Mit Susi durch Stockholm - Prost!

Mit Susi durch Stockholm - Prost!

Wer denken kann, ist klar im Vorteil! Auch Goethe wusste schon, dass er “Ist”, weil er dachte.
Jemand der nachdenkt, bevor er redet, labert nur selten Stuss, durchdachte Handlungen sind meistens die besseren und
ein schöner Gedanke kann auch mal schlechte Laune vertreiben. Denken ist also gut? …DENKSTE!


Manchmal kann das Leben soviel leichter sein, wenn man nicht soviel darüber nachdenkt.
Wenigstens das habe ich nach 3 Wochen Stockholm endlich begriffen. Ich stand mir bisher so oft im Weg, weil ich einfach zu viel nachgedacht habe.

Gestern zum Beispiel! Ich war auf die Geburtstagsparty von einer schwedischen Freundin eingeladen, die ich mal übers Couchsurfen kenngelernt habe. Ihre Party sollte unter dem Thema Gypsy Circus laufen, was soviel heißt wie Zigeuner Zirkus. Grundsätzlich bin ich ja ein riesiger Fan von Mottoparties, aber wenn man alleine auf ne Party geht und nicht weiß, ob sich alle anderen auch an das Motto halten, find ich die Sache schon gar nicht mehr so lustig.

Ich habe mir also vorgestellt, wie ich da in einem übelsten Gewand ankomme, von oben bis unten mit Ketten behangen und keiner von den anderen Gästen weiß, was genau mein Problem ist.

keiner von den anderen Gästen weiß, was genau mein Problem ist

Andererseits fand ich aber auch die Vorstellung doof, dass ich am Ende die Einzige bin, die nicht verkleidet ist.
Naja, so komplexbeladen wie ich also war, hatte ich mich am Morgen fast gegen die Party entscheiden.
Irgendwann hatte ich es dann aber mit meinem Hintern vor die Tür geschafft, wo ich, auf Grund von einem Wahnsinns-Wetter, mit Glücksgefühlen überschüttet wurde.
Schlagartig und ohne groß darüber nachzudenken, hatte ich mich dann doch dafür entschieden, zu der Party zu gehen. Gut, hatte ich also das Entscheidungsproblem hinter mir gelassen, indem ich einfach mal meinem Bauchgefühl gefolgt bin.
Dann hatte ich aber ein viel größeres Problem: was ziehe ich an?
Ich wollte ja nun auch kein Spielverderber sein, also brauchte ich ein Kostüm. Dummerweise hatte ich meine komplette Zigeunerausrüstung (aufgrund von einer begrenzten Kiloanzahl für das Reisegepäck) zu Hause gelassen.

Meine Zigeunerausrüstung hatte ich dummerweise zu Hause gelassen!

Da meine Mitbewohner alle männlich sind, brauchte ich die auch nicht fragen, ob sie mir mal einen ihrer langen Röcke ausleihen würden. Ich war also gezwungen, mir was zu kaufen. Deshalb bin ich dann mal wieder zu Beyond Retro gefahren, in der Hoffnung, da was zu finden.
An für sich, war die Idee ja gar nicht so dumm, wenn sie mir schon 2 Tage früher gekommen wäre.
Der Laden hatte natürlich eine Menge zu bieten, aber eine gute, kostengünstige Kombination ließ sich auf die Schnelle einfach nicht finden. Nach mehr als einer Stunde (ich kenne den Laden jetzt fast in- und auswendig), hatte ich mir dann überlegt, dass ich nicht soviel Geld investieren wollte.
Also habe ich mir nur ein schickes Tuch gekauft und mir dann eingeredet, dass das reicht!

Gegen 21.30 Uhr bin ich dann tatsächlich zu Emmy gefahren. Vorher hatte ich mich noch hübsch herausgeputzt. Letztendlich sah ich doch fast aus wie eine Zigeunerin :-) Ich hatte noch ein nettes rotes Röckchen gefunden, mir dazu alle Ketten um gehangen, die ich hier hatte, mich ordentlich geschminkt und mir Löckchen gedreht. An der Stelle erwartet ihr bestimmt ein Foto, aber ich möchte eurer Phantasie ja nicht im Weg stehen!

Zurück zur Party, die war der Hammer!
Also wenn die Schweden etwas organisieren können, dann sind es Mottoparties!
Es hatten sich tatsächlich alle verkleidet und für ein Rahmenprogramm wurde auch gesorgt. Allerdings sollte jeder etwas dazu beitragen. Darauf war ich nicht vorbereitet. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein superguter Improvisator bin, aber an diesem Abend wollte es einfach nicht gehen.

