“Erfolg und Ruhm war auch mal meine Bibel. Was ich heute brauch’, sind meine Bruhs, die Frau und die Familie.” Letztes Wochenende auf dem Splash!-Festival 2016 in Ferropolis haben wir uns mit Ahzumjot verabredet, um mit ihm über seinen Auftritt, das Festival selbst, die Rapszene und seine Musik zu sprechen.

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Dankeschön, dass du unsere Einladung zum Interview wahrgenommen hast!

Ahzumjot: Sehr naturellement!

Gestern hattest du deinen Auftritt auf dem Splash auf der schönen Bühne hier neben uns. Erzähl mal, wie war’s? 

Ahzumjot: Super! Also es wär teils ein etwas schwieriger Slot, weil vor mir Nimo gespielt hat, wo’s wirklich komplett brechend voll war und da liegt der Hype auf seiner Seite. Nach ihm hat auf der Hauptbühne, genau während meiner Show, SSIO gespielt. Was halt bedeutet, eigentlich alle die Nimo feiern, feiern glaub ich sogar noch mehr SSIO. Dann sind erst mal sehr viele zu SSIO gegangen. (lacht) Dann stand man da erst mal so vor vielleicht tausend Leuten, was natürlich immernoch geil ist. Dann wurde es aber nach und nach immer voller, als die Leute überhaupt gemerkt haben, dass danoch jemand spielt. Nach Nimo war erst mal Stille, da war überhaupt keine Musik die zwischendrin lief und viele haben wahrscheinlich gedacht “Okay, da passiert jetzt erst mal nichts”. Es dauerte etwas, bis sie gemerkt haben “Ahh, da geht ja doch noch was!”. Dann wurd’s langsam auch wieder voller.

Und wie war das Publikum auf dem Splash? So stark wie im Vergleich zu deinen Clubshows?

Ahzumjot: Auf jeden Fall. Die Leute hatten übelst Bock, das war richtig schön. Arme waren oben, die Leute sind gesprungen wie wild. Die kannten erstaunlicherweise die sehr aktuellen Songs irgendwie sehr gut und waren erstaunlich textsicher, was ich nicht erwartet hätte. Das ist für mich nicht selbstverständlich in dem Moment.

Du hast vor einem Jahr eine EP mit dem Namen “Minus” herausgebracht. Diese aber vor nicht allzu langer Zeit unter einem anderen Namen als kostenlosen Download veröffentlicht. 

Ahzumjot: Genau, 16QT02 Tag drei.

Genau das wollte ich umgehen, weil ich nicht wusste wie ich das ausspreche.

Ahzumjot: (lacht) Keiner kann das.

Magst du erzählen, was es damit auf sich hat? 

Ahzumjot: Ich hatte Anfang des Jahres den willkürlichen Plan vier Releases rauszubringen in diesem Jahr und diese auch sehr unterschiedlich zu machen. 16 steht für das Jahr 2016, QT für Quartal und 2 für das zweite Quartal. Das erste Quartals-Projekt war eine Remix EP, die ich gemacht habe, wo ich einfach Songs von Justin Bieber bis hin zu The xx oder James Blake genommen habe und meine eigene Interpretation daraus gemacht habe, ohne zu rappen, sondern einfach nur zu produzieren. Das war das erste Projekt, das zweite ist halt das.

Du hast einen Song namens “PLATZ/ANGST”, der sich um die Deutschrapszene dreht, wenn nicht sogar um’s Musikgeschäft allgemein. Wie nimmst du das hier auf dem Splash wahr – hat hier jeder seinen Platz in der Szene? Funktionieren hier alle gut zusammen oder muss man hier um seinen Platz bangen? 

Ahzumjot: Es war mir vor ein paar Jahren auf jeden Fall wichtiger, dass alle harmonieren und ich selber viel connecte und was weiß ich. Mittlerweile komm ich hier her und freu mich über ein paar Künstler, die ich halt sowieso irgendwie kenne. Ich hab gestern Crack Ignaz kennengelernt, der auch ein super Typ ist. Der stand die ganze Zeit während meiner Show da hinten neben der Bühne und hat sich alles angeguckt. Dann kommt man schon in’s Gespräch. Ich hab gesehen, ihn hat’s interessiert und er’s nicht einer von den Typischen, die sagen “Hey yo coole Show, ich hab 2 Sekunden gesehen, aber war hammer!”. Der stand wirklich die ganze Zeit da und hat dem ganzen Respekt gegeben, was ich einfach schön finde. Ich geh auch zu Leuten, die mich interessieren, guck mir das auch komplett an. Würde aber auch niemals irgendwo hingehen und sagen “Ey war der hammer!” Aber im Endeffekt hab ich einen Song gesehen. Im Backstage laufe ich mittlerweile…nicht ignorant rum, aber ich will da…Auf der Bühne lieb ich es zu sein, ich liebe es hier her zu kommen und zu spielen, ich liebe es mit meinen Leuten hier her zu kommen und eine gute Zeit zu haben.

