Wenn kaufen, dann hier!

Wenn kaufen, dann hier!

Wo glaubt ihr, ist es einfacher zu überleben? Auf einer einsamen Insel, wo man sein Mittagessen mit nem Stock erschlagen muss oder in Stockholm, wo die Bier- und Wurstwaren teurer sind als eine Fahrt mit der Deutschen Bahn? Wer jetzt denkt, dass Stockholm die richtige Antwort ist, muss sich von mir vom Gegenteil überzeugen lassen.

Ich habe in meinem Leben ja schon so einiges erlebt, denn ich komme aus Frankfurt (Oder) und habe schon mehr als ein Jahr in Magdeburg gewohnt, aber das, was mir diese Woche in Stockholm geboten wurde, war mal wieder ganz was Neues.
Gestern zum Beispiel!
Ich wollte Bier kaufen.
Ist jetzt eigentlich nichts besonderes (wobei, ich trinke selten Bier), aber in Schweden schon.
Ihr müsst zunächst einmal wissen, dass man Getränke mit mehr als 3,5% Alkohol nur in einem ganz bestimmten Geschäft kaufen kann, welches sich Systembolaget nennt. Dort gibt es alle alkoholischen Getränke, die das Herz begehrt, aber wie gesagt nur dort!!!
Durch die Monopolisierung vom Alkoholverkauf erhofft sich die schwedische Regierung einen geminderten Alkoholkonsum.
Nachdem, was ich aber am Wochenende so auf den Straßen gesehen habe, ist der Masterplan der Regierung nicht sonderlich gut aufgegangen. Jedenfalls kommt man dank dieses Systembolagets mit spontanen Partyplänen hier oft nicht weit.
Das liegt oft auch an den Öffnungszeiten.
Unter der Woche hat das Systembolaget (es gibt übrigens sehr viele davon in Stockholm) bis 19 Uhr geöffnet und am Samstag nur bis 15!!!Uhr.
Man muss also gut voraus planen, wenn man mal was trinken will.

Mit spontanen Partyplänen kommt man in Schweden nicht weit!

Ich, so spontan wie ich doch bin, hatte am Samstag, natürlich um kurz vor 15Uhr, den Verdacht auf einen erst-am-Abend-auftretenden -Wunsch nach Bierkonsum. Also hab ich mich in meine Stiefel geschmissen und bin wie von der Tarantel gestochen zum Systembolaget gerannt. Als ich dort angekommen war, wusste ich erstmal gar nicht wie mir geschieht.
Zunächst standen da ca. 100 Leute rum und es sah im Inneren des “Alkoholladens” auch nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Normaler Weise ist nen Systembolaget aufgebaut wie ne Kaufhalle.
Man kann da durch die Reihen schlendern und alles in den Korb werfen, was man hübsch findet.
In diesem Bolaget, in dem ich da plötzlich stand, sah es aber ganz anders aus.
Meine Mitbewohner hatten mich mal vorgewarnt, dass der Sytembolaget bei uns um die Ecke etwas kleiner ist, aber so klein?
Der Alkohol stand da hinter einer verschlossenen Glaswand und mit schlendern und Korb war da nichts.
Man musste sich die Sachen ganz genau angucken und merken, später an der Kasse ansagen und hoffen, dass einem der Verkäufer das Richtige bringt. Nachdem ich dann meinen ersten Schock überwunden hatte, kam auch schon der Zweite! Es läutete. “Nanu?”, dachte ich, “Was isn nu los? Macht der Laden schon zu?”, nee noch nicht ganz.
Das was da geläutet hatte, war die Nummerntafel.
Toll, dachte ich, jetzt muss man hier auch noch ne Nummer ziehen.

Toll, dachte ich, jetzt muss man hier auch noch ne Nummer ziehen.

Gut, ich zog dann also ne Nummer. An der Tafel stand was um die 450 und ich bekam die Nummer 547!!! Na geil, das kann ja was werden. Da ich ja nun genug Zeit hatte, konnte ich mir in Ruhe nen nettes Bier aussuchen.
Ursprünglich hatte ich geplant, nicht soviel Geld auszugeben und ein billiges Bier zu kaufen. Dummerweise waren die ganzen wirklich billigen Biere alle tschechisch und von denen konnte ich mir die Namen einfach nicht merken. Zum schreiben hatte ich auch nichts dabei.
Als ich dann nach ca. 45 Minuten (die Türen wurden um 15 Uhr zugesperrt und man kam nur noch raus und nicht mehr rein) an der Kasse stand, ist mir nur der Name Carlsberg eingefallen.

