Finale, Finale, Olé, Olé! Wir haben sie: die besten Künstler aus allen teilnehmenden Bands des diesjährigen SWM Musicids Awards stehen fest und dürfen sich am 11.Mai in der Factory um den Siegertitel streiten. Doch sind das wirklich die besten? Wie wird man bester und kann es sein, dass das alles eh schon abgesprochen wurde? Solche und andere wagen Verschwörungstheorien sind mir am letzten Samstag zu Ohren gekommen. Eins sei an dieser Stelle gesagt: als ehemaliger Teilnehmer kam ich auch nicht drumherum durch diesen Gedankenzirkus gehen zu müssen. Meine jetzige Jury-Aufgabe gibt mir aber die Möglichkeiten alle Gerüchte aus der Welt zu schaffen oder die eine oder andere Vermutung zu bestätigen.

Bevor ich hier die Wertung über den letzten Vorausscheid abgebe möchte ich erwähnt haben, dass hinter den Kulissen keine geheime Absprachen über eventuelle Weiterleitungen oder voreilige Siegerehrungen stattfinden. Es gibt natürlich Favoriten. Auf der anderen Seite gibt es Bands und Künstler die nach der Meinung des einen oder anderen Jury-Mitglieds keine Chance im Finale haben werden. Aber diese Mutmaßungen sind so bunt gemischt, dass ich mit der Aussicht auf den 11.05. nach wie vor nicht genau sagen kann wer den Siegertitel holen wird. Schlussendlich macht es jede Band richtig, die sich auf das Finale so vorbereitet, dass sie in der kurzen Zeit auf der Bühne der Jury und nicht zuletzt dem Publikum den bestmöglichen Spannungsbogen, Authenzität und Potential vorzeigt. Ich freue mich sehr auf die Performances und auf ein abwechslungsreiches und faires Finale!

Nun aber zum dritten Vorausscheid der SWM Musicids 2013. Es war tatsächlich diesmal eine schwere Entscheidung von der alle so gerne reden. Je länger diskutiert wurde, desto mehr taten sich Welten zwischen den Höreindrücken der Jury auf. Die Frage nach dem was bewertet wird und welche Kriterien meiner Meinung nach wichtig sind für einen erfolgreichen Auftritt waren an diesem Abend wohl gegensätzlich. Nicht zum ersten Mal sage ich das und ich wiederhole mich gern: das Gesamtbild ist für mich der ausschlaggebende Punkt. Die Bühne ist eine Spielwiese auf der man unter Beobachtung steht. Ein Raum, den man füllen muss und schlussendlich ein Schauplatz auf den man sich stellt, wenn man etwas zu sagen hat. Ob zugehört wird ist eine andere Sache. Aufmerksamkeit haben die Künstler letzten Samstag auf verschiedenste Art und Weise versucht auf sich zu lenken und nun alles im einzelnen:

desc Declaimers

Die erste Band, die es am schwierigsten hat, sagt man. Die Sonne war noch nicht mal hinter den  Blöcken des Studentenwohnheims verschwunden, da stand diese 5er-Kombo auf der Bühne. Ich beschreibe diese Musik mal als klassischen Rock mit Frauengesang. Irgendwie eine selbstgemachte Interpretation einer amerikanischen Highschool-Band. So sehr ich mich über den Frauenanteil gefreut habe, konnte ich leider keinerlei Sympathie für das gesehene auf der Bühne hegen. Die rhythmischen Schwierigkeiten des Schlagzeugers waren nicht zu überhören und sorgten für hörbare Stolpersteine. Die Stimme der Sängerin mag für den einen oder anderen herausragende Rolle gespielt haben aber für meinen Höreindruck hatte sie es sehr schwer gegen die geschrammelten Gitarrenriffs anzukommen. Die Songs ließen bei mir im Kopf nur die Frage: Welche Songs? Leider wirkten Declaimers auf mich sehr austauschbar und nicht interessant, so ertappte ich mich dabei wie ich eine Raumecke anvisiert schon längst nicht mehr beim Geschehen war. Auf jeden Fall eine sympathische Truppe, aber musikalisch leider nicht nach meinem Nerv. Eine nette Leistung aber für mich leider ohne Unterhaltungszweck oder sichtbares Entwicklungspotential. Vielleicht eher etwas für ein Stadtfest in der Nähe ihres Proberaums.

Umso überraschender ergab sich die Diskussion im Jury-Raum. Tatsächlicher Weise ist die Band knapp am Finaleinzug vorbeigedriftet. Die potentielle musikalische Entfaltung sahen meine Kollegen viel größer als ich. Auch die gehörten Ohrwürmer konnte ich leider nicht nachvollziehen. Die hin und her schwankenden Meinungen haben dennoch aber sich gegen die Stimme entschieden.

paulv

Paul V

Ich war überrascht und möchte nicht verheimlichen, dass ich nach dem hören der Demo-Aufnahmen von Paul V nicht wirklich begeistert war. Nur mit einer Gitarre bewaffnet zog er in den Kampf um den Siegertitel. Der erste Song ließ mich staunen. Trotz der mangelnden Gitarrenkünste durchdrang die rauchige Stimme von Steffen Paul Bauermeister auch zu mir. Nach den ersten 3 Songs habe ich jedoch mangels der Abwechslung den Spannungsbogen verloren. Zu ähnlich war die Darbietung und zu groß die Aufregung beim ersten Auftritt von Paul V überhaupt.

