Im Hafen - ein Schiff

Im Hafen - ein Schiff

Honestly, ich bin ein Freund von Kitsch. Wirklich! Letzte Woche habe ich mir sogar einen pinken Rock bei Topshop gekauft. Aber dieses ganze Getose und Geblase und Getute um die königliche Hochzeit ist mir hier in letzter Zeit schon ordentlich auf den Po gegangen. “LOVE STOCKHOLM” war hier seit mehr als 2 Wochen angesagt. Als ob es nicht genug andere wichtige Dinge gäbe, wie Fußball oder Gossip Girl, um die man sich Tag täglich Gedanken machen muss… Aber jetzt ist es endlich vorbei, denn am Samstag hat Viktoria endlich ihren Daniel geheiratet. Wat sonst noch so ging, hier bei mir, in good old Stockholm? I´d like to tell you

Boar ey, wo fang ik denn an? Gut, weil ich den Spaß ja nun in der Einleitung schon angesprochen habe, will ich euch mal nicht weiter auf die Folter spannen. Viele von euch haben es sicher mitbekommen, dass hier am Wochenende die fetteste Hochzeitsparty des Jahres geschmissen wurde. Ich weiß nicht, wie eindringlich und ausführlich in Deutschland davon berichtet wurde, oder im Voraus davon erzählt wurde, aber hier wurde man seit Monaten auf das vergangene Wochenende vorbereitet. In fast jeder Zeitung, im Internet, im Tv, in der U-Bahn, im Kaufhaus, einfach überall wurde man mit den Gesichtern des Brautpaares konfrontiert. Ich fand die Sache nach ner Weile nicht mehr so geil, vor allem weil es ne Woche vor der Hochzeit hieß, dass viel weniger Besucher zur Hochzeit erscheinen, als erwartet. Erst wurde man also tierisch gestresst und dann musste man auch noch irgendwie Mitleid haben.

Erst wurde man mit der Hochzeit tierisch gestresst und dann musste man auch noch Mitleid haben!

Ich weiß nicht genau welche innere Kraft und welche Emotionen mich am Wochenende geritten haben, aber aus irgendeinem Grund stand ich tatsächlich am Samstag dem 19. Juni 2010 als einer von 250000 in Sichtweite zum Palast und habe mir die Trauung angeschaut. Man war das ergreifend und mir sind echt fast die Tränen gekommen. Teils, weil ich vor lauter Menschen kaum noch atmen konnte und teils auch, weil ich tatsächlich begeistert war. Also ich glaube, wenn man nicht live vor Ort war, kann man meine Gefühle nicht verstehen und auch nicht teilen, aber wenn eine ganze Stadt im Hochzeitsfieber ist, dann ist man das automatisch auch. Was ich damit eigentlich nur sagen will ist, dass die Stimmung absolut wahnsinnig war und die Leute vor Ort natürlich auch!

Hochzeit in Stockholm

Unser ursprünglicher Plan war natürlich gewesen, dass wir ganz gechillt in die Stadt schländern, dann mal kurz winken, wenn die Kutsche vorbei fährt und dann wieder gehen. Dummerweise hatten diesen Gedanken auch noch sehr sehr sehr sehr sehr sehr  viele andere Menschen gehabt und mit gechillt schländern und winken war da nicht viel. Stattdessen haben wir in der U-Bahn-Station festgesteckt, als die frisch Vermählten an uns vorbei fuhren und somit mussten wir uns dann mit der königlichen Garde und  hunderts Million Trillion Billiarden Polizisten zufrieden geben. Die habe ich dann aus lauter Frust auch gleich mal fotografiert, aber so spannend wie die Viktoria in Weiß oder der Daniel im Frack waren die bei Weitem nicht. Naja, was soll´s. Fotografiere ich halt mich, bei meiner Hochzeit ;-)

Die königliche Garde

Polizei bewacht die Straßen von Stockholm

Bevor ich jedoch heirate, lassen sich die Schweden bestimmt noch scheiden. Das heißt also, ich muss mir bis dahin noch ne andere Beschäftigung suchen. Gut, dass es Fußball gibt. Ich bin ja eigentlich nicht so der Freund von diesem Sport. Das liegt zum Einen daran, dass außer dem Torwart keiner die Hände benutzen darf (aus mir spricht ne langpassionierte Volleyballerin) und zum Anderen, weil alle von Jahr zu Jahr hoffen, dass Deutschland endlich mal Weltmeister im Fußball wird, dabei ist es das doch schon lange (Hat schonmal jemand an die Frauen gedacht? Nach 2003 sind die 2007 zum 2. Mal Weltmeister geworden!). Trotz meiner grundsätzlichen Abneigung zieh ich mir die Weltmeisterschaft tagtäglich rein.

