Wo soll man anfangen diese musikalisch-visuelle Erscheinung zu beschreiben? Ich bin mir selbst nicht so ganz sicher. iamamiwhoami bildet für mich ein einzigartiges und in dieser Größenordnung noch nie da gewesenes Gesamtkonzept, das schlichtweg umhaut. Das Kollektiv bestehend mit und um Frontfrau Jonna Lee und dem Produzenten Claes Björkl und aus Schweden sorgt seit einiger Zeit für aufsehen und staunen in der Musikwelt aber auch über Grenzen dieser hinaus.

Angefangen hat alles mit mysteriösen Kurzclips, die 2009 über Youtube verbreitet wurden. Unklare Bilder, Nahaufnahmen, weibliche Stimme, elektronische Sounds. Am Ende jedes Videos erscheint eine Strichzeichnung eines Tiers (Ziege, Eule, Wal, Biene, Lama, Affe). Betitelt werden die Clips mit Zahlenkombinationen hinter denen sich die Numerierung von Buchstaben aus dem Alphabet verbirgt. Zusammengesetzt ergeben sie die Titel “educational”, “I am”, “it’s me”, “mandragora”, “officinarum” und “welcome home”.

Die Kollegen von Pop10NonStop haben uns einmal eine Playlist mit allem Videos hintereinander zusammengefasst

In der Pop10 Studioshow habe ich mit Maurice über die Musik der Schweden philosophiert:

Und dann war es wieder Still um die Kombo. Gerüchte werden laut, denn bis dahin waren weder die Macher noch das Herrkunftland des Projektes Bekannt. Die Musikszene rätselte wer hinter dem geheimnisvollem Projekt stecken könnte – die Vermutungen reichten von Björk bis Lady Gaga. Doch nichts voll alle dem sollte sich bestätigen.

2010 erscheinen neue Videos, zusammengefasst unter dem Albumtitel “Bounty”. Doch es ist kein gewöhnliches Album. Weiterhin entstehen aufwendige Videoclips, die von einander kaum getrennt werden können. Jeder Titel trägt einen Buchstaben “b” “o” “u-1″ “u-2″ “n” “t” “y”. Dazu zählen außerdem noch die Videos mit den Titeln “20101104″, “; john” und “clump”. Erzählt wird eine Geschichte, die vermutlich von jedem Zuschauer anders interpretiert werden könnte. Ich sehe darin eine gescheiterte Liebesbeziehung mit allen Qualen und der endgültigen Loslösung. Ein ungewöhnliches Konzept und dennoch kann man sich kaum losreißen von der audiovisuellen Darbietung.

Alle Songs des Albums “bounty” in einer Playlist findet ihr hier.

Das Kollektiv hört jedoch nicht auf zu überraschen. Im gleichen Jahr findet ein Konzert statt, das kaum ungewöhnlicher konzepiert werden konnte. Das Album “Bounty” wird live präsentiert, doch nicht vor Publikum, sondern im Internet. Am 16. November 2010 soll die Ausstrahlung über einen Stream stattgefunden haben und war nur für 6 Stunden online verfügbar, bevor diese gelöscht wurde. Zu sehen war die Geschichte von “Bounty” in Konzertfassung, die sich ebenfalls im Wald abspielt und hintereinander weg erzählt wurde. Am Ende des Konzerts sieht man die Tiere aus den ersten Videos an einem Tisch zusammensitzen. Doch zum Glück gibt es Youtuber, die dieses Ereignis festgehalten haben, damit auch wir 2 Jahre später noch daran teil haben können:

http://www.youtube.com/watch?v=HFLpDKEqk9Y

Vergangenes Jahr veröffentlichen iamamiwhoami ihr neuestes Werk “Kin”. Wie gewohnt in audio-visuell verpackter Form. Das Album beschäftigt sich ähnlich wie das erste mit dem Phänomen “Frau”, vielleicht auch einem Stereotyp. Jedoch ist die Darbietung insgesamt in hellerer Atmosphäre. Vielleicht müsste man die Erscheinungen anders chronologisch Ordnen und “Kin” vor “Bounty” spielen lassen. Der Übergang ins gewisse “dunkle”, mysteriöse und im Endeffekt “zerstörte” fällt mir zumindest leichter zu verstehen.

“Kin” in kompletter Reihenfolge kann man unter diesem Link sich anschauen.

Ich möchte an dieser Stelle keine Interpretationsvorgaben liefern aber auf jeden Fall jedem Leser dieses Blogs ans Herz legen sich für das Werk von iamamiwhoami als Gesamtwerk Zeit zu nehmen und vor allem die Musik von der Perfomance nicht zu trennen. Ich bin mir sicher, die emotional aufgeladene Atmosphäre dieses Phänomens wird kaum an einem vorbei gehen können. Ein Projekt, das zu überraschen weiß, ohne sich allzu sehr auf die Reflexionen von außerhalb einzulassen. Spannend zu beobachten mit Lust auf mehr und mehr . . . u n d  m e h r  . . .