Auf ihrer Tour zu ihrem neuen Album „Where ist Piemont?“ hat das Leipziger Musik-Duo Malky im Magdeburger Moritzhof Halt gemacht. Im Interview mit Sänger Daniel Stoyanov haben wir erfahren, dass sie sich für ihre Songs von atmosphärischen Bildern inspirieren lassen und ab welchem Zeitpunkt sie realisiert haben, dass sie eine Band sind. Außerdem haben wir über Melancholie und Musikvideos gequatscht.

 

Pop10: Heute sind wir im Moritzhof und freuen uns darauf, dass wir den Sänger und Gitarristen Daniel der Band Malky interviewen dürfen. Daniel, ist dir bewusst, dass ihr schon das zweite Mal in Magdeburg seid?

Daniel: Ich glaube sogar das dritte Mal.

Pop10: Das hätten wir gewusst!

Daniel: Also im Bus auf dem Weg nach Magdeburg hieß es die ganze Zeit, es wäre das dritte Mal. Hmm, zum zweiten Mal, aber ja, ist mir bewusst. Ich weiß noch, dass die Brötchen oben [im Moritzhof] geschmeckt haben und jetzt sind es genau die gleichen, es war wundervoll.

Pop10: Habt ihr denn schon etwas von Magdeburg sehen können? Habt ihr euch ein bisschen umgeguckt?

Daniel: Immer nur diese Ecke hier. Nein, leider nicht. Aber der Moritzhof ist sehr schön.

Malky im Interview bei Pop10:

Pop10: Magdeburg ist ja nicht weit weg von eurem Wohnort Leipzig. Da habt ihr euch 2011 gegründet. Wie kam das?

Daniel: Mein Kollege Michi ist hochgezogen, mit dem ich Malky gegründet habe. Und der hat gesagt, komm hoch, die Mieten sind billig, es ist eine Wahnsinnsstadt, da gibt es ganz viele riesige Parkanlagen, wir können den ganzen Tag spazieren. Er ist mit seiner Familie hoch. Ich hab damals in Süddeutschland gelebt, da wurde mir irgendwie langweilig. Leipzig hat sich mittlerweile ein bisschen verändert, aber zu dem Zeitpunkt war das alles noch einen Tick rougher, es war sehr ruhig, der perfekte Ort, um eine Debütplatte aufzunehmen.

Pop10: Wie habt ihr zusammengefunden?

Daniel: Michi hat studiert, ich habe versucht, auf dieselbe Schule wie er zu kommen, hat aber nicht geklappt und wir haben uns in Tonstudios und Proberäumen getroffen. Aber eher in einem anderen Kontext, beim Schreiben oder Proben für andere. Wir haben aber auch langsam angefangen, nebenbei eigene Musik zu machen.

Pop10: Wie kam es dann zu dem Punkt, an dem ihr gesagt habt, jetzt nehmen wir unser erstes Album „Diamonds“ auf? Wo habt ihr das gemacht und wie liefen die Vorbereitungen dafür ab?

Daniel: Das erste Mal haben wir am Telefon gestritten, weil ich ihn immer besuchen musste, von Stuttgart aus hoch nach Leipzig. Und irgendwann hab ich gesagt, du Michi, ich hab hier einen Gig bekommen, ich kann jetzt nicht kommen, und dann hat er mich angeschrien und dann hab ich zum ersten Mal gemerkt, dass ihm das total wichtig ist und vielleicht liegt der Fehler jetzt wirklich bei mir. Da hab ich den Gig abgesagt und ich glaube, ab da war uns wirklich bewusst, dass wir ein eigenes Projekt zusammen machen und eine eigene Band gründen.

Pop10: Seitdem habt ihr auch euer zweites Album „Soon“ aufgenommen. Eigentlich war das aber das erste Album, mit dem ihr auf den Markt gekommen seid. Und jetzt habt ihr auch das nächste Album herausgebracht, „Where ist Piemont?“.

Daniel: Genau „Where is Piemont?“ ist das zweite Album. Wir arbeiten auch schon am dritten Album.

Pop10: Wo kommt der Titel „Where is Piemont?“ her? Wonach ward ihr auf der Suche? Was beinhaltet das?

Daniel: Dieses Album ist während langer Wintermonate entstanden. Wir arbeiten oft mit Bildvorlagen, also wir kleben uns Bilder in ein Buch und die inspirieren uns, z.B. auch bei Songs, die wir schon begonnen haben, die aber noch nicht fertig sind. Nach diesem Muster arbeiten wir. Und viele dieser Bildvorlagen in diesem langen Winter waren irgendwelche italienischen, idyllischen Orte.

Pop10: Also ins Warme.

Daniel: Genau, ins Warme, wo einem schon das Herz aufgeht, wenn man sich die Bilder anguckt. Daher hat das Album eine gewisse Affinität zu Italien, und wir auch. Aber wir waren noch nie in Piemont und es gibt keine logische Erklärung, warum das Album „Where is Piemont?“ heißt. Man muss es eher wie eine Schnapsidee sehen, eher wie die Piemont-Kirsche bei Moncherie. Weil es ist ein schweres, eloquentes Album, man ist wirklich platt, wenn man es gehört hat und wenn man dann dem Ganzen noch einen schweren Titel geben würde, dann würde alles zusammenbrechen. Deswegen braucht es einen leichten Titel, so ein bisschen wie, jetzt will ich aufstehen und irgendwo hin, und wo ist Piemont?