45 Minuten warten für 3 Bier! Merke: Geh nie an einem Samstag um kurz vor 15 Uhr Alkohol kaufen!

War jetzt sicher nicht die schlechtestes Wahl, aber leider auch nicht die billigste.
Wie dem auch sei, kurz vor 16 Uhr bin ich dann mehr oder weniger glücklich mit meinen 3 Bieren zu Hause angekommen.

Später bin ich dann zusammen mit einer Freundin und den Bieren los in die Stadt. Das Ende vom Lied war dann, dass uns die Biere in der U-Bahn von der Polizei abgenommen wurden. Wenn ich jetzt ehrlich sein soll, war das nach dem ganzen Stress nicht nur ärgerlich, sondern auch peinlich. Weil der Kauf von Alkohol in Schweden ja nicht schon kompliziert genug ist, muss die Regierung beim Konsum von Alkohol noch eins drauf setzen: man darf auf der Straße nichts trinken. Gut, dass ich das jetzt auch weiß!

Bevor ich euch mit weiteren Skurrilitäten aus meinem Leben hier berieseln werde, fühle ich mich dazu verpflichtet, euch mal ne nette Schwedische Band vorzustellen, die ich diese Woche entdeckt habe.
Sie nennt sich Two White Horses (http://www.twowhitehorses.se/) und besteht aus den beiden Geschwister Jacob und Lovisa Nyström. Die Band existiert seit vielen Jahren aber ihr erstes Album erschien erst im Winter 2008/09. Das Lied, das ich euch vorstellen möchte passt auf irgendwie zu meiner aktuellen Situation.

So, genug geweint.
Zurück zum Thema.
Dass Alkohol in Schweden nicht so billig ist, wusste ich schon vorher und mit damit kann man sich auch abfinden (wenn man keine andere Wahl hat). Naja und zuviel davon tut eh nicht gut! Richtig böse finde ich allerdings, dass auch die Grundnahrungsmittel so *ch*iß-teuer sind. Also mit sparen ist hier nicht viel.
Dachte ich zumindest, bis ich zu Lidl ging!
In Deutschland war ich davon echt nicht so der Fan, aber hier bin ich zum absoluten Lidl-Fanatiker mutiert! In meinem Zimmer stapeln sich die Lidltüten und mittlerweile könnte ich schon die Wände damit tapezieren…
Auch wenn ich in Stockholm sonst nichts finde, bei Lidl kenne ich mich aus! Dort fühle ich mich wie zu Haus!

Bei Lidl kenne ich mich aus, dort fühle ich mich wie zu Haus!

So sehr, wie es mir der Lidl bei uns um die Ecke angetan hat, habe ich mich auch in die Süßigkeitengeschäfte von Stockholm verliebt.
Hört sich jetzt auch schon wieder irgendwie komisch an, aber wenn ihr so ein Geschäft mal von innen gesehen habt, dann wisst ihr was ich meine! Die Schweden stehen mehr auf Lösgodis was soviel heißt, wie lose Süßigkeiten, als auf abgepackte Haribotüten.
Es gibt also in jeder Kaufhalle mindestens ein Regal, das voll ist mit kleinen Fächern, die mit Süßigkeiten gefüllt sind.
Dazu gibts dann kleine Schippen (meinetwegen auch Schaufeln) und leere Tüten und dann kann man nach Lust und Laune in die Tüte schippen, was man will.
Und weil dieses Süßigkeitenverkaufssystem in Schweden so gut ankommt, gibt es auch ganze Läden, die nur Süßigkeiten verkaufen.
An der Stelle muss ich wirklich mal betonen wir hart das Leben hier ist. Ihr wisst gar nicht, welchen inneren Kampf ich jeden Tag zu kämpfen habe, wenn ich an so einem Laden oder an so einem Regal im Supermarkt vorbei gehe! Schlimm!

