Aus der englischen Provinz direkt auf die ganz große Bühne: die Teens von One Sixth of Tommy wollen mit bodenständiger Gitarrenmusik und zarten Stimmchen die Welt erobern – und gehen damit gehörig auf die Nerven.

Jordan, Joanna und Jorja kommen aus dem beschaulichen Städtchen Stourbridge und haben mit noch nicht einmal zwanzig Lenzen den Sprung ins Musikbusiness geschafft. Ihre Band ONE SIXTH OF TOMMY durfte auf dem Glastonbury auftreten – eine Ehrung für jeden Künstler. Die ganz große Kunst bleibt auf dem Debüt You’re In My Head dann aber doch verwehrt.

Versetzen wir uns zurück in eine Zeit, in der blinkende Jojos und bauchfreie Tops das Nonplusultra der Popkultur waren. Irgendwo dort wurden in Amerika Filme für junge Menschen produziert, in der Freddie Prinz Junior und Ryan Phillipe die schönsten Mädchen der High School verführten. You’re In My Head wäre der perfekte Soundtrack für Kuss-, Liebes-, und weitere Schmachtszenen dieser Zeit und klingt deshalb in seiner Unkantigkeit nach Heavy Rotation fürs Radio.

Sicher, das süße Trio macht schöne, entschleunigende und irgendwo auch zeitlose Gitarrenmusik zwischen Twee-Pop und – das ist verblüffend – amerikanischen Folkpop. Dennoch müssen sich die Mädels den Vorwurf erwehren, dass das alles doch nach Masche klingt und vor allem danach aussieht, wenn die Mädchen im Video zur Singleauskopplung „The Pact“ so berechnend-süß kichern und in die Kamera blinzeln. Sollen wir euch jetzt anschmachten in eurem sonnendurchfluteten und weichgezeichneten Musikclip?

One Sixth of Tommy machen eben unschuldige Musik mit dem Prädikat „für romantische Abende zu zweit“ ohne einen höheren Anspruch zu verfolgen. Ähnlich beschreibt das Trio selbst den Sound des Albums: „Imagine a basket full of kittens next to the brightest rainbow, as ponies gallop past freely…“.

Für die Einen ist dieses Easy-Listening-Album so grauenvoll und aggressivitätssteigernd, dass sie am Liebsten die Standboxen aus dem Fenster werfen würden, und für die Anderen die zarteste Versuchung seit es englische Mädchenbands gibt – und das ab 28. August in ihrer gut sortierten Süßwarenabteilung.