Svensk Coffeeeeeee

Das Herz schlägt Kaffee

Verdammte Axt, was war denn das für eine Woche? Fremde Frauen im Wohnzimmer, ein kostenloser Konzertbesuch von “Does It Offend You, Yeah?, nen zweiter Konzertbesuch ohne Konzert, geiles Wetter und geile Schweden!!!
Fünf Wochen Stockholm und es wird immer verrückter, aber auch immer besser…

Was ist denn bitte die Steigerung von “noch besser als am Besten”?
Gibt es nicht? Ich denke schon!
Die Antwort lautet: Frühling in Stockholm :-) Jetzt fragt ihr euch sicher, was daran so toll sein soll? Na ist doch klar!
Ich bin hier in Stockholm und da ist Frühling nicht gleich Frühling! Nein!
Frühling heißt hier Kampf und gekämpft wird mit allem, was der Kleiderschrank zu bieten hat. Was hier abgeht, das hat die Welt noch nicht gesehen!

Was hier abgeht, das hat die Welt noch nicht gesehen!

Kaum scheint die Sonne, schon kommen die kleinen schwedischen Ameisen aus ihren Löchern gekrochen und schmücken die Straßen mit ihrem verrückten Aussehen.
Überall sind plötzlich oberstylische Menschen zu sehen: im Park, auf den Bänken, auf den Wiesen, vor den Cafés, vor Lidl und und und!
Wer hat die stylischste Sonnenbrille, wer die geilste Jacke, wer ist mit dem coolsten Fahrrad unterwegs und wer hat überhaupt das beste Outfit.
Es ist einfach nur spannend und man hat echt Spaß daran, einfach nur die Leute zu beobachten. Man fühlt sich hier fast wie auf der New Yorker Fashion Week, nur noch besser!

Stockholm im Frühling ist besser als die New York Fashion Week!

Ich finde wirklich, dass die ersten schönen Tage in Stockholm etwas ganz besonderes sind und ich bin froh, dass ich dabei war (und auch noch bin).

Dieses Wochenende war ja Ostern und ich wäre schon echt gerne zu Hause bei Mamman und Omman und Oppan gewesen, aber es geht ja nur entweder oder.
Dieses Jahr habe ich mich also für das Oder entschieden und das war das Beste, was ich hätte machen können.
Mein Osterwochenende fing dann erstmal damit an, dass ich zur Arbeit musste (am Donnerstag).
Dort wurde ich ausnahmsweise mal wieder ordentlich gefordert und das hat mich dann überfordert. Somit war ich dann nach schlappen 5 statt 8h Arbeit komplett am Ende mit den Nerven und brauchte erstmal ne Runde Sport.
Danach war ich dann nicht nur nervlich, sondern auch körperlich total hinüber.
Da ich an diesem Abend aber nichts mehr vor hatte, machte mir das nicht sonderlich viel aus.
Der Plan war, spätestens um 19Uhr ins Bett zu gehen. Wie das dann aber immer so ist mit Plänen, werden diese schneller durchbrochen als man sie umsetzen kann.
Somit saß ich dann kurz nach 19 Uhr nicht im Bett, sondern mit ner Flasche Wein in der Hand zu Hause bei ner Freundin.
Dort celebrierten wir das klassische “Vorglühen”.

Vorglühen in Schweden ist auch schon wieder so ne Sache!

Vorglühen in Schweden ist auch schon wieder so ne Sache! Da die Clubs ja hier meist gegen 3:00 Uhr schließen und man somit versucht, so zeitig wir möglich da zu sein, sollte man mit dem Vorglühen eigentlich schon gegen 14 Uhr anfangen, wenn man richtig was erreichen will.
Da es aber schon nach 19 Uhr war, war unser Vorglühen eher provisorisch.
Gegen 21:30 machten wir uns dann auf den Weg in einen Club namens Debaser Medis.

Der Club ist recht bekannt, weil da oft Konzerte und andere lustige Parties stattfinden. Ich würde den Laden jetzt nicht als Geheimtipp weiterempfehlen, aber wenn man Konzerte mag, dann sollte man sich den Namen doch mal merken.
Besonders cool ist vor allem, dass man hin und wieder keinen Eintritt zahlen muss, wenn man vor 22 Uhr kommt.

