Clubig. Animierend. Trashig. Roosevelt feiert einen Sound, der Liebhaber alter italienischer Discosounds in den Bann zieht. Obwohl in seinen Songs so schmeichelnd und charmant, im Interview findet Marius Lauber konkrete Worte und weiß genau, wohin es mit seinem zur Band herangewachsenen Projekt gehen soll. Auf dem durchnässten Rocken am Brocken Festival 2017 hat er uns ein paar Einblicke gewährt.

Wir sind hier auf dem Rocke am Brocken Festival mit Roosevelt. Wie geht’s?

Sehr gut, wie geht’s dir?

Mir geht’s auch ziemlich gut. Danke dir. Ich hab gesehen, Ihr hattet eine längere Anreise. Wie war’s?

Wir waren im Appletreegarden gestern. Das liegt 3 Stunden von hier. Es geht eigentlich. Ich hab bei CHROMA, einer alten Band von mir, Drums gespielt.

Du bist Drummer, und zusätzlich noch DJ. Wie passt das zusammen?

Naja DJ bin ich ja nicht mehr so wirklich. Durch das Auflegen habe ich zwar zur elektronischen Musik gefunden. Aber ich hab mittlerweile eine Band. Von daher sind bis zu 95 % aller Auftritte live mit Band. Das hat mit Auflegen eher weniger zu tun. Aber ja, es war anfangs so, dass ich an den Drums und der Gitarre war und anschließen zum Auflegen gekommen bin. Und ich denke, gerade durch dieses zweigleisige Fahren kam mein Interesse beides zu vermischen, so mit Instrumenten.

Heute Abend ist dein Auftritt. Du sagtest mal, je größer der Auftritt, desto geringer ist die Aufregung. Inwiefern trifft dies auf das Rocken am Brocken Festival zu, da es ja schon eher ein kleineres Festival ist? Bist du Aufgeregt oder eher gechillt?

So klein sehe ich den Auftritt hier nicht. Wir spielen ja auf der Mainstage und das zu einer guten Zeit. Von daher fällt das schon eher unter die Kategorie größerer Auftritt. Aber das stimmt schon, bei einem größeren Konzert kannst du eher eine Masse an Leuten bespielen und schaust dem Einzelnen wie bei Clubkonzerten nicht ins Gesicht. Gerade bei unserer Musik, welche ja schon tanzbar ist, kommt es besser die Energie der ganzen Crowd zu fühlen, und nicht den Typen in der ersten Reihe mit dem Handy in der Hand. Gerade das macht einen Nervös.Wir haben jetzt eine Clubtour in Deutschland gemacht, beispielsweise im Stereo in Nürnberg in dem 200 Leute reingehen. Und da hatten wir auch super gute Konzerte. Das heißt jetzt nicht, dass kleine Clubkonzerte per se nichts sind für uns. Es kann ja auch der Hammer sein. Das schöne an der Festivalseason ist auch, dass man die Möglichkeit bekommt sich auszuprobieren auf der Bühne. Man ist mit der Zeit nicht mehr so nervös, weil man herausbekommt wie man die Masse bewegt.

Ihr seid momentan auf Tour. Anfang der Woche in Spanien, jetzt Rocken am Brocken und bis in den September hinein geht’s durch halb Europa. Wie schaut man in dieser Anfangsphase auf diese anstehende Tour. Ist man eher gestresst?

Gerade geht es eigentlich, da wirklich viel Zeit dazwischen ist. Wir spielen gerade Festivals, da hat man eigentlich von Montag bis Donnerstag Zeit. Da kann man im Studio arbeiten oder auch ein bisschen Pause machen. Und Richtung September kommen ein paar Headlineshows. Wir spielen dann nochmal in Paris und Amsterdam. Spielen Oktober in Dortmund. Aber das alles befindet sich schon in kleinen Blasen, so dass man zwischendurch Zeit hat herunterzukommen.

Richtig stressig wird es eigentlich erst dann wenn du eine Tour machst die drei-vier Wochen geht. Das hatten wir März-April. Da ist man schon froh wenn es vorbei ist. Wenn man mal wieder ins Studio kann. Das kann sehr heftig werden. Aber jetzt gerade im Sommer ist es relativ entspannt.

Du sagtest schon Wir. Roosevelt ist viel eher eine Bandformation. Wie sieht es aus mit der Besetzung hinter Marius Lauber?

Ich musste Anfangs ein bisschen wechseln, da viele Leute die ich gut fand, bereits ihre eigene Band hatten. Ich hatte zu Beginn den Schlagzeuger und Bassisten aus der Band Boy. Ich kenne die auch schon lange. Der Joshua, mein alter Bandkollege aus Beat!Beat!Beat! war ebenfalls Bassist, hat aber nun sein eigenes Projekt am Laufen. Es war schwer die Leute bei Stange zu halten. Deswegen musste man anfangs etwas wechseln. Da wir das aber mittlerweile Fulltime als Hauptprojekt machen können, hab ich seit gut eineinhalb Jahren eine feste Band. Wir haben auch neuerdings Zuwachs erhalten durch unsere Keyboarderin. Sind jetzt also zu viert auf der Bühne.

Ihr tourt also auch als Quartett umher?

Ja. Ich will mittlerweile auch, dass wenn man den Namen Roosevelt liest, man die Band sieht.

Und doch schmückt dein Gesicht das Cover deines Debütalbums.

Klar, im Prinzip bin ich auch Roosevelt. Wir stehen als Band hinsichtlich der Liveauftritte.

Für deinen besonderen Clubsound hast du ganz bestimmte Vorbilder. Gerade wenn man sich Sound of Silver von LCD Soundsystem anhört, merkt man das ganz deutlich. Gibt es weitere Interpreten die dich, gerade hinsichtlich deines nächsten Albums, inspiriert haben?

Ja diverse. Aber es ist sehr schwer dies expliziert einzugrenzen, da diese Inspiration eher unbewusst passiert.

Gibt es dennoch ein Beispiel?

Wie gesagt. Es ist eher schwer genau zu beschreiben,welche Künstler mich inspiriert hat. Es ist vielmehr die Summe aus dem was man hört und was man machen möchte. Und manchmal kommt es auch vor, dass man etwas hört und von diesem Stil eher weggehen will. Was natürlich auch Inspiration ist. Was ich sagen kann, ich habe vor 2 Wochen wieder aufgelegt, da mein Lable Greko Roman zehn Jahre alt geworden ist. Da haben wir 4 DJ Days gemacht, wofür ich nach längerer Zeit wieder aufgelegt habe. Dafür habe ich mir aud den 70ern Disko Sachen herausgesucht. Das hat mich wieder inspiriert Drums sehr tot aufzunehmen. Also aus dem Drumset einen elektronischen Sound, einen toten Snaresound, herauszukriegen. Das sind auch Produktionssachen dabei die ich höre. Gerade sowas wie das neue Arcade Fire Album inspiriert mich dann doch.

Alles klar. Wir freuen uns auf Zukünftiges von dir. Wünschen dir für den Auftritt heute Abend viel Glück und danken für deine Zeit.

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