Stockholm am Straßenrand

Stockholm am Straßenrand

Susi in Stockholm! Ihr habt in letzter Zeit ja schon viel von mir gehört und ich kann mir schon vorstellen, dass ihr an der einen oder anderen Stelle mal neidisch geworden seid. Vielleicht habt ihr euch sogar mal gewünscht, mit mir zu tauschen. Wenn das so ist, dann freue ich mich sehr, denn das zeigt, dass ich gut begeistern kann :-). Dennoch muss ich euch sagen, dass auch ich nicht immer glücklich bin. Im Gegenteil …

Die vergangene Woche war wohl die schlimmste
, die ich bisher hier in Stockholm hatte. Aber keine Angst, ich bin nicht gestorben und ich habe auch noch alle meine Arme und ca. 90% meiner Haare.
Wenn ich von schlimm rede, dann meine ich wohl eher langweilig, unspannend und traurig.
Alles fing wahrscheinlich damit an, dass Ostern so toll war. Ich hatte soviel erlebt, dass es eigentlich klar war, dass die Sache nicht mehr zu toppen ging, auch wenn ich das erwartet hatte. Und so war es dann auch.

Am Dienstag war erstmal kackwetter. Da ist meine Laune schon früh um 7 Uhr bei minus 10 gewesen. Auf der Arbeit hatte ich dann auch gar nichts zu tun. Nach ca. 5h Langerweile, war meine Laune dann schon bei minus 100.
Und als dann auch noch mein bester Freund Maurice angerufen hat, um mich live in die Pop10-Sendung zu schalten, war es ganz aus! …nein, so schlimm war es  natürlich nicht! Ehrlich gesagt, fand ich es sogar ganz witzig, dass Maurice mich in seine Sendung eingebaut hatte und wenn ich jetzt zurückblicke, war das wohl eines meiner Highlights in der vergangenen Woche.
Für alle, die es nicht mitbekommen haben: ich war live im Fernsehen (zu hören)  ;-)!

Ja, nachdem ich mit Maurice gesprochen hatte, habe ich plötzlich Angst bekommen. Ich habe mir überlegt, dass andere und vor allem ich selber vielleicht von mir erwarten, dass ich jede Woche superspannende und witzige Sachen erlebe und dann immer nen hammerinteressanten Blog auf den Tisch haue. Diesen Erwartung wollte ich natürlich gerecht werden, aber diese Woche habe ich eingesehen, dass es nicht geht, denn auch ich muss mich mal ausruhen, wenn auch nur mental.

Leider kann auch hier einfach mal nichts passieren.

Das heißt soviel wie, dass ich diese Woche kein spannendes Konzert besucht habe, man hat nicht versucht mich umzubringen und auch meine Blase dürfte sich mal entspannen.

Am Dienstag Abend war mit mir nichts mehr anzufangen. Ich war noch fix und alle vom Wochenende und wollte so zeitig wie möglich schlafen. Wie es der Zufall so wollte, hatten wir mal wieder unerwähnten Besuch bekommen und dieser hat dann meine restlichen Mitbewohner gut und lauthals unterhalten. Obwohl ich in meinem Zimmer war, konnte ich die Jungs mehr als deutlich reden hören. Nachdem ich ca. 2h lang ungewollt einer Unterhaltung über  Kondome mit Geschmack und anderen Sachen, von denen ich eigentlich gar nichts wissen wollte, folgen musste, kehrte dann um ca. 1 Uhr morgens endlich Ruhe ein.

Am Mittwoch hatte ich dann auf Grund von ungenügend Schlaf mal wieder schlechte Laune. Um meinem Leben aber wieder einen Sinn zu geben, entschied ich mich dazu, am Abend zusammen mit einer Freundin in einen Pub zu gehen, um dort Championsleague zu gucken. Ob das jetzt die beste Idee für einen Antifußballfan wie mich war, weiß auch nur der liebe Gott. Wie dem auch sei, die Sache war sehr erkenntnisbringend.
Der Pub, in dem das Spiel zwischen Manchester und Bayern übertragen wurde hieß The Dubliner (für jeden Fußballfanatiker nur zu empfehlen). Da Bayern spielte, konnte man an diesem Abend mit der Anwesenheit von einigen Deutschen rechnen und die waren dann natürlich auch mal wieder nicht zu übersehen oder zu überhören. Aber ich wollte mich ja nicht ärgern lassen, also versuchte ich was zu lernen. Ergebnis: ich glaube die Bayern sind nur so gut, weil die anderen immer so viel Pech haben.

Bayern ist nur so gut, weil die anderen immer so viel Pech haben!

Außerdem fand ich die alle nicht so hübsch. Beim nächsten Mal gucke ich lieber wieder Gossip Girl!