Pop10: Hat sich von Album zu Album etwas verändert?

Daniel: Ja viel, die Lebensumstände, die Welt hat sich verändert, unsere Seelenzustände gingen auch durch turbulente Zeiten. Auch dass wir uns jetzt Orchesteraufnahmen leisten können und mit einer größeren Firma zusammenarbeiten.

Pop10: Im Prinzip seid ihr euch vom Stil her doch recht treu geblieben. Habt ihr jetzt andere Intentionen als damals beim ersten Album?

Daniel: Es ist irgendwie schwer, festzustellen wo man ist, auch in der Wahrnehmung. Das weiß man meistens erst mit einem gewissen Abstand, das kann man vielleicht in fünf, sechs Jahren besser beantworten.

Pop10: Aber irgendeine Intention müsst ihr doch mit dem Album verwirklichen wollen. Was soll beim Zuhörer ankommen?

Daniel: Es ist alles eine große Verwirklichung mit Malky, weil jeder Mensch strebt nach Glück und wer Musik schafft, weiß, dass er glücklich ist, wenn er sich bestimmte Sachen aus der Seele gearbeitet hat oder sich einem bestimmten Optimum genähert hat, das er sich gewünscht hat. Und auf diesem Pfad gibt es viele Stolpersteine, aber auch bequeme Sessel, in denen man sich ausruht und vielleicht für immer drauf bleibt. Und sich nicht hinzusetzen, sondern weiter zu marschieren, ist das, was einen vorantreibt. Das passiert bei Malky überall, wir sind keine Band, die nach dem Single-Prinzip erstmal Nummern raushaut, schaut, dass das funktioniert und dann bringt man das Album raus. Sondern wir machen ein kohärentes Werk, so wars mit „Where is Piemont?“ und jetzt mit dem nächsten.

Pop10: Letzte Woche habt ihr euer neustes Musikvideo „Theodore“ veröffentlicht. Ihr habt ja schon viele schöne Musikvideos aufgenommen. Wie verläuft die Arbeit daran? Wie verläuft die Ideenfindung, gerade bei „Theodore“ mit diesem Stierkampfthema, womit verbindet ihr das?

Daniel: Generell ist die Musik auf dem Album sehr cineastisch. Man hat schon während man an dem Lied arbeitet Videoideen und lässt sich davon inspirieren. Leider stößt man da oft mit der Realität zusammen. Man kann nicht zu jedem Song ein Video machen, also gibt es ein paar gesonderte Songs, für die man einen finanziellen Zuschuss bekommt. Wenn man dann irgendwann weiß, okay das ist der Song, dann schickt man den an bestimmte Regisseure mit einer bestimmten Vorlage, was man möchte. Das ist ein sehr unromantischer Prozess und man schreibt dann, wie es die Künstler sehen, und ob man sich das vorstellen könnte für so und so viel tausend Euro.

Pop10: Irgendwie müsst ihr euch dann aber auch damit identifizieren können, oder?

Daniel: Das stimmt, deswegen gibt man schon relativ klar seine Wünsche an. Trotzdem arbeitet man mit einem Regisseur zusammen, jedes Video wird anders und über die Zeit findet man hoffentlich seine Lieblingskonstellation, mit wem man dann zusammen mehrere Videos macht. Im Zuge des ersten Albums haben wir sehr viel mit Max Parovsky gearbeitet und werden auch in Zukunft wieder mit ihm arbeiten. Er hat auch das Cover fürs Album geschossen und hat ein gutes Gefühl für uns, er hat das „Diamonds“-Video gemacht.

Pop10: Bei euch hat man das Gefühl, das Musik machen ist eine starke Form von Ausdruck, ein Gefühle nach außen transportieren. So kommt es ja auch an, eure Musik wird als wunderschön-melancholisch beschrieben oder ihr habt es ja selber auch mal formuliert als „music for sensitive people“. Wie seid ihr auf diese Schiene und in dieses Genre gekommen? Und werdet ihr dabei bleiben, wird das immer Malky sein?

Daniel: „Music for sensitive people“ wird es immer bleiben; ob die Melancholie davon immer so ein großer Bestandteil sein wird, weiß ich nicht. Das Melancholische haben wir bei „Soon“ ausgelebt, jetzt bei „Where is Piemont?“ will ich das nicht mehr so sehr als melancholisches Album bezeichnen, sondern eher als ein aggressives Album. Und mit der nächsten Platte machen wir auf jeden Fall noch mal einen anderen Schritt. Es gibt jetzt schon ein paar Wünsche, in welche Richtung es geht.

Pop10: Und du sprichst da mit Michael immer drüber, ihr seid euch da einig, in welche Richtung es geht?

Daniel: Ja, natürlich. Wir verbringen gar nicht so viel Zeit zusammen, aber wenn wir uns treffen, schauen wir, dass wir an diesem Handwerklichen von Malky weiter arbeiten.

Wir danken Malky für das Interview!