Verwirrt der Name kollektiv22 erst einmal, könnte man doch denken dahinter verbirgt sich eine Hochschulbewegung, ein Techno-DJ-Team oder eine Arbeitsgruppe, steckt in Wahrheit eine siebenköpfige Band aus Hamburg dahinter, die einzigartige Musik macht. Am 18.12. spielten sie beim Radiokonzert vom Uniradio ‘guericke.fm’ in Magdeburg. Ich kann nur sagen: ‚Gehört… und für großartig befunden!‘ Wir plauderten für euch ein bisschen mit den Sängern Ben und Daniel:

2012 haben sich die Männer kennen und lieben gelernt. Ziemlich schnell merkten sie, dass sie dasselbe Verständnis und Gefühl für Musik haben und entwickelten so ihre ganz eigene Musikrichtung, die sich nicht so leicht mit anderen vergleichen lässt. Sie selbst bezeichnen sich als ‚musikalisches Ratatouille‘. Nun ist in diesem Jahr das erste Album ‚geschichten ohne versmaß‘ erschienen. Die 14 Songs enthalten so viele unterschiedliche Elemente und Genres, vielleicht ja sogar 14 verschiedene? Wie kann man sich das vorstellen?

Daniel: Also 14 verschiedene Genres, das würde ich jetzt so nicht sagen. Es ist sehr vielfältig, weil wir sehr viel mischen. Das heißt, dass in dem ganzen Indie/Pop-Schema, das dieses Album beinhaltet, werden praktisch all die verschiedenen Genres, die die einzelnen Künstler innerhalb der Band ausmachen, kombiniert. Insofern haben wir dann Songs, die mehr folkig klingen, dann haben wir Songs, die mehr rockig klingen und welche, die hip-hoppig klingen. Und natürlich noch viele andere Elemente mit eingebunden. Insofern kriegt man, glaube ich, ein sehr buntes, vielfältiges Album mit ‚geschichten ohne versmaß‘.

Die Musik von kollektiv22 ist sehr vielseitig. Sie beinhaltet Genres von Soul und Folk über Reggae bis hin zu Rock, Pop und Hip Hop. Auch was die Sprachenvielfalt angeht sind die sieben Männer aus Hamburg nicht ohne. Auf insgesamt drei Sprachen, nämlich Deutsch, Englisch und Französisch, wird gesungen. Wie funktioniert das denn überhaupt beim Songschreiben mit so vielen Menschen und so vielen verschiedenen Einflüssen?

Ben: Ähm… naja, das ist gar nicht so schwierig eigentlich. Es kommen meistens Daniel oder Tom, oder in seltenen Fällen auch ich, mit einem Text an und meist hat die Person, die den Text geschrieben hat, sich auch schon Gedanken über die Vertonung gemacht, also grob wohin das gehen soll. Ob es jetzt ein rockiger Song werden soll oder ob es eine Ballade werden soll oder was auch immer. Und dann setzt man sich in der Band zusammen und jammed, fängt erstmal an, diese Texte auf irgendwelche Melodien zu singen, die dann Berton auf der Gitarre spielt und zu freestylen und ein bisschen auch was auszuprobieren. Dann kommt Cajon dazu, dann Mandoline, also so baut sich das alles auf.

Daniel: Ja, also natürlich gibt’s dabei sehr viel Streit (lacht). Ich glaube das ist natürlich, wenn man so ‘ne große Band ist wie wir, dass viele in ganz andere Richtungen denken. Aber ich denke, dass es ein sehr konstruktiver Streit ist, der dann letztendlich dazu führt, dass wir den dem Song dienlichsten Sound gemeinsam finden.

Die sieben Hamburger verbindet eine ganz besondere Leidenschaft zur Band. Als Bekenntnis dazu haben sich alle eine 22 auf den Arm tätowieren lassen. Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Daniel: (lacht) Hehe, ja Tom und ich fanden uns eines Nachmittags, betrunken, in einem Klamottenladen wieder, in dessen Hinterzimmer eine Grundschulsektretärin einen Bekannten von uns tätowierte und dann dachten wir: ‚Joa, machen wir auch!‘. Haben uns dann da von dieser Dame ‘ne 22 stechen lassen und haben den Jungs gesagt: ‚Jetzt seid ihr dran‘. Und die sind alle mitgezogen. Das ist glaube ich, wie du sagtest, es ist ein Bekenntnis letztendlich oder halt auch eine Verbindlichkeit dem ganzen Projekt gegenüber.

Ben: Ja, Lenny ist der einzige Querschläger, der hat sie nämlich hier (zeigt auf die Rippen) und wir haben aber irgendeine Wette am Laufen! Dass er sich die 22 nochmal auf den Arm tätowieren lassen muss. Aber ich weiß nicht mehr, was genau die Wette beinhaltet. Aber er kriegt sie auch noch auf den Arm, irgendwie. Dann hat er sie zweimal, Pech gehabt!

Die siebenköpfige Gruppe durfte bisher schon Jupiter Jones, Lenka und Liedfett supporten. Am Liebsten spielen sie trotzdem kleine Straßenkonzerte und sind sogar auf eine Straßenkonzerttour gegangen.

