Wann immer auch der Londoner Musiker Ben Barritt und seine bunt zusammengewürfelte Band Zeit haben, machen sie Musik. Falls sie gerade mal keine Zeit haben, spielt Ben auch alleine auf seiner Gitarre. Das Ergebnis dieser einmaligen internationalen Zusammenarbeit ist Bens ganz persönlicher Stil aus Experimental Folk, Alternative Soul und Electric Jazz. Wir haben mit ihm über sein neues Album “What would you like to leave behind” gesprochen (VÖ: 14.10.). Am Samstag ist er übrigens live im Volksbad Buckau zu sehen!

Tourdaten:

15.10.16 | Magdeburg | Volksbad Buckau
21.10.16 | Frankfurt/M | Circus
22.10.16 | Stuttgart | Café Galao
22.10.16 | Frankfurt/M | Stalburg Theater, Matinée
28.10.16 | Münster | Schnabulenz (Duo)
29.10.16 | Berlin | Privatclub

27.01.17 | Leipzig | Horns Erben
10.04.17 | Bamberg | Live Club
05.05.17 | Oldenburg |
06.05.17 | Bremen | Pappkarton
11.05.17 | Homburg | Mandy’s Lounge
12.05.17 | München | Munich Sessions

Das gesamte Interview lest ihr hier:

pop10: Ursprünglich aus London lebst du jetzt seit ungefähr drei Jahren in Berlin, warum?

Ben Barritt: Jeder kommt nach Berlin; es gibt so viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Es ist eine sehr spannende Stadt und es ist nicht nur Berlin selbst, sondern auch die gesamte deutsche Musikszene und das Umfeld dort. Es ist eine Ehre für mich, dabei zu sein. Deswegen lebe ich in Berlin, weil es eine aufregende und befreiende Stadt ist.

pop10: Oft wirst du als Globetrotter bezeichnet – du warst schon in Asien und Europa. Hast du auf deinen Reisen das Gefühl, keinen Fixpunkt oder keine Heimat zu haben?

Ben: Es gibt keinen wirklichen Ort, der sich nach Heimat anfühlt. Als Kind bin ich schon viel gereist und herumgekommen. Ich habe damals die Tatsache genossen, nicht allzu sehr sesshaft geworden zu sein, was als Musiker ein großer Vorteil ist. Die Fähigkeit mitten in einer neuen Stadt mit Hilfe des Mediums Musik anzukommen und Leute zu treffen, die die dortige Musikszene voranbringen, ist sehr wichtig – es macht einen automatisch zu viel mehr als zu einem Touristen. Das ist es wert sich manchmal ein wenig ruhelos zu fühlen.

pop10: Gibt es einen Ort, an dem du noch nicht gewesen bist und den du gerne bereisen möchtest?

Ben: Sehr viele! Ich möchte sehr gerne nach Japan und Korea reisen. Bisher konnte ich es nicht einrichten, aber sie gehören zu meinen Favoriten. Im Kopf habe ich aber auch weitere Länder, zum Beispiel möchte ich noch weitere Teile Amerikas erkunden. Hoffentlich bringt mich die Musik überall dorthin – das ist der Traum.

pop10: Du hast bereits in verschiedenen Konstellationen mit Musikern zusammengearbeitet – sowohl allein mit Gitarre und Gesang als auch mit Band. Welche Konstellation bevorzugst du?

Ben: Ich liebe es einfach nur mit meinen Freunden Musik zu machen. Ich mag es, mehrere Stimmen auf der Bühne zu haben. Ich mag es, wenn die Charaktere der Leute auf der Bühne hervorkommen. Besonders, wenn die Lieder sich so gut anhören, dass die Musiker improvisieren und Sachen verändern. So hört sich mein Traum von Musik an. Aber letztlich ist meine Philosophie für ein gutes Lied, dass es funktioniert, egal wie du es spielst. Zwangsläufig muss ich also alleine spielen, das wird manchmal etwas öde, aber hoffentlich kommt die Bedeutung der Musik trotzdem zum Ausdruck.

pop10: Dein neues Album hast du mit einer Berliner Band aufgenommen. Wie lange wirst du mit ihnen arbeiten? Deine Band-Zusammenstellung ändert sich ja häufiger.