Die deutschen Frauen sind 2007 zum 2. Mal in Folge Fußballweltmeister geworden. Was wollt ihr denn mehr?

Was soll man denn auch sonst auf Arbeit machen? Nein, mal im Ernst, es ist ganz nett. Vor allem, wenn die Schweiz gegen Spanien gewinnt oder wenn ich im Büro neben einem Serben sitzen muss, der mich hemmungslos auslacht, weil Deutschland von Serbien plattgemacht wird. 2014 ersetze ich den Ballack, dass könnt ihr wissen! Was mache ich denn eigentlich, wenn Deutschland vor dem Achtelfinale schon rausfliegt? Dann muss ich mir ja wieder was neues einfallen lassen!

Schwimmen zum Beispiel! Das ist ne gute Ablenkung und vor allem ne gute Alternative zum Joggen. Beim Joggen werde ich hin und wieder schief angeguckt. Woran das wohl liegt? Da ich immer schwitze wie ne Wurst und mein Kopp permanent die Farbe einer Tomate hat, wenn ich aktiv auf Turnschuhen unterwegs bin, könnte man annehmen, dass es daran liegt. Schwimmen dagegen ist spitze, denn da merkt ja keiner, wenn ich schwitze! Und wenn der Kopp rot wird, wird er untergetaucht! In C. habe ich da auch eine treue Partnerin gefunden, mit der ich seit gut 2 Wochen die unterschiedlichsten Schwimm- und Freibäder in Stockholm ausprobiere. Ganz günstig ist der Spaß nicht, vor allem, wenn man sich erstmal ne Ausrüstung dafür anschaffen muss. Das Blöde beim Bikinikauf ist, dass man den Bikini ja eigentlich erst haben will, nachdem man intensiv geschwommen ist, denn die Figur gibts ja leider nicht gratis dazu.

Grundsätzlich kaufe ich nur Bikinis, bei denen ich die Figur gleich dazu bekomme!

Bikini hin oder her, im Schnitt bezahlt man um die 50 Kronen für einen Tag im Becken (wenn man denn Student ist). Nachdem wir zunächst die Schwimmhalle am Medborgersplatsen auf Södermalm ausprobiert haben und uns dann im Kronobergsbadet auf Kungsholmen mit so einem fetten Bademeister angelegt haben, haben wir mit dem Eriksdalsbadet auf Södermalm unser Lieblings(frei)bad gefunden. Die Verkäufer sind dort sehr nett, die Wiesen grün und das Wasser ist blau!

Eriksdalsbergbadet

Nun gut, man kann ja nicht von früh bis spät schwimmen, das weiß selbst ich. Aus diesem Grund hatte ich mir vor einiger Zeit mal ein paar Bücher angeschafft. Bücher und ich, das ist nen Kapitel für sich. Früher, als ich noch klein war, habe ich nicht verstehen wollen, warum Menschen überhaupt lesen. Ich meine es gab Dinge, die soviel unterhaltsamer sind: Barbies, Gameboys und Stifte! Ich habe mich also mit dem Lesen schon immer schwer getan. Nur gut, dass dann irgendwann Harry Potter kam! Der hat mich mitgerissen der Junge und ich habe alle seine Bücher in sämtlichen Sprachen, die ich beherrsche, gelesen. Nach Harry Potter ist es mir dann wieder etwas schwerer gefallen mit dem Lesen. Ich konnte mich einfach nicht zum Weiterlesen motivieren, wenn ich nicht spätestens auf Seite 5 aufhörte mich zu langweilen (Selbstverständlich habe ich in meinem Leben schon das eine oder andere Buch fernab von J. K. Rowling gelesen). Aus meiner früheren Lesefrust ist hier in Schweden tatsächlich eine Leselust geworden! Ich weiß nicht, ob es an der Sprache liegt, die mich zusätzlich motiviert oder ob es tatsächlich die schwedischen Autoren sind, die meinen Geschmack besser treffen.

Die schwedischen Autoren scheinen meinen Geschmack besser zu treffen!