Am Donnerstag war auf Arbeit mal wieder nicht so viel los und da ich auch noch meine Tage bekommen hatte, bahnte sich ein richtiges mentales Tief an.
Als Frau hat man es ja auch wirklich nicht leicht… Das nächste erwähnenswerte Ereignis, ist wohl der Auftrag, den ich am Freitag verpatzt habe. Ich sollte zusammen mit der anderen Praktikantin das interne Freitagsseminar filmen und es dann für eine Veröffentlichung im Intranet bearbeiten. Man muss vorher sagen, dass sowohl Anna, wie auch ich, nicht sonderlich viel Ahnung von Kameras haben, ich, im Gegensatz zu ihr, aber wenigstens noch so tue als ob.
Da wir dann mit unserem Halbwissen schon die Aufnahme versaut hatten, war nicht mehr viel zu bearbeiten. Die Bilder waren echt nicht zu gebrauchen und das war zum größten Teil meine Schuld.
Diese Niederlage musste ich dann erstmal mit Würde verdauen und meinem Chef beichten. Der fand das Ganze mal wieder gar nicht so wild und war froh, dass ich ihm gleich gesagt hatte, was Phase ist. Zu dem Zeitpunkt war ich dann das erste Mal froh, dass ich doch nur Praktikant bin und somit ein Recht darauf habe, Scheiße zu bauen.

Als Praktikant habe ich ein Recht darauf Scheiße zu bauen!

Da unser Chef aber doch noch Hoffnung in uns sah, kam er gleich ne Stunde später mit dem Vorschlag an, dass Anna und ich doch mal nen lustigen Film über nen nervigen Mitarbeiter drehen könnten. Diese Idee fanden wir sehr gut, also machen wir das jetzt :-)

Auf den Freitagabend hatte ich mich eigentlich die ganze Woche lang gefreut. Fredrik, einer meiner Mitbewohner, wollte im Haus von seinem Vater ne Party schmeißen und da durften meine deutschen Freunde und ich natürlich nicht fehlen! Die Veranstaltung sollte (typisch Schwedisch) um 19 Uhr beginnen, da aber meine gute Freundin Claudi an diesem Tag Geburtstag hatte, ging ein Abendessen bei ihr erstmal vor. Somit kamen wir dann ca. 2,5h nachdem die Party begonnen hatte in Lidingö an.
Man hatte mich schon vorgewarnt, dass der Vater von Fredrik in einer übelsten Villa wohnen sollte, aber das, was sich da vor uns auftürmte war keine Villa mehr, das war schon vielmehr ein Schloss. Das Haus war so groß, dass die Bewohner anscheinend gezwungen waren Nummern an die Türen zu schreiben, um zu wissen wo sie sich im Haus befanden. War schon echt beeindruckend. Weniger beeindruckend war dann allerdings die Stimmung. Als wir da um kurz vor 22 Uhr ankamen, waren die Ersten schon wieder am Gehen und andere versuchten sich offensichtlich das erste Mal in ihrem Leben am Alkohol.
Dementsprechend wurde dann rumgegröhlt, gesoffen und gekotzt.

Um 22 Uhr konnten manche schon nicht mehr stehen!

Das Lustige war, dass das Partyvolk zu 75% aus Studenten der Handelshochschule bestand (also Schlips- und Kragenträger) und sie mit ihrem Verhalten mal wieder alle Vorurteile bestätigten. Claudi und ich konnten uns von den Möchtegern-Bankern nicht so ganz mitreißen lassen, also haben wir uns selbst unterhalten. Und wie? Gute Frage! Das einzig Spannende, was wir finden konnten, war ein Kartenspiel mit allen bisherigen amerikanischen Präsidenten. Also haben wir diese auswendig gelernt.
Ehrlich gesagt, wollte ich das schon immer mal machen und auf dieser “Party” kam ich dann endlich dazu :-)

Die Präsidenten von Amerika

Die 42 Präsidenten von Amerika - ich kenne sie alle!!!

Um 23:30 Uhr, als die ersten Partybomben schon gar nicht mehr stehen konnten, herrschte allgemeine Aufbruchstimmung. Ich empfand das jetzt schon als ein bisschen früh, aber vielmehr konnte man von den Leuten auch nicht erwarten. Da wir alle unsere Präsidenten im Kopf hatten, entschlossen auch wir uns, zu gehen. An für sich, war es schon schade, dass wir unseren Freitagabend für diese Party geopfert hatten, aber immerhin war ich danach um einiges schlauer.

Am Samstag kam der Tag, von dem ich gehofft hatte, dass er nie eintreffen würde: ich musste ausziehen. Ich weiß nicht, wie gut ihr meine Mission verfolgt, aber einige von euch wissen vielleicht, dass ich in der WG nur bis Anfang April bleiben konnte, weil dann eine andere (olle Kuh!) in das Zimmer einziehen sollte, in dem ich bis jetzt gewohnt hatte.
Also musste ich meine Sachen packen und nach Sundbyberg schaffen, wo ihr mich von nun an findet.

Diese Woche musste ich meine Sachen packen und umziehen!

