Wie die Zeit rennt und schon liegt der zweite Vorausscheid in der Vergangenheit. Insgesamt war dieser deutlich lauter als der Erste. Die meisten Teilnehmer nahmen sich nicht viel Spielraum im Dezibel-Spielraum und so voreingenommen ich auch war beim Lesen der Bandaufstellung für den Abend, umso einfacher war es im Endeffekt die einzelnen Beiträge zu vergleichen. Die Jury-Entscheidung fiel dieses Mal nicht wirklich schwer aus. Ich erkläre hier warum.

Zuvor dürft ihr euch aber Torstens Zusammenfassung vom Abend anschauen. Außerdem haben wir für euch fleißig getwittert. Unter dem Hashtag #pop10swm könnt ihr den Vorausscheid nachvollziehen.

Screw

Diese Fünf bringen ziemlich viel Ego auf die Bühne, was gar nicht so negativ gemeint ist. Ich mag es wenn man eine Distanz spührt, wie im Fall von Screw FM. Unsere Jury-Frau Karolin Aertel von der Volksstimme schwärmte nur von den schönen Haaren des Frontsängers Chris aber auch er selber schien sich seiner Ausstrahlung bewusst zu sein. Beschreiben würde ich das Gehörte und Gesehene als klassichen Rock und auch ich musste feststellen, dass ich zum Schluss mich mitreißen lassen hab. Trotz lauter Performance mochte ich ich melodiösen Parts, auch wenn mir immer Kopf die Gedanken hatte, dass ich das alles irgendwo schon mal gehört habe. Egal. Screw FM schaffen nur ganz knapp den Einzug ins Finale durch die Kraft des Publikums. Dafür herzlichen Glückwunsch!

Ein Tipp an dieser Stelle sei aber gemacht: Leicht albern wirkten die englischen Ansagen auf mich. Leichte Fremdscham kam auf, als die Ansagen immer und immer wieder für Belustigung sorgten. Trotzdem eine gute musikalische Leistung und ein sehenswerter Act im Finale.

 

ape

Die Jungs von The Ape Escape haben es nicht verpasst schon im Vorfeld auf sich aufmerksam zu machen. Durch eine lange Erklärung auf ihrer Facebook-Page haben diese versucht ihre Fans in die Sudenburger Markthalle zu locken unter dem Vorwand, die Jury würde die Musik auf Grund des Genres ausschließen. Nun sehe ich das so: die Jungs sind ja wirklich nette Burschen, aber beim Lesen dieses Kommentars musste ich wirklich nur noch Kopfschütteln. Zwar möchte ich an dieser Stelle nicht das Ganze auseinanderklamüsern aber die Einschätzung so weit hingehend, dass der SWM Talentverstärker nach Radiotauglichkeit und Mainstream-Charkater auswählt ist gänzlich falsch. Auch das scheinbare schüren der Rivalität zwischen den Bands ist absolut kein Anliegen dieses Wettbewerbs und ganz Ehrlich wir reden hier von einer überschaubaren Größe, bei der solche Aussagen nahezu lächerlich klingen. Aber der SWM Talentverstärker wäre nicht SWM Talentverstärker, wenn es nicht immer um skandalöse verschwörerische Gedanken gehen würde. Diesen Vorwürfen musste sich der Wettbewerb in jedem Jahr stellen und jedes Jahr aufs Neue gilt dies zu widerlegen.

Aber jetzt mal zur Performance: Nun habe ich nach solch einer Vorlage wirklich erwartet, dass die Fünf auch ordentlich auf die Kacke hauen und den Leuten zeigen wo der Hammer hängt. In meinem Kopf kamen Bilder a lá Feine Sahne Fischfilet auf, nun ja… soweit kam es dann doch nicht. Die Texte waren zwar provokativ gemeint, aber dann doch sehr einfach gestrickt. Die mitgebrachten Fans haben mit aller Mühe versucht die Stimmung am Kochen zu halten, jedoch mit den Seinfenblasen- und Konfetti-Einlagen glich der Anblick eher einer Art Kindergeburtstag und schier unglaubwürdig. Mit Punk-Rock hatte das meiner Meinung recht wenig zu tun und so sind die Jungs auch bei der Publikumsentscheidung knapp am Finaleinzug vorbeigeschlittert.

