Nun ist es offiziell vorbei. Die SWM Musicids 2013 haben ein neues Gesicht. Pangea Squad haben den Siegertitel. Überraschend. Überraschend auch für mich. Nun nach 3 Mal drüber schlafen, versuche ich mal meine Gedanken über das Finale am vergangenem Samstag loszuwerden. Gehen wir der geordneten Reihenfolge nach:

fools

The Fortunate Fools

Die 4 Jungs machten den Anfang. Funkige Grooves und nach wie vor makellose Spielleistung. Das kannte ich schon aus dem Vorausscheid. Was ich aber auch schon kannte war diese gewisse, nun sagen wir mal: Leere hinter ihrer Musik. Ich konnte einfach weder Entwicklung noch neuen Enthusiasmus für das Gesehene entwickeln. Eine übertriebene „Coolness“ wirkte auf mich eher abweisend, was auch im Zuschauerraum merkbar war. Ihre Versuche das ohnehin noch träge Publikum mitreißen zu können stießen auf Resignation. Diese Erkenntnis hatten auch alle anderen Jury-Mitglieder. Tut mir Leid, Jungs. Perfekte Spielleistung ist leider nicht alles.  Ich verweise auf meinen Blog über den 2. Vorausscheid.

Für alle die es nachvollziehen wollen gibt es den kompletten Auftritt als Video:

tim

Tim Gerrits

Eine viel zu große Bühne, für den ohnehin schon überaufgeregten Tim. Ich mochte seinen Auftritt. Natürlich kann man bei einem Singer-Songwriter nicht viel Action erwarten. Es ist nun mal der Stil, den er sich ausgesucht hatte: Eine Gitarre, ein Stuhl, ein Mikrofon. Im stimmigen, gedimmten Licht ließ er hier und da seine Unsicherheit in den Songs durchscheinen. In seinen Ansagen hat es ihn wohl ganz aus der Bahn geworfen und die ständigen Danksagungen waren zwar Sympathisch aber ließen seine Souveränität, die er Vorausscheid gezeigt hatte etwas bröckeln.

Das mitgebrachte Publikum bot ihm den nötigen halt und wählte ihn gleichzeitig auf die Bühne des Rocken am Brocken- Festivals. Herzlichen Glückwunsch dafür!

Für den Siegertitel war jedoch die Leistung noch etwas zu dünn und es fehlte dieser im Vergleich zu den anderen Bands noch an Charisma und Standfestigkeit.

Da ist aber auf jeden Fall noch etwas im Busch, und ich bin Fan seiner  Songs. Bin gespannt auf den weitern Verlauf!

kondor

KONDOR

Auch wenn ich Genre-Fremder bin, ließ ich mich von KondoR sehr gut unterhalten.  Seine Beats sind modern, Texte wenn auch bisschen dünn aber doch einprägsam und kommen vom Herzen. Das was er macht, tut er aus Überzeugung und dass er sich auf der Bühne wohl fühlt war nicht zu übersehen. Die mitgebrachten Fans gaben Vollgas und dekorierten die Luft vor der Bühne mit vielen kleinen Konfettikreisen. Ich mochte seine Performance. Die Anweisungen für den Techniker aus dem Vorausscheid hat er diesmal weggelassen düfür stand ein Player auf der Bühne. Leider auch keine Lösung meiner Meinung. Ließ sich kein Kumpel hinter der Bühne dafür motivieren?

Aber es störte nicht so gravierend. Leider lagen die unteren beiden Künstler-Kollektive dermaßen vorn, dass KondoR zwar einen Sympathie-Bonus bei der ganzen Jury hatte aber nicht für den Sieger-Titel in Frage kam.

squad

Pangea Squad

Unser diesjähriger Sieger. Im Vorausscheid hätte ich nicht mit dieser Entscheidung  rechnen können, nun versuche ich für alle Verwunderten zu erklären, was die Jury mit dieser Entscheidung bezwecken wollte. Vorneweg: auch oben im Entscheidungsraum flogen beinahe fetzen und auch wir waren uns uneinig ob man so die SWM Musicids 2013 beenden kann.

Fakt ist: was man an diesem Abend sehen durfte war keine komplette Band. Die Problematik lag darin, dass 3/5 dieser Kombo zu alt für die Teilnahme am Contest waren. „Kein Problem“ dachte sich PANGEA SQUAD und meldete sich als Duo an. Schon im Vorausscheid überragend: die Stimme der Frontsängerin Bianca. Das Manko: etwas zu eintönig, zu unsicher und zu viel Schwanken auf der Bühne und warum war sie denn im Sportanzug bei einem Konzert?

Die zwei nahmen sich die Kritik zu herzen und setzten wohl alles um, was in den 3 Wochen möglich war. Kritisch: ein Live-Schlagzeug und Bass zu hören aber nicht zu sehen. Sanfte elektronische Beats hätten mir persönlich mehr zugesagt, doch überraschender Weise lenkte mich das Arrangement nicht ab.