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist mein guter alter Freund Stieg Larsson! Vor allem dank der Verfilmung des ersten Buches seiner Millenium-Trilogie ist er international bekannt geworden und wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn kennen lernen. Die Investition lohnt sich (um an dieser Stelle auch mal nen Literaturtipp einfließen zu lassen). Ich bin seit Wochen gefangen von seinen Büchern und soweit ich gehört habe, sollen auch die Filme, zu den Büchern Verblendung und Verdammnis, gar nicht so übel sein. Das Dritte Buch,Vergebung, wurde auch verfilmt und läuft nun im Kino.

Hier mal der Trailer des ersten Filmes:

http://www.youtube.com/watch?v=Sy8miT6qSv4

Leider ist der gute Karl Stieg-Erland Larrson bereits 2004, also noch vor der Veröffentlichung seiner Bücher (ab 2005), gestorben und hat von dem Erfolg nichts mehr mitbekommen. Ich hoffe, ich nerve hier niemanden mit meinem Literaturgelaber, aber nen bisschen Bildung muss sein!

Zum Thema Bildung fällt mir glatt noch was ein :-) Als mich vor 2 Wochen eine Freundin aus Frankfurt (Oder) besucht hatte, haben wir was ganz verrücktes gemacht: wir sind ins Museum gegangen. Es war nicht irgendein Museum, sonder das Moderna Museet Stockholm (Modernes Museum). Dort gibt es neben einer permanenten auch ständig wechselnde Ausstellungen und auch wenn man schon mal dort gewesen ist, kann man beim nächsten Besuch wieder was Neues erleben. Zur Zeit ist dort unter anderem eine interessante Ausstellung von einem Herrn Ed Ruscha, der laut Museumsbeschreibung ein “höchst wirksamer Klassiker” unter den lebenden Künstlern ist. Er ist ein Pionier der Postmoderne, soviel habe ich noch verstanden. Ich habe keine Ahnung von Kunst, aber seine Bilder haben mir gefallen. Grundsätzlich kann ich das Moderne Museum auch sehr empfehlen, wer also mal Lust hat, schaut vorbei ;-) http://www.modernamuseet.se/en/Stockholm/

Junge junge, für was ich mich in letzter Zeit alles begeistern kann! Ich mag jetzt übrigens auch Bier, hin und wieder… Am glücklichsten bin ich übrigens über die wiedergekehrte Begeisterung für mein Praktikum. Nachdem ich im Mai oft echt wenig zu tun hatte, hauen se mich da jetzt fast um. Ich habe tatsächlich verantwortungsvolle Aufgaben bekommen (schnippel ein kleines Filmchen nach dem anderen zurecht und schicke die dann hübsch zu Ericsson). Da ich dem Arbeitsdruck mit der ganzen neuen Verantwortung und so aber sicher nicht lange stand halten kann, brauche ich im Juli erstmal nen bissle Urlaub :-) Und was macht ne kleine runde Susi in ihrem Urlaub? Na natürlich zum Melt! fahren. Und was macht sie auf dem Melt!? Bloggen, bloggen bis zum Umfallen (hiermit ist es offiziell). Ich fahre also mit meinen Freunden von Pop10 vom 16. bis zum 18. Juli nach Gräfenhainichen und werde dort alles was mir so auffällt für euch bloggerisch festhalten.

Susi fährt zum Melt!

Na wenn das nicht was Feines ist?!? Susi in the Backstagebereich! Da muss ich mich doch direkt mit John von Johnossi anfreunden oder mit Adam Olenius von den Shout out Louds! Falls aus alle dem nichts wird, gibt es ja immer noch genug betrunkene Menschen, die sich sicher mit mir unterhalten wollen :-) Neben den Shout Out Louds und Johnossi sind z.b. auch The XX auf dem Melt! Die möchte ich allen, die sie noch nicht kennen, auch noch ans Herz legen (und damit habe ich an dieser Stelle auch noch meinen Musiktipp eingebaut). Die Band ist zwar nicht aus Schweden (sondern aus England), hat also nicht direkt was mit Stockholm zu tun, aber man muss seinen Horizont ja auch ständig erweitern!

So, jetzt bin ich aber auch müde! Morgen ist wieder nen langer Tach und ich muss jetzt erstmal nochmal zum Waschhäuchen hotten und meine Sachen holen. Mir bleibt aber auch nichts erspart. Am Wochenende kommen mich meine Eltern besuchen, das wird ein Spaß! Hoffentlich bleibt das Wetter so schön, wenn nicht gibts Bier :-)