Ich hatte zuviel Angst davor, mich komplett zu blamieren. Auf gut Deutsch gesagt: ich habe einfach zu viel nachgedacht und mich strikt geweigert. Am Ende war ich tatsächlich die Einzige, die nichts vorgetragen hat.*
Im Nachhinein bereue ich das sehr, weil mir das rein gar nicht ähnlich sieht. Aber so ist das, wenn man zuviel nachdenkt.
Die anderen waren aber alle sehr gut! Ich habe an diesem Abend gesehen, wie die längste Frau der Welt in zwei Teile geschnitten wurde, wie der stärkste Mann der Welt eine Riesenhantel hebt, ich habe Zauberer gesehen und dürfte beim Wahrsagen dabei sein :-)

Ja soviel zu diesem Abend und nun zurück zum Thema. Wie zu Anfang schon gesagt, ist mir mittlerweile bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass man hin und wieder mal was wagt, nicht so viel nachdenkt und einfach das macht, was einem der Bauch “sagt”. In meinem Fall sollte ich es damit nicht übertreiben, denn mein Bauch ist sehr redegewandt :-)

Nein aber mal im Ernst! Am Freitag z.B. war mein Bauch richtig gut!
Ich war zusammen mit einer Freundin unterwegs und wir wollten uns mit ein paar anderen Deutschen in einer Bar treffen. Als wir dort ankamen (wir waren ca. 1,5h zu spät), sagten uns die Türsteher, dass uns der Spaß 120 Kronen kosten soll (12€).
Mein Bauch dachte in diesem Moment nur: “Sag mal hackts? Susan bezahlt doch keine 12€ nur um in eine Bar zu kommen, in der sie dann nochmal mindestens 5€ für ein Bier zahlt.!” Und genau das dachte ich auch!
Nur irgendwie war es auch blöd nicht reinzugehen, weil wir die anderen somit schon zum 3. Mal versetzt hätten. Aber irgendwie hatte ich es im Urin, dass wir an diesem Abend noch was besseres erleben sollten. Also überredete ich die Freundin, mit der ich unterwegs war, mit mir zum Strand zu fahren. Der Strand ist ein Club, der am Hornstull Strand in Stockholm liegt und sehr bekannt ist.
Dort finden oft Konzerte und richtig coole Parties statt.

Club Strand

Hornstull Strand 4

Diesen Freitag sollte dort niemand geringeres als Robyn auflegen!!! Alle Indie- und Schwedenfreunde unter euch wissen sicher wer das ist. Und für die anderen hier eine kurze Info:

Robyn – Be Mine!

Robyn ist eine Popsängerin aus Stockholm die ich vor allem durch die Lieder “And it hurts with every heartbeat” und “Be mine” kenne.
Sie hat ihr erstes Album 1995 rausgebracht und arbeitet mittlerweile an Album 5, 6 und 7.
Sie plant alle diese drei Alben noch dieses Jahr rauszubringen.
Eins im Frühling, eins im Sommer und eins im Winter. Vor wenigen Jahren hat Robyn zusammen mit Lojsan (Louise Sondlo – Freundin von Robyn) hier in Stockholm einen Club namens Tutti Frutti gegründet, der einmal im Monat im Strand stattfindet und ein echter Erfolg ist.
Was soviel heißt, wie lange Schlange, lange warten, dann aber richtig gut feiern! Gespielt wird die Musik, die die beiden geformt hat (so stand es zumindest am Freitag in der Dagens Nyheter) gemischt mit Musik zu einem bestimmten Thema.
Diesen Freitag war das Thema Tutti Frutti goes Africa und dem entsprechend war auch die Musik.
Es wurde eine Mischung aus Hip Hop, Schweden-Pop, elektronischer und afrikanischer Musik gespielt und wie das dann alles zusammen klang,  kann ich mit meinem Halbwissen nur schwer beschreiben.
Was ich aber kann, ist diese Party und diesen Club empfehlen!

Geht zum Strand, geht zu Tutti Frutti!

Es war knüppel-dicke-voll und ich danke meinem Bauch noch heute, dass er mich da am Freitag reingelockt hat.
Auch wenn es mich 10€ gekostet hat (womit mein Verstand natürlich nicht einverstanden war), aber das hat sich echt gelohnt!
Ich habe natürlich auch versucht ein paar gute Bilder zu machen, aber naja…bin halt leider nicht unbedingt die beste Fotografin!
Aber dennoch :-)

Tutti Frutti

Robyn im Club Strand

Robyn und Lojsan

Robyn ohne Hut!

Ja und wie schon gesagt, Robyn will dieses Jahr 3 neue Alben rausbringen und ein neues Lied hat sie schon und das könnt ihr euch auf ihrer Homepage anhören. http://www.robyn.com/ …ich finde es ganz cool, also hört es euch an!

An diesem Abend musst ich mal wieder feststellen, wie stylisch und mutig doch die Stockholmer und wie unstylisch und langweilig die Magdeburger sind, wenn es um Klamotten geht (Gruß an die Freunde, es gibt auch Ausnahmen!!!).
Und genau das mag ich so an Stockholm! Wenn du nicht mehr tanzen kannst, kannst du dich noch mindestens ne Stunde damit beschäftigen, die Leute zu bewundern. Das wird nie langweilig, weil keiner aussieht wie der andere! Ich konnte mich da echt nicht sattsehen.

