Als junge Dame in den Mittzwanzigern habe ich schon vor langer Zeit feststellen müssen, dass ein bedeutender medialer Einfluss, der mich von Kindheit an prägte, heutzutage so gut wie völlig verschwunden zu sein scheint: der Old-School-Actionheld.

Die Rede ist hier nicht von mageren, blassen Vampir-Jünglingen, die voller Gefühlschaos durch den Wald hopsen und auch nicht von vernarbten Brillenträgern aus Großbritannien, die androgyn ihren Zauberstab schwingen, um Bösewichten Einhalt zu gebieten und vor allem ist die Rede nicht von vor sich hindudelnden und tänzelnden Highschool-Schülern, deren größte Probleme darin bestehen, jung, reich, attraktiv und beliebt zu sein. Nein. Ich möchte testosterongeladene, wortkarge Einzelgänger, die sich im Alleingang gegen ganze Banden von Kriminellen durchschlagen müssen. Ich möchte behaarte und verschwitzte Männeroberkörper, die voller Dreck und Blut im Scheinwerferlich glänzen. Ich möchte brutale Kampfmaschinen, die aus explodierenden Autos springen, sich von Hochhäusern abseilen und durch Kanalisationsschächte kriechen, als wäre das ihr täglich Brot.

 

Ich erinnere mich an Zeiten, als der Ein-Mann-Krieg noch richtig zelebriert wurde: Jean-Claude van Damme, Steven Seagal, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger waren damals das absolute Männerideal. Mal ganz abgesehen von meinem All-Time-Favourite Bruce Willis, der mich mit seinem verschmitzten Lächeln und den lässigen Sprüchen auch noch mit 57 locker jederzeit haben könnte. Aber was bleibt uns denn heute außer dem ewig jungen (weil ersetzbaren) James Bond? Jason Statham, Vin Diesel, Dwayne Johnson oder Tom Cruise, deren Coolness und Toughness nur mit sehr vielen Special Effects suggeriert werden können und deren Witz irgendwo auf dem Stand eines Vorschulkindes stehen blieb? Nur ein paar Schießereien und Explosionen reichen eben noch lange nicht aus, um einen abgebrühten, verwegenen und amüsanten Actionhelden zu kreieren.

Müssen wir uns also wirklich mit seltsam dreinschauenden Luschen wie Jesse Eisenberg, Josh Hutcherson und Shia LaBeouf abfinden? Ich hoffe doch, Darsteller wie Ryan Gosling, Joseph Gordon-Levitt, Emile Hirsch oder James Franco können den Ruf des stilvollen Actionhelds demnächst noch irgendwie retten. Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als zu der Gruppe der nerdigen Sympathisanten überzulaufen – da warten schon Jason Schwartzman, Michael Cera und Patrick Fugit.