 

steven

Erstmal möchte ich mich für den Mut von Steven Genz bedanken neben den vier schreihalsigen Bands sich im Vorentscheid behaupten zu wollen. Allein mit der Gitarre bewaffnet zog er in den ungleichen Kampf gegen die Schallpegelwand der Konkurrenten. Leider verhielt sich das Interesse umgekehrt proportional zur Lautstärke. Bei Steven verließen die meisten Besucher die Halle. Diejenigen, die dann doch drin geblieben sind, hielten es wichtiger sich zu unterhalten, als der Musik zu zuhören, was an dieser Stelle wirklich unfair und respektlos seitens der Fans der konkurrierenden Bands ist.

Leider schaffte es Steven aber auch nicht wirklich musikalisch zu überzeugen. Die Stimme war viel zu dünn, das Gitarrenspiel zu schlicht und die Ausstrahlung zu nervös. Definitiv wären dies für eine schöne Lagerfeuer-Stimmung genau die richtigen Komponenten aber für die Wettbewerbsbühne reicht diese Leistung leider nicht aus.

 

balcony

Die Balcony Basterds brachten wieder die Zuschauer vor die Bühne. Nach einem längeren Intro kam dann die erste Überraschung. Nicht Frontmann Dennis ergriff das Mikrofon sondern Schlagzeuger Felix. Dass die Jungs Spaß auf der Bühne hatten ist unumstritten, jedoch konnte sich dies nicht über die rhythmischen Schwierigkeiten hinwegsetzen. Auch die schiefen Töne in den gesungenen Parts konnte ich nicht überhören. Ob das an der Doppelbelastung des Schlagzeugers lag, oder daran, dass er sich schlichtweg einfach nicht gehört hat, kann man an dieser Stelle nur spekulieren. Im Vergleich zu den Mitbewerbern konnten die Magdeburger sich leider nicht durchsetzen, somit war die Jury-Entscheidung auch zu diesem Beitrag einstimmig.

 

insane

Für das größte Aufgebot auf der Bühne sorgten an diesem Abend In Sane. Gastauftritte, Showeinlagen und musikalischer Mix aus Screamo, Hip Hop, Punk und High-School-Rock stießen auch beim Publikum auf Zustimmung. In meinem Kopf tauchten die unterschiedlichsten Vergleiche auf. Der Sänger Alex erinnerte mich mit seiner Art an den Frontmann Sebastian der Band Madsen, die auch ihren Anfang in ähnlichen Genres hatten. In seiner Haltung, Ausstrahlung und Präsenz zog ich da einige Vergleiche.  Der Gast-Track mit der Hip-Hop Einlage hatte für mich etwas Kraftklub-artiges. Ich hörte interessante Ideen, die noch nicht ganz bis zum Schluss durchgedacht waren, aber definitiv einen fruchtbaren Boden erahnen ließen. Meiner Meinung nach, könnten die Schrei-Parts sparsamer verwendet werden, denn Alex muss sich nicht hinter seiner Stimme verstecken, die einen durchaus angenehmen Klang hat. Insgesamt war das eine sehr sympathische und vor allem authentische Performance.

Wie schon im Video angekündigt, hoffe ich, dass die Band nicht ihr komplettes Pulver bereits verschossen hat, bevor es überhaupt um die Wurst im Finale geht. Da lasse ich mich durchaus nochmal überraschen, jedoch ist auch die Erwartung dementsprechend hoch, was die die fünf Jungs am 10. Mai in der Factory Magdeburg vorbereiten werden.

Kommenden Samstag, am 19. April, findet nun der letzte Vorausscheid in der Sudenburger Markthalle statt. Hier wird es sich entscheiden, wer die letzten beiden Finalbands sein werden, die um den Sieg musizieren dürfen. Hier im Blog dürft ihr natürlich auch eure Meinung loswerden. Findet ihr die Entscheidung gerecht oder seht ihr es genau umgekehrt. Bin auf euere Kommentare gespannt!