Im Debaser Medis ist der Eintritt vor 22 Uhr oft frei!

Und so war es auch an diesem Donnerstag, an dem Does It Offend You, Yeah? im Debaser spielen sollten. Die Band gehört jetzt nicht zu meinen absoluten Lieblingsbands, aber ich hatte schonmal von ihr gehört und für umsonst konnte ich mir die einfach nicht entgehen lassen.

http://www.youtube.com/watch?v=g173CIjqpPA

Audio: Does It Offend You Yeah! – Dawn Of The Dead

Does It Offend You, Yeah? ist eine britische elektro-rock Band, die im Jahr 2007 mal einen Preis für den “Worst Band Name” gewonnen hat. Aber ob der Name nun schlecht ist oder nicht, live ist die Band jedenfalls echt gut! Ich war letztendlich doch ganz froh, dass der Abend nicht so verlaufen ist, wie ich es ursprünglich geplant hatte.

Sänger James Rushent

Does It Offend You, Yeah? zum ersten Mal live in Stockholm!

Nach dem Konzert haben wir uns dann ein kostenloses Leitungswasser gegönnt und sind dann weiter in eine Bar Namens Maria Laveau. An diesem Abend war es nur eine Bar, aber im Keller gibt es noch einen gleichnamigen Club, den ich unbedingt noch ausprobieren muss (diesen Donnerstag war der Club leider geschlossen)!
Das Maria Laveau liegt am Mariatorget auf Södermalm und ist, finde ich, echt zu empfehlen.
Selbst wenn der Club nicht auf hat, wird oben in der Bar doch echt coole Musik gespielt und es sind auch jede Menge hübsche Leute unterwegs.
Was so die Getränkepreise angeht, unterscheidet sich der Laden leider nicht von den anderen (heißt soviel wie normal teuer). Also wenn ihr mal in Stockholm seid und nicht wisst, wohin mit euch, dann könnt ihr es ruhig mal mit dem Maria Laveau in der Hornsgatan 66 probieren.

Freitag hat ja dann Ostern so richtig angefangen.
In Deutschland heißt Ostern spazieren gehen, kochen, essen, essen, kochen und ähm essen? Die Geschäfte haben für gewöhnlich geschlossen und deshalb bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu langweilen, sich zu betrinken oder (wie schon gesagt) zu essen.
In Schweden jedoch kennt man das Wort Feiertag nicht so richtig, denn hier wird ja eh jeden Tag gefeiert. Die Geschäfte sind alles andere als geschlossen und die Straßen sind überfüllt mit Menschen.

Drottningsgatan in Stockholm zu Ostern

Und weil ich ja nichts anderes zu tun hatte, musste ich mir diese Masse dann natürlich auch antun. Naja, um ehrlich zu sein, es war schon irgendwie cool, denn in mitten der ganzen shoppingwütigen Menschen, gab es aber auch echt spannende Sachen zu sehen. Zwei Jungs im Alter von ca. 16 Jahren haben z.B. den Passanten eine besondere Art von Straßenmusik geboten. Die Beiden haben wie verrückt auf unterschiedlichen Butten rumgetrommelt und das Ganze klang dann einfach genial!

Außerdem hat man endlich mal so richtig mitbekommen, dass Stockholm ne absolute Touristenattraktion ist und dass die Deutschen als Obertouri-Nation natürlich nicht fehlen dürften.
An jeder Ecke hat man sie gehört und vor allem gesehen. Ich mag Deutsche ja sehr, aber warum müssen sie denn immer so typisch aussehen? Man kann die echt auf 5 km Entfernung blind durch ne Sonnenbrille mit schwarzem Panzerglas von den Schweden unterscheiden. Schlimm sowas :-)

Warum sehen Deutsche denn immer so deutsch aus?

Wie dem auch sei, ich habe an diesem Wochenende echt viele Touristen gesehen und fand es schon irgendwie witzig, dass ich mich innerlich so über die aufgeregt habe, obwohl ich ja selber auch sowas wie nen Tourist bin.

