Mal wieder ein grauer Tag. Mal wieder bin ich im Auto unterwegs. Mal wieder auf der Autobahn… Doch diesmal führt meine Reise zum ausverkauften Konzert der großartigen Musiker von ‚Alt-J‘ in die Columbiahalle Berlin.

Jeder verbindet ja mit einem Song oder gar einem ganzen Album etwas ganz bestimmtes. Ich zum Beispiel verbinde mit dem ersten Album von Alt-J ‚An Awesome Wave‘ die Zeit, in der ich in Berlin lebte. Wie viele Stunden S-Bahn-Fahrt mir diese Songs versüßt haben… Hach ja, ich schweife ab. Das Album wurde 2012 übrigens für zahlreiche Preise nominiert. So erwarteten Fans und Kritiker natürlich großartiges vom darauffolgenden Album. 2014 kam dann also endlich die Fortsetzung ‚This Is All Yours‘. Auch diese Platte wurde in hohen Tönen von sämtlichen Musikspezialisten gelobt. Dazu muss ich jetzt leider gestehen, dass es mich nicht sooo sehr flashte. Natürlich hab ich auch hier zwei, drei Lieblingsstücke. Aber mehr eben auch nicht. Deshalb fuhr ich mit einem zwiegespaltenen Gefühl zum Konzert. Das Ticket kaufte ich nämlich schon vor Veröffentlichung des zweiten Albums. Ich sollte jedoch eines Besseren belehrt werden…

Als ich an der Columbiahalle ankam, erwartete mich schon eine riesige Traube von Menschen, die alle nach einem Ticket bettelten. Tja, so ist das, wenn man nicht frühzeitig plant. Ich war schon recht früh da und konnte mir somit einen begehrten Platz ganz vorn auf dem Rang sichern. Das waren schon mal großartige Voraussetzungen! Obwohl das Konzert restlos ausverkauft war, füllte sich die Halle doch recht langsam. Völlig unerwartet ging es dann mehr als pünktlich mit dem Opening Act ‚Gengahr‘ aus London los. Vier Indie-Rock-Jungs, von denen zwei aussahen, als bekämen sie grundsätzlich viel zu wenig zu essen. Sie waren wirklich nicht schlecht, vor allem der Sänger hatte eine echt gute Stimme, aber irgendwie flashte mich das Ganze nicht so recht. Das gewisse Etwas fehlte hier einfach und die Songs klangen insgesamt sehr ähnlich. Ihr könnt trotzdem mal reinhören:

Anschließend kam die Supportband ‚Wolf Alice‘ auf die Bühne. Ja, ihr habt richtig gelesen, die Jungs von Alt-J konnten sich gleich zwei Supportbands leisten. Hier bekam man also richtig was geboten. Wolf Alice kannte ich schon vorher. Im Sommer haben sie den UK Festival Award für den besten Breakthrough Act gewonnen. Ihre Musik ist sehr eigen, doch ich mag genau das an ihnen. Man hört ein bisschen Grunge, Indierock und Folk. Auch Elemente ihrer Lieblingsband ‚Muse’ kann man in der Musik wiederfinden. Die Sängerin hat eine wunderschöne Stimme, die im Kontrast zum rockigen Sound steht. Von aggressiven Songs bis hin zu traumhaften Balladen haben sie alles im Repertoire. Man merkte der Band an, dass sie richtig viel Spaß auf der Bühne hatten und so wurde die Masse langsam etwas lockerer.

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Es folgte eine lange, lange Umbaupause. Die Musikauswahl währenddessen gefiel mir aber sehr gut, sodass ich hier schon zu dem ein oder anderen Song ein bisschen rumwackeln konnte. Und dann war es eeendlich soweit. Die Bühne voller Nebel erstrahlte in rotem Licht und die ersten Töne der ersten Singleauskopplung des neuen Albums ‚Hunger Of The Pine‘ schallten durch die prall gefüllte Columbiahalle.

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Es beeindruckte eine wahnsinnige Lichtshow zu diesem Song und dies sollte auch das ganze Konzert lang anhalten. Im Ernst jetzt, ich habe noch nie eine so aufwändige und perfekt abgestimmte Lichtshow gesehen, sie versetzte mich in eine komplett andere Welt. Die Menschen im Hintergrund werden sowieso viel zu selten erwähnt, aber hiermit ziehe ich offiziell meinen Hut vor diesem Lichttechniker. Zu wirklich jedem Song wurde allein mit Licht und visuellen Effekten eine Wahnsinnsstimmung geschaffen.

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Die Band hingegen stand meist im Dunkeln und rückte somit total in den Hintergrund. Man kann sich an dieser Stelle streiten, ob sie einfach viel Wert auf die passende visuelle Umsetzung zu ihrer Musik legen oder einfach alles andere als Rampensäue sind und sich lieber auf der Bühne ‚verstecken‘. Ich denke es ist von jedem etwas. Während des ganzen Konzertes fand absolut keine Interaktion mit dem Publikum statt, bis auf hier und da mal ein ‚Danke‘ und ‚Der nächste Song heißt…‘. Doch das schadete der Stimmung absolut nicht. Ganz im Gegenteil, die wahnsinnige Bühnenshow machte das von ganz allein. Das Publikum sang und klatschte von allein an genau den richtigen Stellen mit und hatte richtig viel Spaß.

Aber auch musikalisch ging es großartig weiter. Es folgten tolle Songs wie ‚Left Hand Free‘ und ‚Every Other Freckle‘ (womit übrigens schon meine Favoriten des neuen Albums gespielt waren), aber auch viele Songs des ersten Albums. Alt-J schafften es genau die richtige Mischung aus beiden Alben zu spielen. Bei den Songs ‚Tesselate‘ und ‚Taro‘ erlebte ich meinen absoluten Gänsehaut-Moment. Die Menge klatschte so laut mit und ersetzte komplette Gesangsparts des Sängers. Großartig! An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass mich live viele von den neuen Songs doch begeistern konnten. Nach nur einer Stunde gingen sie schon von der Bühne. Natürlich gab es eine Zugabe. Und ich wartete immer noch auf meinen absoluten Lieblingssong ‚Breezeblocks‘ und hoffte die ganze Zeit, dass sie den als Zugabe spielen. Meine Hoffnung wurde langsam blasser, doch ich hoffte weiter, dass sie ihn vielleicht als letzten Song des Konzerts spielen. Und so war es auch! Ich kann mit Worten absolut nicht beschreiben, wie umwerfend die Stimmung in diesem Moment war!

Mein Fazit: Alt-J sind ein großartiger Live-Act und ich werde mir bei der nächsten Gelegenheit definitiv wieder so früh ein Ticket kaufen! Ich habe so viele tolle Eindrücke mit nach Hause genommen, dass ich mich dort angekommen sofort an diesen Blog gesetzt habe, um all dies mit euch so gut es geht teilen zu können. Da mir auch viele Songs des zweiten Albums richtig gut gefallen haben, gebe ich dem Ganzen auch nochmal eine Chance.