Da ist auf jeden Fall noch viel zu machen und noch Platz für Entwicklung. Zwischen deutscher und englischer Sprache hat sich der Künstler auch nocht nicht entschieden. Wobei mir die englischsprachigen Songs eher gefallen haben. Im Vergleich zu den anderen Teilnehmern war diese Darbietung noch nicht ausgereift genug bei einem Musiker-Contest sich behaupten zu können.

tim Tim Gerrits

Ein weiterer Singer-Songwriter und so unglücklich das Los die Reihenfolge bestimmt hat zwei Songwriter hintereinander spielen zu lassen, umso eindeutiger war der direkte Vergleich. Tim Gerrits hat eigene Ideen und Geschichten zu erzählen. Kein Einheitsbrei, stattdessen Alleinstellungsmerkmal und Melodien jenseits irgendwelcher Radiogeklimpereien. Ich mochte die einzelnen Nuancen in seiner Stimme, die er scheinbar willkürlich wo es ihm gerade passte eingesetzt hat. Gleichzeitig war es Tim anzumerken, dass er noch keine ausgereifte Bühnenerfahrung hat,dass hier aber noch Potential steckt, war nicht zu überhören. Hier und da wurde der Auftritt von unsauberen Griffen oder unsicheren Tönen begleitet. Nicht desto trotz fühlte sich Tim Gerrits auf der Bühne wohl und genoss die Aufmerksamkeit des Publikums.

Mit Ausblick auf das Finale wäre es interessant zu sehen wie Tim sich im Vergleich zu allen Finalisten schlägt. Allein mit einer Gitarre gegen die Wucht der restlichen Bands wird es schwer sein, aber nicht unmöglich. Wer es nicht glaubt, recherchiert in der Geschichte der SWM Musicids!

squad Pangea Squad

Ein Stimme, Eine Gitarre aber diesmal zwei Personen. Vermutlich habe ich zu Beginn des Auftritts das selbe gedacht wie die meisten im Raum: Wow! Diese Frau hat Soul im Blut, der einfach nur aus ihr herausspringt. Die Gitarre als ein Rhythmusinstrument in den Hintergrund gepackt störte nicht und fiel damit auch kaum auf. Die ganze Aufmerksamkeit galt der Sängerin Bianca.

Hier spaltet sich meine Wertung in zwei Teile: das gehörte und gesehene. Habe ich nur zugeschaut passte das Bild nicht ganz. Diese Gesangswucht traf ein eher schüchternes Mädchen, das etwas hin und her lief ohne wirklich Platz und Standfestigkeit zu finden. Etwas Ruhe, würde meiner Meinung sich viel positiver auf die Ausstrahlung und Wahrnehmung auswirken. Es hatte den Anschein einer privaten Jam-Runde, die Linie und der Kontakt zu den Zuhörern fehlte für mich.

Wenn ich nun die Augen geschlossen hielt, offenbarte sich mir der breite und flexible Sound der Frontsängerin. Allerdings war nach den ersten zwei Songs auch diese Wirkung verflogen und es wurde schnell langweilig. Da die Songs an sich keine große Variabiliät aufwiesen. Es war eben nur der selbe starke Gesang mit der selben Reggae-Gitarre. Vielleicht fehlte im Verlauf einfach der Beat. (Hier habe ich mir erklären lassen, dass der Schlagzeuger und der Bassist leider zu alt seien für die Teilnahme am Wettbewerb). An sich sehr schade, da mir der fehlende Druck im Verlauf des Aufritts zu sehr fehlte. Schlussendlich stimmte die Jury für dieses Duo und möchte den Beiden die Chance geben sich auf der großen Bühne zu behaupten.

peakPeak Sieben

Umstritten und Provokant.  Peak Sieben sind nicht zum ersten Mal dabei und präsentierten sich im alten Gewand mit neuen Tracks. Meiner Meinung nach der professionellste Beitrag im ganzen Wettbewerb. Es wurde nicht einmal an der Theatralik gespart. Aber warum auch nicht. Ein Hip-Hop-Trio mit professionell klingenden Synthie-Beats, das mich etwas an Frittenbude erinnert hat. Die Jungs haben sich wohl gedacht, man wird nur gehört, wenn man erst zu härteren Themen greift. Der Plan ist aufgegangen. Die polarisierende Wirkung verfehlte ihr Publikum nicht und der Konzertraum war bis zum Schluss gefüllt.

Manch einer versteht nicht die Sprachebene auf der sich Peak 7 bewegen. Im Bereich der Ironie und Sarkasmus haben diese Drei auf jeden Fall nicht jedes (Jury-)Ohr erreicht. Für mich war das Gesehene eine Art Theateraufführung. Ob der Kontext eines Bandwettbewerbs dafür der richtige Ort ist, weiß ich nicht. Selbstinszenierung auf einem hohen Niveau mit Gefahr der Vermischung mit der Realität. Was im Endeffekt der Fall war (zumindest in der Wahrnehmung der Zuschauer). Da ist auch die Frage an Peak 7: Wo endet die Grenze des gespielten?

Wie auch immer. Inszenierung in der Musikwelt ist gang und gebe, jedoch beim Musikwettbewerb im Projekt 7 färbte ihre Rolle zu sehr auf die Interpreten ab. Weshalb die Entscheidung sich gegen die Band richtete. Schade, denn wir haben ja in der Schule gelernt, dass der Ich-Erzähler nicht mit Autor des Buchs verwechseln ist.

Alles zusammengefasst und mein kleiner Ausblick auf das Finale gibt es noch im folgenden Video: