Wie schnell die Zeit doch wieder vergangen ist. Am Samstag fand das diesjährige Finale des SWM Talentverstärkers, dem größten regionalen Bandcontest, in der Factory Magdeburg statt. Mitmachen lohnte sich, denn es gab wie immer tolle Preise zu gewinnen! Der Jurysieger erhält eine vom Heartdisco Studio professionell produzierte EP mit einer Auflage von 400 Stück und der Publikumssieger einen Auftritt beim diesjährigen Rocken am Brocken Festival. Na wenn das keinen Konkurrenzkampf hervorgerufen hat. Ich jedenfalls war in den letzten drei Wochen schon ganz hibbelig, da ich mich so sehr freute zu sehen, wie sich unsere jungen ausgewählten Talente in den letzten Wochen weiterentwickelt und welche Überraschungen sie so für uns geplant hatten. Eins kann ich schon vorwegnehmen: Die ein oder andere Überraschung gab es!

Vorab gilt es jedoch nochmal allen freiwilligen Beteiligten für ihren Aufwand und ihre harte Arbeit zu danken. All das ist nicht selbstverständlich und mich freut es umso mehr, dass es in Magdeburg solch eine große Veranstaltung gibt, die einzig und allein dazu dient, junge Musiktalente zu unterstützen und auch ihre harte Arbeit anzuerkennen.

Nun aber zum Finale:

Kickboard Drivers

Im dritten Vorausscheid mit großem Abstand durch das Publikum weitergekommen, durften die Kickboard Drivers aus Magdeburg den spannenden Abend am vergangenen Samstag eröffnen. Die Finalsituation ist ihnen nicht ganz unbekannt, denn 2012 konnten sie schon einmal im Finale des damals noch SWM MusiCids genannten Contests antreten. Seitdem haben sie ihren Sound etwas verändert. Sie machen guten Alternative Rock, den man sich gern anhört und setzten einige Tipps der Jury gut um. Wie immer legten sie auch eine solide Bühnenperformance ab. Mir fehlte hier jedoch das gewisse Etwas. Ein Überraschungsmoment, in dem sie mal ausbrechen aus ihrer kleinen Alternative Rock Welt. Leider reichte es bei ihnen weder für die Jury- noch für die Publikumsstimme.

 

SmokeNMirrors

Unser Publikumssieger des zweiten Vorausscheides durfte als zweiter Act des Abends die Bühne betreten. Wie beim Vorausscheid lieferten Smoke N Mirrors eine konstant rockige und mitreißende Show ab, die das ganze Publikum begeisterte. Alle rockten und tanzten mit, sodass spätesten jetzt bewiesen ist, dass der Hard Rock dreißig Jahre später doch immer noch gut ankommen kann. Auch die Jungs selbst sind einfach Rocker durch und durch und genau das sieht man ihnen bei ihrer Bühnenperformance an. Sie spielten ihre mir durch den Vorausscheid bekannten Songs, wie ‘Hey Rocker’, ‘Love Doctor’ oder ‘Don’t Say Maybe Baby’. Ich vermisste jedoch etwas Neues, da alle Bands etwas an ihrer Performance für das Finale veränderten und uns einige sogar ziemlich überraschten. Zum Schluss reichte es somit leider nicht für den Publikums- bzw. Jurypreis.

 

DevilsResurrection

Im ersten Vorausscheid vom Publikum in das Finale gewählt, wurde es dank Devils Resurrection im Finale richtig laut. Sie starteten jedoch mit ruhigen und sanften Tönen einer Akustikgitarre und ruhigem Gesang (richtig gelesen! Gesang!). Schon bei uns im Studio bewiesen die Jungs, dass sie auch ruhiger können. Doch der laute Metalsound ließ nicht lang auf sich warten. Im Gepäck hatten sie auch am Samstag wieder viele Freunde und Fans, die vor der Bühne ordentlich Stimmung machten. Um diese vernünftig zu würdigen, holten sie alle Metal-Begeisterten im letzten Song auf die Bühne, was bei vielen für Spaß und Aufregung sorgte. Diesmal reichte es leider trotz all dem nicht für die Publikums- oder Jurystimme.

