I Love Stockholm - Susi in der schwedischen Metropole

I Love Stockholm - Susi in der schwedischen Metropole

Ich wollte immer nach Stockholm – genauso wie ich früher ein Barbiehaus oder eine kleine Schwester wollte. Jene Wünsche von damals wurden mir leider nie erfüllt.
Nur gut, dass ich heute alt genug bin um meine Wünsche selber zu verwirklichen…

Ich studiere Journalistik an der Fachhochschule in Magdeburg. Ob ich dieses Studium gut finde oder nicht, sei jetzt mal so dahin gestellt. Eine gute Sache hat es aber auf alle Fälle: man gibt uns die Möglichkeit ein Semester lang ins Ausland zu gehen.
Und wenn einem diese Möglichkeit geboten wird, sollte man sie auch ergreifen!
Ich jedenfalls habe zugegriffen und sitze jetzt in Stockholm.

Was ich hier mache? Gute Frage! So richtig weiß ich das auch noch nicht…

Was ich hier will? Darüber kann ich mehr Auskunft geben: ich will meinen Traum verwirklichen!
Der Traum den ich träume, seit ich das erste mal ein Lied von Mando Diao gehört habe.

“The Band” von Mando Diao hat meine Leidenschaft für Schweden erweckt!

Gut, heute bin ich nicht mehr deren größter Fan, aber damals hat ein ganz bestimmtes Lied von denen in mir eine Leidenschaft für Schweden erweckt, die ich sonst nur für Gummibärchen und Wasserrutschen hatte! Das war im Jahr 2002 und damals muss ich wohl so 15 Jahre alt gewesen sein.

http://www.youtube.com/watch?v=J5_DhKzQPEg&feature=related

Damals begann ich mich also für dieses riesige Land im Norden von Europa mit nur knapp 10 Millionen Einwohnern zu interessieren. Mein damaliges Interesse beschränkte sich zunächst nur auf die Musik. Neben den Hives, The Ark, The (International) Noise Conspiracy und The Hellacopters war ich absolut besessen von The Sounds.
Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich auf einem Konzert von ihnen war, aber es waren einige…

Im Winter 2005 habe ich dann an einem Schüleraustausch nach Schweden teilgenommen. Obwohl wir dabei in einem echt kleinen Kaff in der Nähe von Göteburg gelandet waren, war ich total ergriffen!
Die Leute, die Musik und die Sprache, alles war einfach nur cool!

da man ja als Teenager immer besonders cool sein will

Und da man ja als Teenager immer besonders cool sein will, dachte ich, dass ich den Gipfel der Coolness nur erklimmen kann, wenn ich Schwedisch lerne und eines Tages nach Schweden gehe. Also begann ich zusammen mit meiner damals besten Freundin einen Schwedisch-Kurs zu besuchen und weil wir nebenbei auch noch andere coole Sachen zu tun hatten, war der sprachliche Erfolg wohl eher mäßig.
Mein Schwedisch reichte damals von “Jag heter Susan.” (“Ich heiße Susan.”) bis zu “Vad kostar fisken?” (“Was kostet der Fisch”).
Ich dachte mir schon damals, dass man mit diesen 2 Sätzen sicher nicht sehr weit kommt.

Eine Sache habe ich bis hierhin verschwiegen, aber das was jetzt kommt, hätte man sich ja fast denken können. Natürlich habe ich bei dem Schüleraustausch auch jemanden kennengelernt, der meine Begeisterung für Land und Leute leicht mit beeinflusst hat.
Sein Name ist unwichtig, jedenfalls haben wir uns damals sehr gut verstanden (natürlich auf Englisch). Wir haben sehr oft telefoniert und ich habe ihn auch in Schweden besucht, aber so richtig Zukunft hatte das mit uns wohl nicht gehabt.
An der Stelle fällt mir mein damaliges Lieblingslied ein, dass ihr euch jetzt bitte auch mal anhören müsst!

http://www.youtube.com/watch?v=ztD-O1u0PeM

Im Jahr 2007 habe ich dann mein Abi gemacht. Was dann folgte?
Schweden natürlich! Ich war für ein Jahr als Aupair in Göteborg.