Ich konnte mich an den Leuten nicht sattsehen!

Ich habe mich dann natürlich gleich voll unmodisch gefühlt und hätte am liebsten den nächstbesten Second-Hand-Laden ausgeraubt. Dazu bin ich aber irgendwie nicht gekommen.
Stattdessen bin ich heim gefahren, zu meinem Bett.
Da war ich diese Woche eh sehr wenig. Von den 4 Leuten, die ich in Stockholm kenne (nagut vielleicht sind es auch 5), hatten 3!!! diese Woche Geburtstag.
Ich habe seit Dienstag permanent irgendwelche Kuchen gebacken und permanent durchgefeiert (gut ich übertreibe grad ein wenig). Auf jeden Fall hatte einer meiner Mitbewohner Geburtstag (Alles Gute nochmal Adam), meine österreichische Freundin (Grüße auch an dich Paulina) und natürlich Emmy (die Zigeunerfrau).
Zusätzlich hat mich Fredrik (ein anderer Mitbewohner) auch noch dazu angesteckt, ständig mit ihm Fawlty Towers zu gucken.
Also alle von euch, die das noch nicht kennen, sollten sich mal damit auseinandersetzen, weil das echt sehr lustig ist. Hier mal eine meiner Lieblingsszenen :-)

Ausschnitt – Fawlty Towers

Ein weiteres Highlight diese Woche war die Besichtigung einer Wohnung.
Ich hatte auf abc-annonsen.se einen Eintrag gelesen, indem eine Mitbewohnerin für ein Zimmer auf Södermalm gesucht wurde. Miete lag bei 200€. “Wow, das Zimmer muss ich haben!”, dachte ich. Södermalm ist DER Stadtteil von Stockholm und wenn man da wohnt, hat man es geschafft.
Das dachte ich zumindest, bis ich die Wohnung sah.
Die Lage an sich war echt super, aber da hört es dann auch schon wieder auf. Die Wohnung war möbliert, wirkte auf mich aber eher so leer, wie ein Dönerstand zu Weihnachten und die Fensterscheiben waren so sauber, wie ein Spiegel nach hemmungslosen Zähneputzen (nur noch 100 Mal schlimmer). Hinzu kam noch, dass die Wände in ganz schlimmen dunklen Farben gestrichen waren und ich weiß nur, dass ich mich dort drinnen überhaupt nicht wohl gefühlt hatte.
Schade dachte ich, ich hatte echt gehofft, dass ich endlich eine dauerhafte Bleibe finde.
Irgendwie war ich an diesem Tag zum ersten Mal so richtig deprimiert. Ich suche ja jetzt schon eine ganze Weile und nett bin ich doch eigentlich auch! Was mache ich denn also bitte falsch? Ich glaube diese Frage ist rhetorisch und nicht zu beantworten.
Wie dem auch sei, es nützt ja alles nichts.
Morgen geht die Suche weiter! Ich habe Kontakt zu ein paar Leuten aufgenommen, die ab April ein Haus im Süden von Stockholm mieten. Dort ist noch ein Zimmer frei und ich darf es mir morgen mal angucken.
Mal sehen, was dabei rauskommt.

Die Arbeit war diese Woche auch wieder echt spannend! Ich dürfte wieder ein paar Aufträge erledigen (Filme zurecht schneiden) und ich habe meine Reportage fertigbekommen und vorgezeigt. Mein Chef fand sie echt gut und er meinte, dass wir seine Erwartungen weit übertroffen haben. Ich bin also vielleicht doch gar keine so schlechte Journalisten, wie ich immer denke.
Ja ja, das Denken. Ich wünschte, ich könnte es hin und wieder mal abschalten.
Ich glaube, dass mir dann einiges viel leichter fallen würde. Entscheidungen z.B. oder Spaß!

Ich wünschte, ich könnte das Denken mal einfach so abstellen!

Irgendwie fällt es mir heute schwer, meinen Eintrag logisch, weise und einleuchtend abzuschließen.
Denn um dies zu tun, muss ich ja wieder soviel nachdenken! Und wenn ich darüber nachdenke, was ich jetzt schreiben soll, male ich mir wieder alle möglichen Interpretationen, Reaktionen, Empörungen und Enttäuschungen aus, die ich bei euch hervorrufen könnte. Aber ich wollte ja nicht mehr so viel über alles nachdenken, zumindest nicht negativ!
Stattdessen werde ich mich jetzt von euch verabschieden, mich ins Bett legen und mich freuen.
Ich werde mich darüber freuen, dass ich heute hier bin (und auch morgen noch), dass nach einem Tief immer ein Hoch kommt und dass ich mich im Notfall immer auf mein Bauchgefühl verlassen kann. Hoffentlich wird dann auch das Wetter wieder besser!

Frühling in Stockholm

Haltet die Ohren steif und denkt daran: Don´t think! Just feel!