Touristenbusse in Hülle und Fülle

Ach ja, zum Thema Touristen fällt mir noch was ganz Tolles ein! Da zwei meiner drei Mitbewohner über Ostern weg fahren wollten, hatte ich mich schon auf ein einsames, aber vielleicht doch ganz chilliges Wochenende hier in der Wohnung eingestellt.
Als ich dann am Donnerstag zwischen 14 und 15 Uhr mal kurz zu Hause war, stand plötzlich einer meiner Mitbewohner zusammen mit ner fremden Frau, mit einem übelsten Koffer im Flur. “Nanu?” , dachte ich,” Ne neue Freundin?”.
Nein! Diese Frau (ich glaube sie war so Ende 20) war ein Teil unseres Besuches, von dem mir dummerweise keiner etwas erzählt hatte.
Die beiden Mitbewohner, die freundlicherweise über Ostern nicht da waren, hatten drei Frauen aus Deutschland versprochen, dass sie übers Wochenende bei uns wohnen konnten.
Tolle Wurst! Und ich stand jetzt mit den Dreien da! An sich, waren die ja nett, aber mein chilliges Wochenende auf dem Sofa im Wohnzimmer, konnte ich mir dann mal direkt abschminken. Abgesehen davon, dass die drei das Wohnzimmer besiedelten, schafften sie es auch gleich am ersten Tag, eine der beiden Klospühlungen lahm zu legen.
Also mussten wir das ganze Wochenende lang zu fünft mit nur einem Klo auskommen. Das war hart, denn ich habe doch so eine schwache Blase! Naja und laut waren se auch noch, mit ausschlafen war also auch nicht viel. Aber so ist das nun mal in WGs.
Da passieren halt gern mal unerwartete Sachen.

Zurück zu Freitag. Am Freitagabend hatte ich mich wieder bei einer Freundin eingefunden und Wein und Bier waren natürlich auch dabei.
Nachdem wir uns ordentlich Nudeln und Wein hintergehauen hatten, kam Claudi plötzlich auf die Idee, dass ich ihr doch die Haare schneiden könnte.
Sie fragte mich, ob ich dazu Lust hätte und ob ich mir das zu trauen würde.
Sowohl Frage A, wie auch B waren überflüssig, denn natürlich hatte ich Lust ihr die Haare zu schneiden und nach 2 Gläsern Wein traute ich mir das auch zu! Ich bin ja in Insiderkreisen bekannt für meine künstlerischen Talente ;-) Selbstverständlich hatten wir auch die beste Ausrüstung vor Ort: eine Küchenschere von 1920.
Damit schnitt sich der Bob, den sie haben wollte doch wie von selbst! Ganz ehrlich, ich musste grad ein wenig über mich selbst schmunzeln, aber Übermut tut ja immer gut!

Wenn ich etwas kann, dann ist es Haareschneiden!

Nein, am Ende ist es echt gut geworden, also wenn man die Umstände bedenkt. Wer also plant, sich in naher Zukunft ne neue Frisur verpassen zu lassen, sollte sich bitte bei mir melden! Ich sehe da nämlich noch potenzial und am Anfang schneide ich auch zum Freundschaftspreis!

Als Claudi dann ihre neue, wundervolle Frisur hatte, sind wir mal wieder zum Strand, weil irgendwie nichts Besseres los war. Dort haben an diesem Abend aber Hästpojken gespielt, eine schwedische Band, die ich eigentlich sehr mag und bei der Gelegenheit unbedingt live sehen wollte.