Poseidonbrunnen am Götaplatsen

Warum nicht schon damals Stockholm? Das hatte sich wohl nicht so ergeben.
Das Jahr, was nun folgte war wohl die beste und schlimmste Zeit meines Lebens.
Schlimm war es, weil ich Aupair war.
Für mich war das irgendwie nichts. Ich mag Kinder und mochte auch meine beiden schwedischen Jungs, aber irgendwie habe ich mich in meiner Rolle nie wohl gefühlt.

Aupair? Würde ich nie weiterempfehlen!

Schön war, dass ich endlich die Sprache lernen konnte, sehr viel guten Volleyball gespielt habe und noch mehr schwedische Musik kennen lernen dürfte. Damals wurde mein Horizont durch Broder Daniel , Håkan Hellström und Lykke Li bedeutend erweitert. Auch wenn ich in dem Jahr viele Höhen und auch Tiefen durchmachen musste, bin ich heute doch sehr froh, dass ich die Sache durchgezogen habe.
Und mal so nebenbei: Göteborg ist eine sehr schöne Stadt und wird oft unterschätzt!
Nur weil Stockholm grad so “In” ist, muss das nicht heißen, dass Göteborg weniger schön ist!

Wo wir grade mal wieder von Stockholm sprachen, möchte ich an der Stelle zu meiner aktuellen Situationen und meinem Traum von damals zurück kommen: Stockholm! Wie schon gesagt, mache ich zur Zeit mein Auslandssemester hier, genauer gesagt, mache ich ein Praktikum bei einem schwedischen Medienunternehmen mit dem Namen JG Communication.
Sicher wollt ihr wissen, was genau der Laden so treibt und vor allem, was ich da mache. Also zum ersten kann ich sagen, das JG Communication so ziemlich alles mit Medien macht, was man mit Medien machen kann: Websides, Zeitungsartikel, Werbefilme, Reportagen und und und. Und was ich da mache? Ich bin in der Bild und Ton Redaktion, wo wir alles machen, was man mit Bild und Ton so machen kann. Wenn euch meine Info zu schwammig war, könnt ihr euch gern mal die Internetseite von JG angucken (www.jgcommunication.se).

Ich bin heute genau 7 Tage hier und weiß schon jetzt, dass Träume in Wirklichkeit immer ganz anders aussehen, als man sie sich vorgestellt hatte.
Bevor ich hier her gekommen bin, hatte ich mir vorgestellt wie ich in einer megageilen WG wohne mit stylischen Mitbewohnern, die den ganzen Tag Indie und Elektro hören, dass ich von einer Party auf die nächste gehe und innerhalb von 5 Tagen 100 Freunde habe.
In Wirklichkeit ist es leider so gut wie unmöglich hier überhaupt ‘ne Wohnung zu finden und vor lauter Müdigkeit komme ich auch kaum zum Feiern und Freunde machen.
Ja und wenn man nicht auf der Straße sitzen will, muss man auf die stylischen Mitbewohner mit dem guten Musikgeschmack wohl erstmal verzichten.

Ich jedenfalls hänge seit mehr als 2 Monaten permanent an meinem PC in der Hoffnung, dass bei meiner Wohnungssuche nochmal ein Wunder geschieht! Weil alle nach Stockholm wollen, bekommt man einfach keine Wohnung (oder ein Zimmer) in der es sich halbwegs aushalten lässt und selbst als Schwede ist man ohne die richtigen Kontakte ein Niemand!
Ich träume mittlerweile sogar schon von Seiten wie Blocket.se, Studentlya.nu und Andrahandsguiden.com.
Ich verstehe nicht, warum es sich die Schweden mit ihren Wohnungen so schwer machen müssen! Es gibt ca. 1 Million Seiten, auf denen man suchen kann, nur leider erscheint auf den meisten nur einmal pro Jahr (etwas übertrieben natürlich) ein Eintrag.
In Deutschland geht man mal kurz zu WG-gesucht.de , schreibt 2 bis 3 nette Leute an und schon hat man die perfekte Bleibe. So habe ich übrigens auch meinen momentanen Wohnsitz gefunden, bei WG-gesucht! Wohne mit drei recht netten Schweden zusammen, die zwar alle deutsch können, aber leider kein Indie hören.
Gut, nett waren sie auch nur so lange, wie sie mir verschwiegen hatten, wie lange ich hier wohnen darf! Muss hier Anfang April wieder raus, weil dann ein Mädel kommt, dem das Zimmer schon vor mir versprochen wurde. Also Suche ich weiter!

