsste man die mangelnde Gesangsleistung in die Wertung einbringen. Da muss bis zum Finale bei den Proben der eine oder andere Ton gerade geschoben werden.

castodes

Cast.Odes

Der letzte Act am Abend ist eventuell auch der umstrittenste. Wieder ein Rapper, aber mit härteren Beats als der erste. Leider hab ich die hälfte davon rein akustisch nicht verstehen können. Der Saal war gefüllt, die Leute gingen mit und der Raum bebte mit dem Beat. Mich konnte der Künstler jedoch nicht auf seine Seite ziehen. Ich möchte kein Spaßverderber sein, aber der ein oder andere Witz ging eher nach hinten los. Bei der Bewertung seiner Rap-Künste, habe ich mich herausgehalten und auf die Erfahrung meiner Jury-Kollegen vertraut. Gehe ich nach meinem subjektiven Gefühl, müsste ich sagen: Mir persönlich war der Auftritt zu aggressiv. Auch hier stellte sich mir die Frage nach dem Kontext und ob Cast.Odes in diesem Zusammenhang ins Finale passen würde. Meine Meinung stimmte mit derjenigen der anderen Jury-Mitglieder überein und deshalb hat es leider auch hier nicht für die Weiterleitung gereicht.

 

Schlussendlich fällt mein Fazit so aus:

Kein Act des Abends hat eine perfekte Leistung abgegeben, aber dies war auch nicht verlangt. Es gibt bei jedem Künstler und Kollektiv noch musikalische Baustellen und vor allem noch Möglichkeiten der Entwicklung. Die Entscheidung der Jury basierte auf der Voraussicht, wie sich die Künstler durch ihren Studioaufenthalt verbessern und sich in einigen Wochen ins Finale fügen würden. Somit traf es die beiden Acts, die am vergangenem Samstag die besseren Chancen auf eine Zusammenarbeit und dem damit zusammenhängenden Coaching gebraucht haben.