Süßigkeiten

Süßigkeiten Paradies

Weil ich hin und wieder den inneren Kampf gegen das Süßigkeitengeschäft verliere, habe ich mir diese Woche überlegt, dass ich mich im Fitnessstudio anmelden muss.
Praktischer Weise, gibt es auch sowas gleich bei uns um die Ecke. Am Dienstag bin ich dann zu ersten Mal zu Friskis & Svetties und musste gleich feststellen, dass nicht automatisch alles was praktisch ist, auch gut ist.
Nachdem ich mir da ne Tageskarte für 90Kronen (rund 9€) gekauft habe, dachte ich mir: Jetzt gehts so richtig los! Nischt is!
Ich komm da in den Geräteraum und da waren noch ca. 1000 andere Menschen.
Ich wollte eigentlich aufs Laufband.
Gut, dass es davon 5 gab, schlecht, dass diese alle belegt waren und dahinter schon 5 Leute anstanden.

Kein Wunder, dass die Schweden alle so gut aussehen…die wohnen schließlich alle im Fitnesscenter!

Bei den Crosstrainern sah es nicht anders aus. Also verbrachte ich die ersten 15 Minuten mit effektivem Warten. Dann bin ich doch endlich mal auf so ein Laufband gekommen. Normalerweise laufe ich um die 60min.
Konnte ich an dem Tag natürlich vergessen. Kaum war ich auf dem Gerät, schon stand schon wieder einer hinter mir. “Na der kann warten!”, dachte ich mir! Genau in dem Moment entdeckte ich dann ein Schild auf dem stand, dass man doch bitte nur 10 Minuten auf dem Trainingsgerät bleiben soll, wenn hinter einem ne Schlage ist.
Hhm… ich war dann mal dreist und bin 18Minuten gerannt.
Danach habe ich mich dann so schlecht gefühlt wie noch nie! Weiter ging es dann auf dem Crosstrainer, dann auf dem Fahrrad, dann wieder auf dem LAufband und wieder auf dem Crosstrainer. Durch das ständige Wechseln war ich so gestresst und das Glücksgefühl, dass man nach dem Sport eigentlich immer bekommt, blieb an diesem Tag aus.

Am Donnerstag dachte ich mir dann, dass ich es ja nochmal in dem Fitnessstudio versuchen kann.
Diesmal entscheid ich mich aber für einen Aerobic-Kurs.
Gut, diese Entscheidung war dann wohl die schlechteste, die ich in der gesamten Woche getroffen hatte.
Der Kurs wurde von einer ca. 55-Jährigen Schwedin geleitet, die alles andere war als kompetent (da meine Mama selber Fitnesstrainerin ist, habe ich in meinem Leben schon einiges über Fitnessstudios und Fitnesskurse gelernt und kann Gut durchaus von Böse unterscheiden).
Die Frau ist da irgendwo zwischen den Leuten rumgehopst, hat eine Bewegung an die andere geschleudert und hat ständig zwischen Stehen, Liegen, Rennen, Springen und Dehnen gewechselt.
Nachdem Kurs war ich total am Ende…mit den Nerven. Die anderen 50 Rentner, mit denen ich den Kurs gemacht hatte übrigens auch. An dem Tag habe ich dann beschlossen, dass ich wohl doch lieber alle 10 Minuten das Gerät wechsle, als noch einmal so einen Kurs mitzumachen.
Man lernt ja aus seinen Fehlern :-)

Abgesehen von all den Dingen, die einem das Leben hier so erschweren, habe ich natürlich auch wieder einige witzige Sachen erlebt.
Am Mittwoch habe ich z.B. zum ersten Mal meine Wäsche in einer Wäschekammer gewaschen und das fand ich echt toll!
In Schweden ist es so, dass sich alle Leute, die kein eigenes Haus haben, die Waschmaschinen teilen.
Es gibt dann immer gesonderte Räume, Keller oder wie auch immer, wo man seine Wäsche waschen kann.
Ich komme aus dem tiefsten Osten Deutschlands.
Da war seit 1945 alles hochmodern und von daher kannte ich sowas echt noch nicht.
Bei uns ist die Sache vor allem noch spezieller. Wir haben ein richtiges extra “Waschhaus” auf dem Hof. Da stehen 5 gigantische Waschmaschinen und 4 riesige Trockner rum.
Dort habe ich dann stolz meine Wäsche gewaschen! Einen Tag vorher musste ich eine Zeit buchen und dann am Mittwoch aber auch Punkt genau da sein und anfangen, damit ich alles in 2h schaffe!
Soviel Stress beim Waschen, das war für mich völlig neu und aufregend :-)

Mein neues Hobby? Wäsche waschen!