Kennt jemand jemanden in Stockholm, der jemanden kennt, der eine Bleibe für mich hat?

Abgesehen von dem Stress mit der Wohnung, geht es mir aber ganz gut! Um den Teufel also wieder von der Wand zu radieren, sollte ich wohl nicht gleich von einem Albtraum reden, sondern mir einfach eingestehen, dass aller Anfang schwer ist. Und es war ja auch nicht alles schlecht, was ich in den letzten 7 Tagen erlebt habe. Im Gegenteil, ich habe viel tolle Sachen gesehen, die ich euch unbedingt weiterempfehlen muss!

Das Hostel z.B., in dem ich die ersten 2 Tage gewohnt hatte (als ich noch gar keine Bleibe hatte). Das hieß Citybackpackers und ist echt nur zu empfehlen. Günstig, sauber, recht zentral gelegen und es gibt Nudeln umsonst!!! http://www.citybackpackers.org/

Dann habe ich natürlich auch schon eine kleine Shopping-Tour und die sah in der Realität genau so aus wie in meinen Träumen (außer, dass ich leider kein unbegrenztes Budget hatte). Hier gibt es soviel Geschäfte, die für etwas mehr Individualität kämpfen und genau das ist meine Welt!

American Apparel Store in der Kungsgatan 44

American Apparel Store in der Kungsgatan 44

Vagabond Store in der Sergelgatan 11

Vagabond Store in der Sergelgatan 11

Monki Store in der Götgatan 19

Monki Store in der Götgatan 19

Weekday Store in der Götgatan

Weekday Store in der Götgatan

Auf der Suche nach Individualität darf man natürlich auch die Second-Hand-Läden nicht außer Acht lassen. Davon findet man auf Södermalm besonders viele. Ein Laden hat mich besonders begeistert. Er heißt Beyond Retro und ich finde wenn man diesen Laden nicht gesehen hat, dann hat man Stockholm nicht gesehen. http://www.beyondretro.com

Beyond Retro in der Åsögatan 144

Beyond Retro in der Åsögatan 144

Beyond Retro Inside

Beyond Retro Inside

Abgesehen von dem ganzen Shopping, von dem ich nur schwer genug bekommen kann, muss ich auch wirklich mal sagen, dass ich mit meinem Praktikum echt zufrieden bin.
Mein Chef ist der lustigste Schwede den es gibt und der Rest der Crew ist auch echt toll.
Ich habe meinen eigenen Schreibtisch und PC und auch meine Aufgaben machen mir viel Spaß. Manchmal frage ich mich, mit wie viel Glück ich an dieses Praktikum rangekommen bin.
Hätte ich damals nicht Mando Diao gehört, hätte ich mich wahrscheinlich nie für Schweden interessiert, hätte nie den Unbekannten Schweden getroffen und auch nie die Sprache gelernt.
Kurz gesagt, ich wär jetzt nicht hier!!!

Hätte nie gedacht, dass ich das in diesem fortgeschrittenen Alter mit meinem gut entwickelten Musikgeschmack nochmal sagen würde, aber Mando Diao, Thanks for everything!

Morgen ist wieder Montag und ich freue mich schon auf eine neue Woche in Stockholm! Um dafür fit zu sein, gibts jetzt ne Scheibe Knäckebrot mit gesalzener Butter und ein bisschen schwedische Musik!

Ach und wenn euch mein Leben hier interessiert, dann lasst es mich wissen, denn dann gibts bald mehr!

Tack så mycket! Susi