Ben: Naja wir haben durch Zufall so angefangen, wir haben gejammed in der Wohnung und ein Bekannter vom Tom und David hatte einen Laden unter dieser Wohnung. Und wir sind rausgegangen und wollten für ihn zum Einjährigen seines Ladens einfach spielen. Wir waren noch keine Band, wir wollten mal probieren, wie es klingt und was wir machen können. Und ja dann kam ein Typ vorbei und meinte so er hat Amps dabei, also Verstärker, und fragte, ob wir laut spielen wollen. Und wir so: Klar! Und dann waren da echt irgendwie ein paar hundert Leute auf einmal. Und dann haben wir gedacht so: ‚Puh, krass! Vielleicht probieren wir da mal ein bisschen weiter aus.‘ Und auf der Straße zu spielen ist deshalb so schön, weil du kriegst nirgendwo ehrlicheres Feedback, als auf der Straße. Weil entweder die Leute bleiben stehen oder sie gehen weiter. Wenn sie da stehen bleiben und danach auch noch applaudieren, hast du nicht wirklich viel falsch gemacht. Und so kann man ausprobieren. Man schreibt neue Songs, probiert sie auf der Straße aus und du hast direkt einfach ‘ne Einschätzung des Publikums. Das ist wunderbar.

Die Jungs sind Künstler durch und durch. So schreiben sie neben der Musik auch noch Texte, Stücke, Gedichte, spielen Theater und drehen fleißig fürs Kino, Fernsehen oder Kurzfilme. Wie schafft man es da, die Band nicht zu vernachlässigen oder den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren?

Ben: Ähm, das Wesentliche für mich ist Schauspielerei und Musik und das sind meine beiden Hauptberufe und damit verdien‘ ich mein Geld. Also, da den Blick zu verlieren ist nicht so schwer. Also, du verlierst da den Blick nicht wirklich. Weil das Schöne ist, wenn du ‘nen Film drehst, also ich mach hauptsächlich Filme und Schauspielerei, und du hast eine Produktion für ‘nen bestimmten Film und der ist an bestimmten Drehtagen. Da kann man das einfach auch alles managen. Ich hab privat eine Agentur für meine Schauspielsachen und dann haben wir das Booking und das Management für die Band und die sprechen sich auch ab und das ist ganz praktisch, das funktioniert.

Daniel: Ich glaub es ist eher andersrum, also praktisch wie schafft man’s diese andere Leidenschaften, wie die Schauspielerei, zu halten neben der Band. Und nicht, wie schafft man es die Band zu halten, weil bei Ben geht’s ganz gut, aber ich spiel‘ zum Beispiel hauptsächlich Theater, wenn’s ums Schauspiel geht. Theater ist meist ein Commitment über ‘ne längere Zeitperiode. Das heißt, wenn ich spiele, bin ich zwei Monate raus aus der Band. Und trotzdem ist es ja ‘ne Leidenschaft, die man nicht einfach wegwerfen möchte, weil die Band da ist. Andererseits, irgendwie muss man auch Geld verdienen, weil in ‘ner siebenköpfigen Band wird man nicht reich (lacht). Da ist man ganz froh, wenn man dann mal mit Schauspielerei oder einer anderen Leidenschaft was verdienen kann. Es geht glaube nicht ohne Beides oder ohne all diese Selbstverwirklichungsmöglichkeiten.

Ben: Also, ich könnte mir das auch nicht vorstellen nur eine Sache zu machen. Ich mach Schauspielerei, seit dem ich denken kann. Und Musik kam dann auch irgendwann dazu und Synchronisieren kam dann auch irgendwie dazu. Das sind meine drei Sachen. Und ich brauch‘ das auch, neben Familie und so. (lacht) Hehe nee, neben dem Privatleben, aber im Grunde ist ja Musik und Schauspielen auch mein Privatleben. Ich werd‘ immer oft gefragt, wie man das alles schafft so und dann ist es halt für mich immer so, dass ich das ja so gerne mache, dass mein Privatleben auch Schauspielerei und Musik und das alles ist. Du kommst nicht nach Hause vom Büro und sagst: ‚Jetzt Feierabend!‘, sondern du hast es permanent. Das ist echt ein 24/7-Job irgendwie. Aber es macht Spaß! Also, es ist geil!

Daniel: Was gleichzeitig natürlich auch dafür sorgt, dadurch dass es 24/7 ist, dass man sehr selten Ruhe findet von dem Ganzen. Also, wenn man immer den Kopf in der Kunst stecken hat, hat man halt wirklich ‘nen Fulltime-Commitment irgendwie zu dem Ganzen, wodurch abschalten sehr schwer ist. Oder in den Urlaub fahren bringt nicht diesen Urlaubs-Effekt mit sich, weil man dann trotzdem die ganze Zeit in seinem Mailfach hängt und irgendwie diese ganze Orga schon mal macht für die Zeit nach’m Urlaub. Aber das ist was Schönes. Ist auf jeden Fall was wofür ich, wir alle glaube ich, dankbar sind. Gerade mal nicht zur Ruhe kommen zu können.