Sundbyberg besteht zu 95% nur aus Plattenbauten und ist ca. 15 Minuten vom Zentrum entfernt. So sieht´s aus! Am Samstag war ich richtig richtig traurig, weil ich weder hier her ziehen wollte, noch wollte ich aus der WG ausziehen.
Die Lage der WG war sowas von optimal (Vasastan – 5 Minuten vom Zentrum entfernt), die Mitbewohner waren so nett und überhaupt… darf gar nicht daran denken, sonst kommen mir noch die Tränen.
Hier wohne ich jetzt mehr oder weniger alleine, bin fast am Arsch der Welt und irgendwie fühlt es sich nicht mehr richtig wie Stockholm an. Ich habe jetzt Angst, dass ich zu weit weg vom Schuss wohne und vor Einsamkeit umkomme. Entweder ich gebe mich jetzt mit meinem Schicksal zufrieden, oder ich fange mal wieder an, nach ner Wohnung zu suchen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie satt ich es habe! Ja, aber so ist das Leben.

Am Samstagabend habe ich dann noch eine nette Bar beim Odenplan kennen lernen dürfen. Sie nannte sich BAR TRANAN und ich würde diese Bar als echten Geheimtipp bezeichnen. Wenn man nämlich von außen dran vorbei geht, wirkt sie recht unscheinbar, drinnen jedoch sind sehr coole Leute anzutreffen und die Musik ist auch nicht von schlechten Machern.

Bartipp diese Woche: Bar Tranan, Karlbergsvägen 14

Wo wir schonmal bei Musik sind, möchte ich auch heute ein wenig darüber schreiben. Diese Woche hat mich die Band Kids of 88 als Fan für sich gewonnen. Kids of 88, das ist ein new wave / electro Due aus Neusseeland, von dem man bald hoffentlich noch mehr hören wird. Bisher gibt es von den Jungs nur zwei Singles, da sie aber erst in diesem April einen Plattenvertrag bei Sony unterschrieben haben, kann man sich auf weitere Lieder freuen. Ach ja, gefunden habe ich die Band übrigens auf Pop10live.de :-)!

http://www.youtube.com/watch?v=JusLQ-ilxAI

So! Kommen wir vom Spaß mal wieder zum Ernst der Sache… Zu Beginn dieses Blogs hatte ich ja davon gesprochen, dass die Woche irgendwie nicht ganz so geil war. Das lag zum größten Teil wahrscheinlich an mir selbst.
Ich habe mir eingeredet, dass ich innerhalb von kürzester Zeit einen übelsten Freundeskreis aufgebaut haben muss und ständig was erleben will. In der Realität sieht es aber ganz anders aus, denn die Realität funktioniert anders als Facebook.
Nun gut, ganz so düster ist es doch nicht.  Anscheinend erlebe ich ja doch was, denn sonst könnte ich ja heute nichts schreiben.
Und auch wenn ich noch keine 500 Freunde gefunden habe, so habe ich doch schon jemanden, den ich immer anrufen kann und der mit mir auf jede Party geht.

Und mindestens einen schönen Tag hatte bisher jede Woche. Diese Woche war es der Sonntag! Da war das Wetter mal wieder phänomenal und genauso war die Stimmung auf den Straßen. Alle haben sich mal wieder in Schale geschmissen und sogar die Hunde waren stylisch gekleidet!

Stylischer Hund mit Schlüppa und Pulli!

Als das Wetter das letzte Mal so gut war, wie an diesem Sonntag, waren wir auf Södermalm unterwegs. Damals hatten wir eine Reihe von niedlichen Cafés entdeckt, vor denen die spannendsten Leute saßen.
Wenn man unter denen saß, konnte man sich schon cool fühlen.
Noch cooler waren allerdings die Leute, die an einer der begehrtesten Hauswände ganz Stockholms Platz genommen hatten. Und unter diesen wollten wir diesen Sonntag auch sein. Also sind wir nach Södermalm zum Nytorget, wo sich die begehrte Hauswand befindet, gewandert, haben uns einen Coffee-To-Go geholt und auf den perfekten Augenblick gewartet. Und der kam dann auch: jemand ist aufgestanden und wir haben uns hingesetzt. Und nun saßen wir da, mit dem Gesicht in der Sonne und dem Hintern auf dem Boden :-)

Die begehrteste Hauswand in ganz Stockholm

Hauswand Nytorget

Nach 2 Stunden saßen wir immer noch da. Heute habe ich nen Sonnenbrand! Das war im Groben und Ganzen Woche 6 in Stockholm. Auch wenn ich diese Woche oft niedergeschlagen war, weil die einen oder anderen Dinge nicht ganz so laufen, wie sie sollten, so geht es mir doch eigentlich ganz gut. Und bestimmt gibt es einen Grund dafür, warum ich heute hier bin und nicht da, denn nichts geschieht ohne Grund!