Doch ohne fremde Hilfe wäre ich da nicht klar gekommen!  Fragt ihr euch jetzt, warum ich das euch überhaupt erzähle? Weil ich es echt spannend fand!

Spannend war auch mein Freitagabend. Da bin ich endlich mal feiern gegangen. Wir sind mal wieder völlig planlos durch Stockholm gewandert und sind dann in einer Bar auf Södermalm gelandet, die echt total cool war!
Name: Bonden Bar, Adresse: Bondegatan 1.
Das war der reinste Schwedenschuppen, wo nur schwedische Popsongs und irgendwelcher Funk gespielt wurde.
Unter anderem auch eines meiner schwedischen Lieblingslieder, bei dem ich endlich mal laut mitsingen konnte :-)

Ich war mit einem netten blonden Mädchen aus Österreich unterwegs gewesen und zusammen haben wir wohl ein gutes Opfer für verrückte Schweden abgegeben.
Irgendwann hatten wir nämlich ein paar sonderbare Gestalten am Hals, die eigentlich sehr nett, dennoch aber auch etwas seltsam waren. Der eine Typ hat z.B. ständig die Ärmel von seinem Pullover in die Länge gezogen und dann wild damit rumgewirbelt, den Pullover dann später auch noch ausgezogen, ihn sich auf den Kopf gelegt und uns dann grinsend angetanzt.
Ich war mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher, ob das denn jetzt die feine schwedische Art war oder so und bin dann zu Sicherheit erstmal auf das Klo geflüchtet.

KLO in der Bonden Bar

Klo in der Bonden Bar

Sonst war es in der Bar aber echt sehr nett und für alle die mal ein paar sehr gut gelaunte Schweden beim feiern erleben wollen, kann ich sie nur empfehlen.
Blöderweise hat die Bonden Bar schon um 1 Uhr zu gemacht. Dann mussten wir also woanders hin. Ich habe dann mein nettes Schwedisch angewendet und in der Schlange zur Garderobe ein paar Mädels gefragt, wohin man denn jetzt noch gehen kann.
Die wussten das auch nicht so genau, haben uns dann aber einfach mit genommen.
Wir sind dann letztendlich in einem anderen Laden gelandet, dessen Namen ich vergessen habe, weil ich sauer war.
Sauer, weil sie einfach nicht das Lied spielen wollten, dass ich mir an dem Abend so sehr gewünscht habe!

http://www.youtube.com/watch?v=PiB-078lVJU

Auch wenn mein Wochenende sehr nett war, waren die letzten 7 Tage insgesamt doch sehr hart. Bei meinem Praktikum habe ich immer anspruchsvollere Aufgaben bekommen, was an für sich ja sehr gut ist und ein Beweis von Vertrauen in mich ist, aber umso anspruchsvoller und wichtiger meine Arbeit wird, umso mehr fühle ich mich ausgenutzt.
Da ich bei meinem Praktikum ja leider kein Geld bekomme, fällt es mir hin und wieder schwer, meine Motivation und meinen Ehrgeiz bei der Stange zu halten. Nicht so lange gehalten wie sie sollten haben auch meine Winterschuhe nicht!
Die doofen Botten sind diese Woche einfach kaputt gegangen (habe wohl zu oft beim Ausziehen auf dem Hacken gestanden) und jetzt musste ich bei -5°C mit Stoffschühchen draußen rumspringen.

Ja, ja, ich habe es hier echt nicht leicht! In einer Stadt, die für mich von Tag zu Tag schöner wird. In der ich Dinge erlebe, die im ersten Moment sicher nicht so geil sind, sich dann aber doch in eine witzige Erinnerung umwandeln.
Eine Stadt, in der kein Tag ist wie der andere, in der ich plötzlich anfange Lachs und Schimmelkäse zu essen & in der mir von der Polizei höchstpersönlich mein Bier abgenommen wird!

Stockholm you are so hard but I think I love you!

Med vänliga hälsningar Susi