Also schon eher keine Lust auf die anderen? 

Ahzumjot: Es hat nichts damit zu tun, dass ich die nicht mag, es ist einfach… Ach, ich bin da so lange rumgewandert und dachte, ich müsste Teil irgendeiner krassen Rapszene sein.

Das merkt man in den neuen Songs. Dass du damals versucht hast, ein Teil der Szene zu sein, jetzt aber sehr reflektiert bist. Wie kam’s zu diesem Wandel? Gab es ein Erlebnis, bei dem du dir dachtest, du hast keinen Bock mehr auf das ganze?

Ahzumjot: Es gab kein einschneidendes Erlebnis, es hat sich sogar eher eingeschlichen, so wie’s jetzt ist. Es war so ‘ne Sache, dass man immer mehr gemerkt hat, dass viel auch nur Schein ist und ich mich dann eher darauf besinnen wollte, wer sind meine Leute? Wen finde ich wichtig an meiner Seite? Das ist einfach ein Geben und Nehmen und man zollt sich Respekt. Die haben Respekt vor dem was ich tue, ich habe Respekt vor dem, was sie tun. Ein gegenseitiges Ding. Nicht einfach nur Leute, die das Gefühl haben, sie stehen über dir oder sie müssten ihren Status raushängen lassen. Solche, die zum Beispiel an einen Tisch kommen würden und sagen “Hey, ich bin so und so, ich bin Rapper!”. Das würde ich niemals machen. Ich würde mich immer als Alan vorstellen. Ich finde das super unangenehm, wenn Leute sich für krasser halten, nur weil sie einen ach so wichtigen Beruf ausüben.

Du hängst lieber mit deinen Bruhs. (Anmerkung: Ahzumjot hat einen Song namens “MEIN BRUH”. Bruh = Brother, gemeint sind seine besten Freunde.)

Ahzumjot: Mit meinen Bruhs, genau! Natürlich. Da ist jeder nur Alan, Manu, Patrick, da geht’s nicht um sowas.

 

Wie sieht’s mit der Zukunft aus? Was hast du so geplant? 

Ahzumjot: Pläne will ich mir gar nicht mehr so krass machen eigentlich, aber natürlich verrennt man sich irgendwie, weil ich viel Musik mache. Ich möchte diese Quartals-Dinger machen, wie die aussehen, wird man dann sehen. Dann will ich auf jeden Fall ein Produzentenprojekt rausbringen, wo ich nur Instrumentalmusik mache. Ein, zwei Rapper wird’s vielleicht auch drauf geben oder Sänger. Wahrscheinlich alles englischsprachige. Dann will ich auf jeden Fall mein Album rausbringen nächstes Jahr.

Mit wem wirst du da dann zusammenarbeiten? Wieder mit deinem Produzenten Levon Supreme?

Ahzumjot: Der mittlerweile sogar nur noch Lev heißt, muss ich kurz erwähnen.

Oh, tut mir leid, das ist an mir vorbeigezogen.

Ahzumjot: Ach, das ist überhaupt nicht schlimm, ich glaub das haben viele verpasst. Einige wissen wahrscheinlich gar nicht mal, wer das ist (lacht). Viele wissen auch nicht, wer ich bin, so. Aber davon abgesehen. Mit dem werde ich natürlich wieder viel zusammenarbeiten, viel werde ich wieder selbst produzieren, wir werden alles in einem sehr kleinen Team halten, aber es wird auf jeden Fall Leute geben, auf die ich Bock habe, mit denen mal zusammen zu arbeiten. Aber da will ich noch nichts sagen, man ist zwar immer mal wieder im Gespräch mit so Leuten. Ich bin so’n Typ, ich glaub immer erst an irgendwelche Sachen, wenn ich sie schwarz auf weiß stehen habe. Oder wenn ich sie sehe und wir haben den Song gemacht. Sonst immer nur dieses “Ich hab mit dem und dem und bla und was weiß ich…” und am Ende des Tages hast du dann doch nichts mit dem gemacht. Dann heißt es nur “Ja Bruder hat nicht geklappt…”. Das ist immer ein bisschen unangenehm. (lacht)

Ich glaube wir können uns auf spannende Projekte freuen! Danke für das Interview! 

Ahzumjot: Gerne!

AHZUMJOT – SCHWÖR’S DIR/SCHWÖR’S MIR: