Ja, leben wir denn in einer Spaßgesellschaft? Immer wieder schrieben die Feuilletons des Landes einen Abgesang auf ebendiese – doch man stelle sich einmal vor, die Jungs von Kakkmaddafakka würden mit Narrenzepter in der einen und Gitarre in der anderen Hand regieren! Wäre die Welt nicht ein viel besserer Ort? Selbstredend. Dass Trübseligkeit kein angemessenes Lebenskonzept ist, bewiesen die Norweger am Samstag im Berliner Astra.

Am Ende des Narrenzirkus.

Am Ende des Narrenzirkus.

Die Eröffnung des Abends fällt dem Kölner Roosevelt zu, der mit dem Track Sea im Sommer bereits sämtliche Gehörgänge füllte. Kurz und knapp, allerdings nicht weniger souverän meistert der Greco-Roman Zögling seinen Support-Slot.

Insgesamt eher minimalistisch bildet das noch junge Soloprojekt vom Beat!Beat!Beat!-Schlagzeuger Marius Lauber das Kontrastprogramm zum norwegischen Oktett, das im Anschluss mit wehender Fahne die Bühne betritt.

Kurz und knapp, allerdings nicht weniger souverän

Ein klassisches Intro. Die überdimensionale Kakkmaddafakka-Flagge weht verheißungsvoll über den ersten Reihen. Nach und nach laufen die Bandmitglieder an ihre Instrumente, bevor die ersten Töne von Touching das Abschlusskonzert der diesjährigen Deutschlandtournee einläuten. Arrogant, distanziert, verhalten. Allesamt Adjektive, die im Vokabular der Nordlichter nicht zugegen scheinen.

Es folgen Make the First Move, Gangsta No More und Self-esteem – ausnahmslos eingeleitet mit anzüglichen Schmeicheleien von Sänger/Gitarrist Axel Vindenes in Richtung (Ziel)Publikum. Die Worte zeigen Wirkung: Die zumeist weiblichen Fans Anfang 20 werfen heiße Blicke auf die weniger heißen Norweger. Die Chemie scheint zu stimmen.

Frei nach dem wer-will-nochmal-wer-hat-noch-nicht-Prinzip darf jeder mal singen, herumtollen, den Frontmann mimen. Auf der Bühne herrscht mehr Betrieb als in Berlusconis Schlafzimmer – da den Überblick zu behalten fällt schwer. Plötzlich springt Keyboarder/Sänger Jonas Nielsen auf, macht Liegestütze an der Bühnenwand. Der zuckersüße Kakkmaddachoir tritt tanzend in den Vordergrund und immer wieder umgarnt Axel obszön bis kokettierend das Publikum. Letzteres ist Wachs in seinen Händen und die Kakkmaddafakkas formen es zu einer schwitzenden, euphorischen Masse. Die Songs der Aktuellen Platte Six Months is a Long Time wurden größtenteils in Berlin aufgenommen. Lie, Bill Clinton oder Someone New werden ebenso textsicher vom Publikum reproduziert wie alte Klassiker á la Restless und Your Girl, die schließlich das Ende des Konzertes einleiten. Jedes „Yeah“ hat gesessen. Jede Zeile hallte zurück.

Doch dann die Zugabe! Bassist Stian Sævig tauscht seinen Headless-Bass gegen Akustik-Gitarre und trägt mit viel Pathos Saviour vor, ehe die restlichen sieben glückselig und durchschwitzt zurückkehren um nochmal zu Höchstform aufzulaufen. Während Forever Alone erklingt, taumelt und springt mittlerweile jede Ecke des Astra Kulturhauses in einiger Glückseligkeit. Final ertönen die ersten Takte vom Ewigen Kreis aus König der Löwen, nur um gleich darauf in einem Michael Jackson-Cover von The Way You Make Me Feel zu gipfeln. Es fliegen Handküsse und Lobesworte, ein letztes Mal wird hin und hergerannt, gehampelt, getanzt, umarmt und verbeugt, während zeitgleich Tina Turners Simply the Best aus den Boxen schallt. Es ist also vorbei. Auf ihrem Abschlusskonzert feierten sich die Jungs aus Bergen vor allem selbst – und alle waren eingeladen ekstatisch mitzufeiern.