Das Künstlerpaar Noblesse Oblige  ist mit IAMX on Tour. Wir trafen die beiden für euch nach der großartigen ASTRA Show, in einer kleinen verrauchten Bar in Friedrichshain für ein Interview.

Hallo Sebastian, schön euch hier bei Pop10 zu haben. Ihr seid derzeit mit IAMX auf Tour, dazu kommen wir gleich noch. Kannst du für unsere Leser euer Bandprojekt und die Idee vielleicht kurz erläutern.

Sebastian: Wir sind Noblesse Oblige, ursprünglich aus London. Wir haben dort 2006 unser erstes Album aufgenommen. Seit 2008 sind wir in Berlin und haben hier seit dem 2 Platten aufgenommen. Zurzeit sind wir mit IAMX auf Tour, wir haben auch selber schon in Europa und Südamerika gespielt und wurden jetzt gebeten auf dieser IAMX Tour als Spezial Guest mit aufzutreten.

Pop10: Eure aktuelle Platte nennt sich „Malady“, welches ein Konzeptalbum ist für das ihr euch lange Zeit genommen habt um das Album auszuarbeiten. Kannst du uns über die Idee dahinter und die Entstehung etwas erzählen?

Sebastian: Wir wurden 2008 gebeten an einem Tarotprojekt in London teilzunehmen. Wir haben uns dann verstärkt mit dem Thema Tarot und Okkultismus auseinandergesetzt. Vorallem der Posie von Aleister Crowley und den ganzen verschiedenen Arten wie Okkultismus in der Kunst oder auch im Film verwendet wurde. Die ganzen Okkulten Motive, die Filmemacher wie Kenneth Anger verwendet haben. Das alles war ein großer Einfluss und wurde als stilistisches Mittel eingesetzt. Uns war es wichtig, dass das Album die Atmosphäre dieser ganzen Einflüsse in dem Album musikalisch und textlich verarbeitet werden.

Pop10: Vodoukult, Okkultismus mit Texten von Alister Crowley, den du gerade gennant hattest, und die Gedichte von der Britin Christina Rosetti standen dem Album sozusagen Pate, das hast du ja gerade auch schon etwas erläutert. Was fasziniert euch an diesem Thema persönlich oder welchen Bezug habt ihr dazu?

Sebastian: Ein Bezug dazu hat vor allem Valerie, die teile ihrer Jugend in Haiti verbracht und sie ist da sehr viel in Verbindung gekommen mit dem Vodou. Sie hat neben einer Vodoupristerin gewohnt und nachts immer gehört, wie Leute aus dem Haus ein und aus gegangen sind. Hat bestimmte Gesänge gehört und Gerüche wahrgenommen und hatte auf dieser Platte das Bedürfnis ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Deswegen findet man auf der Platte auch sehr viele Texte, die sie aus dieser Zeit hat und Musik die aus der Region kommt, besonders perkussive Sachen wurde verstärkt eingesetzt, mit den akkustischen Gitarren und den elektronischen Beats die wir verwendet haben.

Pop10: Vodou wurde von der zu 80% aus afrikanischer Herkunft stammenden Bevölkerung nach Haiti gebracht. Der 10. Januar ist dort der Feiertag des Vodou. Ist Vodou für euch eine Religion und wie steht ihr zu Religionen.

Sebastian: Religion ist für mich ein sehr interessantes Konzept. Ich find es sehr interessant darüber nachzudenken und es ist etwas sehr allgegenwärtiges. Ich glaube, dass sogar Menschen die im bestimmten Sinne nicht religös sind, trozdem immer wieder auf dieses religiöse Selbst zurückgreifen. Es ist etwas allumfassendes. Es ist einfach letzendlich einer dieser großen Fragen: Warum bin ich hier? Was mach ich hier? Das sind Fragen, die auch sehr mit Religion verbunden sind und in der Hinsicht finde ich es auch ein sehr interssantes Thema. Abgesehen davon finde ich, dass die Vodou Religion sehr spannend ist, weil sie direkt mit dem Leben der Menschen verbunden ist. Es ist eine sehr intensive Religion z.B. wie in dem Sinne Zeremonien stattfinden, wie dort Musik gespielt wird, wie Leute sich in Trance versetzen. Es etwas sehr pysischen und so direkt körperlich, werden die Menschen durch diese Religion beeinflusst. Deswegen ist es auch so interessant für uns das auch auf einer Bühne umzusetzen und Valerie nimmt diese Elemente mit auf die Bühne als Teil ihrer Performance.

Pop10: Der Vodou als Teil der Perfomance ist euch auf der Bühne sehr wichtig. Kannst du hier an der Stelle das vielleicht ein wenig dechiffrieren für unsere Leser. Ihr spielt dabei ja viel mit Symbolen.