Ben: Jeder von uns ist professionell. Ich komme aus einer bestimmten Szene – in den 70ger und 80ger Jahren hätte man es als Session-Musiker bezeichnet und ich finde es etwas hochtrabend, es heutzutage so nennen zu können. Wir haben einen sehr lebendigen Austausch in unserer musikalischen Arbeit. Manchmal spiele ich auch Gitarre für einige andere Leute. Die Musiker können nicht immer zur gleichen Zeit. Ich liebe einfach die Idee von einer großen Gruppe von Freunden in London und Berlin, die man zum Musizieren aufsucht und sie zum Konzept hinzufügen kann. Auf dem Album waren es tatsächlich nur vier Leute, es eine sehr nahestehende Gruppe von Leuten auf dem Album. Und genau das haben wir versucht in der Aufnahme einzufangen. Auf dem zweiten Album werden es dann wohl um die 20 Leute sein.

pop10: Das Album wurde mit DDR-Tonausrüstung aufgenommen, stimmt das?

Ben: Ja! In dem Funkhaus Berlin gibt es viele Studios, viele Aufnahmen werden in diesem zerbröckelnden Relikt flussabwärts der Spree gemacht. Eigentlich wird es gerade renoviert, was in gewisser Weise etwas schade ist, weil es sehr staubig war und wie das alte Naturwissenschaftsgebäude meiner Schule roch. Es ist einfach ein sehr altes Gebäude, und einige der alten Aufnahmegeräte haben mich einfach begeistert. Die Musik damit hört sich großartig an, wirklich großartiges Material! Selbst die Stecker passten nicht in die neue Ausrüstung, es war sehr interessant damit zu arbeiten. Und der Produzent Johannes Saal hat mit dem Sound wirklich Magisches vollbracht, er hat versucht die alten Geräten zu manipulieren, um eine Art Verzerrung und Edginess in die Musik hineinzubringen. Es ist ein sehr schöpferischer Platz zum Arbeiten gewesen.

pop10: Also war es auch eine Art Experiment?

Ben: Jede Platte ist ein Experiment. Jede Gruppe von Leuten und jede Zusammenstellung an Liedern ist ein Experiment. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Sound zu diesem Zeitpunkt eingefangen haben. Und für die zweite Platte gehen wir vielleicht an irgendeinen orchestralen Ort, aber ich weiß noch nicht, was wir machen werden, es muss einfach am besten zur Musik passen.

pop10: Letztes Jahr hast du um die 80 Konzerte gegeben. Möchtest du das dieses oder nächstes Jahr steigern?

Ben: Ich hoffe, wir werden die Energie und den Ausdruck der Auftritte steigern und nicht die Anzahl der Auftritte. Letztes Jahr war ich die meiste Zeit der Tour auf mich alleingestellt, es war zwar eine tolle Zeit, aber genau genommen war es sehr ruhig. Deswegen möchte ich die Band in mehr Städte bringen – der Plan ist also weniger Konzerte zu machen, die aber hoffentlich besser sind.

pop10: Du hast schon in Wohnzimmern und auf großen Bühnen gespielt. Was denkst du, wie deine Tour sein wird. Wird sie eher das Bühnen- oder das Wohnzimmerfeeling haben?

Ben: Ich denke, es wird ein wenig von beidem sein. Meine Musik hat zwei Seiten. Die eine ist die überschwängliche, sonnige, fetzige Seite und die andere Seite ist sehr intim, akustisch und manchmal etwas melancholisch. Falls wir als Band und ich es richtig machen, dann werden beide Seiten zusammen vorkommen. Aber dafür werden die Bühnen nicht so groß sein.

pop10: Gibt es neben Gitarre und Gesang noch ein anderes Instrument, das du am liebsten spielst oder am liebsten spielen können würdest?

Ben: Ich wünschte, ich könnte Klavier spielen. Zwar habe ich es probiert, aber ich denke, es liegt daran, dass ich Gitarre spiele – es ist schwierig auf Klavier umzuschalten. Deswegen arbeite ich gerne mit guten Keyboardspielern zusammen.

pop10: Wann hast du mit Gitarre spielen angefangen?

Ben: Ich war um die 15 Jahre alt. Meine Familie sind Musiker, doch sie haben mich nie dazu gedrängt, Musik zu machen, im Gegenteil, sie haben mich unterstützt, meinen eigenen Weg zu gehen. Natürlich habe ich dann dagegen rebelliert, habe mich für die Familientradition entschieden und bin Musiker geworden.

pop10: Am Samstag wirst du im Volksbad Buckau hier in Magdeburg spielen. Hast du etwas Besonderes für die Magdeburger geplant?

Ben: Es ist die erste Show der Tour und es ist auch die erste Bandshow seit einer Weile nach dem Release des Albums. Sie wird das Feeling einer ersten Show haben – also wahrscheinlich sehr ungeplant, was vielleicht eine gute oder schlechte Sache sein wird, aber es ist definitiv eine Sache.