 

Chivre

Von der Jury im ersten Vorausscheid ins Finale geschickt, liefterten die vier Jungs von Chivre am vergangenen Samstag mal wieder ordentlich ab. In dieser Band sind vier junge, wahnsinnig talentierte Musiker vereint. Gerade aufgrund ihres Alters bin ich immer wieder von ihrer Performance begeistert. Sie haben es jedoch nicht einfach mit ihrem Genre: Postrock, rein instrumental, ohne Gesang. Nach dem Vorausscheid wurde ihnen ans Herz gelegt, es vielleicht doch mal mit Gesang zu probieren. Das haben sie zwar nicht gemacht, doch meiner Meinung nach einen guten Mittelweg gefunden. Im letzten Song spielten sie eine männliche Stimme, die über Flüchtlingsopfer redet, als Sampler ein. So jung und doch so tiefgründig! Insgesamt wirken sie sowieso wahnsinnig reif auf der Bühne. Die Vier spielten ihre Songs hintereinander weg, ohne mit dem Publikum zu sprechen. Das zogen sie eiskalt bis zum Ende durch, als Gitarrist Benedict ein kurzes ‘Dankeschön’ ins Mikro sprach. Doch mich störte das alles so gar nicht, denn langweilig wurde mir absolut nicht. Die Songs klingen sehr unterschiedlich, es gibt Höhen und Tiefen, es steckt ein Konzept dahinter. All das waren Gründe für uns als Jury, weshalb wir uns für Chivre als Gewinner des SWM Talentverstärkers 2015 entschieden haben. Wie sagte Stephan Michme so schön bei der Verkündung unserer Entscheidung: ‘Heute haben wir uns nicht nur für eine Band entschieden, sondern für die Künstler des Abends.’ Und diese Aussage kann ich doppelt unterstreichen. Gewonnen haben die Jungs eine eigene EP und ich werde sie mir definitiv kaufen, sobald sie fertig ist!

 

AnSpielung

Unsere Jurysieger des dritten Vorausscheids AnSpielung betraten wieder voller Energie und Fröhlichkeit die große Bühne in der Factory Magdeburg. Einige ihrer Songs wurden extra für das Finale umarrangiert. So hörte man den Bassisten nicht mehr singen, dafür aber den Posaunisten rappen. Das Ganze gemischt mit Jazzrock und Gesang von Elisa war eine einzigartige Mischung und machte richtig Laune. Wie schon beim Vorausscheid machte es mir richtig Spaß AnSpielung zuzuschauen und auch zuzuhören. Man kann einfach nicht anders, als zu ihrer Musik zu tanzen und über das ganze Gesicht zu strahlen. Vor allem Trompeter Ruben sieht man gern zu, da er so viel gute Laune und Spaß versprüht. Für die Jurystimme reichte es diesmal leider nicht. Doch die Mädels und Jungs von AnSpielung mussten keinesfalls traurig nach Hause gehen, denn sie wurden von den Besuchern zum Publikumsliebling gewählt. Auch in diesem Jahr zählte ein Facebookvoting der Dates mit in die Abstimmung hinein, welches im Vorfeld schon gestartet wurde. Hier konnten sie einen sehr großen Vorsprung ausbauen und zusammen mit den Stimmen der Besucher in der Factory war das Ergebnis sehr eindeutig. Gewonnen haben sie damit einen Slot beim diesjährigen Rocken am Brocken Festival.

 

JayFizy

Durfte JayFizy beim zweiten Vorausscheid die Show eröffnen, so hatte er diesmal die Ehre das Finale eines grandiosen Abends anzutreten. Der Underdog wurde von den Jurymitgliedern ins Finale gewählt. Ich persönlich war sehr gespannt auf seine Entwicklung. Er betrat die Bühne mit einem so starken Selbstbewusstsein, dass ich dachte dort steht ein komplett anderer Mensch als im Vorausscheid. Immerhin wirkte er vorher eher in sich gekehrt und ein bisschen vom Publikum verschreckt. Davon merkte man ihm am vergangenen Samstag rein gar nichts mehr an. Doch auch von seinem Genre merkte man ihm nichts mehr an. Denn aus Hip Hop wurde irgendwie Dance/House-Musik. Dem Publikum gefiel das zum Abschluss des Abends. Sie alle tanzten und feierten. Auch der ein oder andere radiotaugliche Song war dabei. (Zumindest ist es doch das, was momentan auf sehr vielen Radiosendern läuft.) Ich persönlich vermisste den ‘Rapper’ JayFizy und freute mich über seinen letzten Song, der seiner eigentlichen Musik entsprach und doch so viel besser zu ihm passt. Für den Sieg reichte es bei ihm leider auch nicht.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, wie stolz ich auf meine Heimatstadt bin, die so viele tolle Talente hervorbringt. Wir hatten alle dank dieser sechs unterschiedlichen Bands einen lustigen, musikalisch bunten Abend und sehr viel Spaß. Solche jungen und tollen musikalischen Talente findet man selten vereint auf einer Bühne an einem Abend. Ich hoffe, dass sie alle genauso weiter machen, an sich arbeiten und sich weiterentwickeln und man sie hoffentlich in Zukunft noch öfter sieht, bzw. hört!

Hier seht ihr das Finale im Zusammenschnitt: