Es ist Zeit für neue Musik. Schon seit längerem brennt mir eine Kombo aus unserem benachbarten Ostland Polen auf Lippen und juckt unter den Fingern endlich etwas darüber aufzuschreiben. Polen: Ein Land, das musikalisch etwas dünn erscheint, es aber gewiss nicht ist. Mein kurzer Aufenthalt dort brachte mich in Verbindung mit der Band KAMP! Scheinbar eine Truppe, die für den polnischen Musikmarkt eine Neuentdeckung ist und gerade dort alles abräumt was geht, ausverkaufte Shows spielt und dabei auch in meine Gehörgänge sich bohrt und in meinem Kopf hängen bleibt.

In der Pop10 Studioshow stelle ich die zwei Bands persönlich vor.

Es ist wieder mal ein Trio, das mit Retro Sounds spielt. Ein 80er-Jahre Flair kommt auf, und auch wenn ich diesen Blog im Zug schreibe und draußen sich der Himmel hinter einer mächtig dicken Wolkendecke versteckt hat, lass ich mich von den sommerlich klingenden Beats und gute Laune “Vibes” begeistern die, ihre Single “Cairo” in mir weckt. Manch einer mag sagen, dass das alles schon Schnee von gestern ist, bedingt gebe ich dem recht. Jedoch ist Kamp! wohl das einzige, was in den letzten verregneten Tagen mir eine Art Sonnenschein gebracht hat. Für alle, die den Regen aussperren wollen ist Kamp! ein muss!

Der Gesang ist akzentuiert, mit viel Hall hintersetzt und bewusst im Hintergrund gehalten. Kamp! treiben ihre Arrangements und Breaks auf die spitze. Keine Pause oder C-Teil ist meiner Meinung nach zu lang. Es geht hier um Atmosphäre und das Ziel ist nicht verfehlt. Strandsoundtrack vom Feinsten auch wenn das Meer kilometerweit entfernt ist. Der Track Melt ist perfektes Beispiel dafür:

Bereits 2009 veröffentlichten sie über ihr selbst gegründetes Label “Brennnessel” ihre erste EP. Seit dem will der Hype um KAMP! in Polen nicht mehr ablassen, aber auch im Ausland hat man diese Jungs nicht außer acht gelassen. Sie spielten auf Festivals wie SWSW oder dem Exit Festival – leider bislang nicht innerhalb unserer Grenzen. Ein weiterer Track, der mir ins Auge oder besser ins Gehör gestochen ist, war das Featuring mit der polnischen Sängerin Monika Brodka. Das ganze als Remix und unter dem Namen “Brodka” veröffentlichte Werk ist eine Art polnische Antwort auf Meilensteine der uns schon bekannten Tanzflächenfüller a lá Yeah Yeah Yeahs. Frisch und doch irgendwie bekannt:

Gehen wir zu ruhigen Tönen. Die Zahl Drei bleibt. Der Ort verlagert sich irgendwohin zwischen Deutschland und Groß Britannien. KAFKA TAMURA – Eine musikalische Übereinkunft, die mich nach den ersten 20 Sekunden ihres bislang einzigen Videos nicht mehr weghören ließ und für Tage sich in meine Dauerschleife einfädelte. Die Stimme der Sängerin Emma durchdringt einen beim ersten Ton und lässt einen nicht einmal mit einem Gedanken vermuten, dass dahinter eine gerade mal 16-jährige Schülerin aus Southampton (GB) steckt.

Weitere Kurisitäten entstehen, wenn man bedenkt, dass die schaffenden Instrumentalisten der Band Gabriel und Patrick aus Deutschland stammen, genauer gesagt aus Lutherstadt Wittenberg, hier studieren und musikschaffend sind. Gefunden haben sich diese Drei über das Internet. Nach einigen Onlinesessions trafen sie sich auf der britischen Insel, wo erstmalig auch in Natura festgestellt worden ist, dass eine musikalische Zukunft vor Ihnen liegt. So war die zweite Visite begleitet von einem Kamerateam, bei der folgendes Video entstanden ist:

Man weiß nicht was noch hinter Kafka Tamura steckt, aber eins ist gewiss: etwas viel größeres, als nur ein einmaliges Videoprojekt. Zur Zeit ist die Band mit dem Songwriting und der Produktion ihrer Debut-EP beschäftigt. Vereinzelt spielen sie wenige exklusive Konzerte in den Heimatländern der Protagonisten auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Im Herbst lässt sich eine Tour vermuten. Es bleibt spannend und wir von pop10 bleiben dran!

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