http://www.youtube.com/watch?v=zty-iUx5cMM

Joar und damit kommen wir zum nächsten Plan, der aus irgendwelchen Gründen nicht in die Tat umgesetzt wurde. Wir waren im Strand und Hästpojken haben auch gespielt, nur leider habe ich davon nicht so viel mitbekommen.
Nachdem wir dort angekommen waren, wollte Claudi erstmal ne Runde Tischtennis spielen (im Strand steht ne Tischtennisplatte – echt witzig!). Da sich mein Talent mehr aufs Haareschneiden begrenzt, hab ich mich mit dem Tischtennisspielen erstmal zurück gehalten.
Wie ich dann da so hilflos am Rand rumstand, wurde ich auch gleich von so einem netten halbschwedischen Engländer angelabert, der mich unbedingt auf nen Drink einladen wollte. Und da ja Getränke in Clubs so teuer sein, lass ich mich doch gerne einladen. Freundlich wie der Typ war, hat er mich dann an der Bar auch gefragt, was ich trinken wollte und bescheiden, wie ich war, wollte ich nur nen Bier.
Der nette Halbschwede hatte aber anscheinend vor, mich umzubringen und bestellte deshalb zwei Gin pur!!! Geil ey, Hauptsache teuer wa?

Ich wollte nur nen Bier und der Typ wollte mich umbringen!

Das war echt das widerlichste Getränk, auf das ich jeh eingeladen wurde, aber immerhin schwammen zwei Oliven drin rum… Da man mir in meiner Jugend eine gute Etikette beigebracht hatte, zwang ich mich dazu, den Scheiß auszutrinken.
Hin und wieder bin ich “aus Versehen” mal unglücklich geschwankt und dadurch bin ich den einen oder anderen Schluck losgeworden. Wie auch immer, Gin kommt mir nicht mehr ins Glas!
Während ich damit beschäftigt war, unauffällig das Glas auszukippen, redete dieser Typ auf mich ein. Er wollte mir weismachen, dass er der Bassist von der Vorband war, aber irgendwie konnte ich ihm das nicht so ganz glauben.
Nach einer Weile hat er mich dann auch echt genervt, weil er mir beim Reden ständig ins Gesicht gespuckt hat. Hübsch war er übrigens auch nicht!
Deshalb warf ich alles, was ich über die gute Etikette gelernt hatte, über Board und verschwand bei der erstbesten Gelegenheit. Der Rest des Abends verlief dann recht entspannt, obwohl mir das Todesgetränk echt schnell zu Kopf gestiegen war.

Am Samstagmorgen wurde ich mal wieder von der Anwesenheit unserer deutschen Gäste geweckt und bin dann total übermüdet aus dem Bett gestiegen. Meine Laune war zu dem Zeitpunkt auch nicht so Bombe, weil ich doch gerne noch nen bisschen meine Ruhe gehabt hätte.
Doch dieser Samstag war definitiv kein Tag für schlechte Laune! Das Wetter war so geil und schrie förmlich nach mir! Also habe ich mich in Schale geworfen und mich auf einen langen Osterspaziergang begeben. Das war einfach nur schön! Also wie schon zu Anfang gesagt, Stockholm im Frühling ist der blanke Wahnsinn! Es macht einfach nur Spaß, die Leute zu beobachten und im Endeffekt fand ich es auch gar nicht so schlimm, dass ich alleine unterwegs war.

Es macht einfach Spaß, die Leute zu beobachten!

Der beste Ort, um Leute zu beobachten ist übrigens Södermalm. Södermalm ist nämlich einer der angesagtesten Stadtteile und dort trifft man immer auf verrückte Menschen (im positiven Sinne). Am Sonntag saß ich dort 2h lang zusammen mit einer Freundin vor einem Café und wir haben einfach nur geguckt. Währenddessen hing mir die ganze Zeit ein Lied von den Black Kids im Ohr, dass ich auch jetzt gleich mal wieder hören muss!

Black Kids – I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You

So! Das war so in etwa Woche Nr. 5 in Stockholm und mein Ostern 2010.
Anfangs war ich echt traurig, dass ich nicht Heim fahren konnte, aber im Nachhinein, war es hier doch gar nicht so übel.
Im Gegenteil! Ich habe das Gefühl, es wird von Woche zu Woche besser und das liegt nicht nur am Wetter! Ich hoffe, dass ihr in Deutschland auch nen paar schöne Feiertage erlebt habt, auch wenn ihr nicht in Stockholm wart! Heute ist Ostermontag, das Wetter ist kacke (es hat geschneit), aber davon lass ich mir nicht die Laune verderben, denn so jung komme ich nicht mehr hier her!