Bianca war viel souveräner, erhielt eine Spannung auf der Bühne und hatte diesen gewissen Appeal beim Auftritt, den ich so gerne sehen wollen würde.

Nicht desto trotz, mein Favorit waren Sie nicht. Zu Guter letzten habe ich trotzdem meine Stimme dieser Band gegeben. Grund war folgender:

Ich bin nicht der größte Fan ihrer Musik, jedoch merkte auch ich dass die beiden Rhythmus und diesen musikalischen Soul und Flow im Blut haben. Sie gaben der Jury zu verstehen, dass sie es ernst meinen diesen Contest gewinnen zu wollen ohne dabei aufdringlich zu werden. Dieser Wille hat viel Potential auch außerhlb des Wettbewerbs. SWM Musicids ist ein Förderpreis und mit dieser Entscheidung fördern wir diejenigen, bei denen wir am meisten das Gefühl hatten, dass die gesammelten Erfahrungen im Studio und die Coachings am besten investiert und letztendlich für die persönliche Entwicklung der einzelnen Bandmitglieder am hilfreichsten sein könnten.

Aus eigener Erfahrung möchte ich mitteilen, dass nicht nur die Bands als ganzes Gewinnen sondern jeder einzelne die Chance hat diesen Gewinn weitreichend auch für sich zu nutzen. Tut das Bitte!

Herzlichen Glückwunsch, Pangea Squad!

heat

Heat

Unumstritten die beste Band des Abends. Keine Frage, sie waren meine Favoriten und ich hätte meinen Arsch drauf verwetten können, dass die 4 Jungs das Ding reißen. Gut, dass ich das nicht gemacht hab. Auch hier eine ausführliche Erklärung:

Es war knapp und die Jury teilte sich in zwei Lager. Das eine sprach sich für die potentielle Entwicklung von Pangea Squad aus, das andere sah ganz klar die beste Band gewinnen. Es ist wirklich eine harte Entscheidung. So enthusiastisch wie an diesem Abend hab ich Jury-Beratungen noch bei keinem der Vorausscheide erlebt.

 

Überzeugende Performance ab dem ersten Ton. Wohl die einzige Band, bei der die Jury bis zum Schluss wie angewurzelt da stand. Würdevoller Applaus und Anerkennung machte sich im Raum breit. Wir sahen eine Band wie aus dem Bilderbuch. Warum haben sie nicht gewonnen?

Den werten Leser verweise ich auf den Absatz über die Gewinnerband hier drüber. Ich wiederhole mich, wenn ich sagen würde, dass es hart war. Aber bei Pangea Squad konnten wir leider für die kurze Zeit eine größere Wandelbarkeit und eventuell noch eine förderbare Entwicklung sehen. Heat werden ihre Aufnahmen auch so machen und es werden sich hoffentlich genug Leute finden, die sie hören weren. Ich bin echt froh, dass so eine Band im Finale stand und die regionale Musikkultur bereichert.

Ich hoffe, dass die Jungs den vergangenen Samstag nicht als Niederlage sehen, sondern im Gegenteil – als Ansporn es der Jury und allen Besuchern der Factory es noch mal zu zeigen. Kommt aus eurem Proberaum raus, Jungs und bespielt die Bühnen dieses Landes! Ich melde mich schon mal für die CD an!

dttah

Don’t Try This At Home

Die drei Jungs von DTTAH haben sich versucht in diese Finalaufstellung hineinzudrücken. Es ist Ihnen auch teilweise gelungen. Sie haben interessante Gitarrenparts und Intros, teilweise gut gespielte Riffs und auf jeden Fall mangelt es bei Ihnen nicht an Überzeugung. Leider fiel der Gesang mehr als dürftig aus. Was im Projekt 7 noch zu übertönen war, konnte ich in der Factory nun nicht mehr überhören. Auch ihre Songs gewannen im Vergleich zum Vorausscheid nicht mehr an Struktur und gingen in dem ganzen Gewusel etwas unter. Den Auftritt des Gast-Keyboarders, habe ich leider nicht wirklich nachvollziehen können. Er hat sich weder gefügt, noch stach er irgendwie raus. Hätte man auch weglassen können. Aber die Mühe im Finale überraschen zu wollen, habe ich verstanden. Leider nicht ganz bei mir angekommen. Von Ihren Konkurrenten wurden die Drei leider etwas in Schatten gestellt und konnten da nicht mehr mithalten.

Immerhin eroberten Sie die Stimme unserer Gastjurorin Peggy. Für den Finalsieg war die Leistung jedoch noch sehr mangelhaft.

Zu guter Letzt bedanke ich mich bei allen teilnehmenden Bands für den Mut sich einem Contest zu stellen und uns als Jury und die Zuschauer im direkten Wettstreit überzeugen zu wollen. Mir hat mein Jury-Debut viel Spaß bereitet, ich habe auch für mich einige neue Erkenntnisse gewinnen können und hoffe, dass sich neue Bands motiviert fühlen im kommenden Jahr auf die gleiche Bühne stellen zu wollen und ihr Können unter Beweis zu stellen. Ich bin gespannt!