Sebastian: Dazu muss man sagen, das Valerie ursprunglich aus dem Theater kommt. Sie ist ursprünglich Schauspielerin gewesen und das hat bei unseren Live Performances einfach auch immer ein sehr großer Bestandteil. Im bestimten Sinne sind wir beide totale nicht Musiker, wir haben nie richtig Instrumente gelernt. Wir haben versucht immer sehr atmosphärische Sachen zu machen. Ein darstellen von Bildern. Es war uns sehr wichtig, dass wir auf der Bühne nicht nur dastehen und Musik spielen, sondern das es auch sehr … Das da hier auch eine bestimmte Präsenz herscht, die bei den Live Auftritten mit einer visuellen Performance auch Hand in Hand geht.

Pop10: Ihr arbeitet bei den Liveauftritten auch viel mit Gerüchen. Wie beispielsweise in eurer Kindl Brauerei Performance. Um die Sachen auf verschiedene Ebenen zu transportieren.

Sebastian: Ich glaube, das braucht vor allem Valerie um sich in die ganze Lage reinversetzen zu können. Das sind Gerüche, die sie mit bestimmten Erfahrungen verbindet, das ihr hilft einfach auf der Bühne in diese Welt zoszusagen einzutauchen.

Pop10: Ihr habt euch heute abend eine Bühne mit IAMX geteilt. Mögt ihr die Musik und wie kam diese Kooperation zustande?

Sebastian: Ja, wir finden IAMX ist ein sehr tolle Band. Wir sind große Fans der Musik und es ist eine der interssanten Bands, die derzeit Musik veröffentlichen auf CD wie auf der Bühne. Wir haben uns natürlich sehr gefreut, als sie uns gefragt haben ob wir ihre neue Single (anm. d. Red. : Ghost of Utopia) remixen und danach ob wir sie auch auf Tour begleiten möchten und Teil des Abends sein möchten. Für uns ist es eine große Freude mit an Bord zu sein.

Pop10: Chris Corner (IAMX) spielt gerne mit Geschlechterrollen, Androgynität. Ist das auch ein Thema für euch?

Sebastian: Das war es mal 2006. Als ich jeden Tag Make up trug und mich immer verkleiden wollte. Vor 5 Jahren hätte ich gesagt, dass es eine Sache ist die mir sehr wichtig ist, aber heutzutage befasse ich mich mit anderen Themen.

Pop10: Sind in dem Zuge auch Queere Themen für euch interssant. Ich hätte eigentlich auch erwartet, das mehr Leute aus der Szene im Publikum sind.

Sebastian: Ich glaube, das Publikum ist auch sehr jung. Da sind auch sehr junge dabei, die probieren sich selber zu finden.Wir selber haben eigentlich in der Queeren Szene angefangen und haben dort unsere ersten Konzerte gespielt. Wir haben dort sehr viele Fans und auch Freunde gehabt, die uns toll fanden und für Konzerte gebucht haben. Das hat sich dann aber über die Zeit weiterentwickelt und ist somit nicht in der Queeren Szene geblieben. Wir haben aus der Szene, für uns was mitgenommen und darüber auch ein breiteres Publikum für uns gefunden.

Pop10: Würdet ihr euch als politische Menschen bezeichnen?

Sebastian: Eigentlich überhaupt nicht. Ich finde für mich, Politik hat in der Kunst nichts zu suchen. Es gibt Leute die da ganz anders drüber denken. Für mich ist Kunst, eine Welt die ich mir erschaffe und das ist eine Fantasiewelt in der alles nach unseren Regeln gespielt wird und da hat das echte Leben eigentlich sehr wenig mit zu tun.

Pop10: Dann wollen wir mal noch ein bisschen Lästern. Ihr seid 2006 von London nach Berlin gezogen. Wie bewertet ihr die Berliner Musikszene besonders auch den Underground?

Sebastian: Ich finde, dass hier eine sehr spannende Szene, weil Berlin eine sehr junde Stadt ist und auch sehr dynamisch. Viele Künstler kommen her und probieren neue Sachen aus. In London ist alles viel etablierter. Ich finde, es gibt in Berlin auch den trend, dass viele Leute auch sehr faul werden.

Das die Leute viel in den Cafés sitzen ihren Late Maciato schlürfen und von all den tollen Sachen reden, die sie eines Tages machen werden, aber sie dann aber nicht machen. Das ist aber ein Berliner Phänomen, dem wir uns aber entzogen haben. Indem wir uns einfach ins Studio zurüchziehen und hart arbeiten.

Pop10: Ok, klingt gut. Daydream Nation – eure Vision für die Zukunft. Für eure Zukunft oder im allgemeinen?

Sebastian: Wir wollen da weitermachen wo wir mit dem letzten Album angefangen haben, das eine Fortsetzung wird der Reise die wir gerade begonnen haben. Aber ehrlich gesagt, weiß ich es auch nicht genau und möchte es auch nicht wissen.

Pop10: Also vielen Dank Sebastian und alles gute für die Zukunft von Noblesse Oblige.

 

durch das Interview führte: Nicole Richwald

 

Links:

http://www.noblesseoblige.co.uk/

Noblesse Oblige Interview – Regioactive.de

http://iamx.eu/