Heiss, heisser, Melt! 20.000 Sonnen- und Musikanbeter feierten beim diesjährigen Melt-Festival mit Metronomy, Robyn, Portishead und anderen grandiosen Bands. Eine kleines Sommermärchen unter Glitzerkränen – oder wie John Grant sagen würde: “Affentittengeil!”

Obwohl in den vergangenen Jahren die “Knaller-Act”- und “Muss-Man-Unbedingt-Gesehen-Haben”-Dichte gefühlt höher gewesen ist. Doch die Besucher juckte das kein bisschen, dafür eher der Temperaturrekord aller bisherigen Melt-Festivals. Nach drei Tagen feiern bei gefühlten 50° hätten die Melt-Besucher den angrenzenden Gremminer See wahrscheinlich alleine mit ihrem Schweiß füllen können. Mit was sonst noch, darüber schweigen wir lieber… Da galt es also vorzusorgen:

Alles klar? Perfekt. Dann back to the Melt! Da spielten sich als erstes Wolf Alice in unsere Ohren. Die hochgelobte Band um Ellie Rowsell – aus… na klar, London! – hat zwar erst zwei EP’s rausgebracht, aber nach ihrem Auftritt auf der Gemini-Bühne hoffen wir umso mehr, dass daraus auch bald ein richtiges Album wachsen wird.

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Ellie Rowsell und ihre Band Wolf Alice

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Wolf Alice auf der Gemini-Bühne

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Drummer Joel Amey

Vielleicht hätten sie sich ein bisschen Rat von Robyn holen sollen – denn wenn jemand weiß, wie man Alben wie am Fließband raushaut, dann die umtriebige Schwedin. So viel, dass sie sich gemeinsam mit ihren Best Buddys von Röyksopp wohl gedacht hat “Och, das können wir doch mal gemeinsam verwurschteln”. Und genau das haben sie dann auch gemacht. Ein Zwei-Stunden-Best-Of-Robyn-Und-Röyksopp-Mixtape. In live und laut. Ganz zum Schluß gab es nach einer kleinen Umbau- und Verschnaufpause auch fünf neue Songs aus ihrem aktuellen “Do It Again”-Projekt. Insgesamt also drei Konzerte in einem. Hut ab!

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Robyn mag sich. Wir auch.

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Kayne West lässt grüßen: Glitzer ohne Ende beim “Do It Again”-Auftritt

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“Do It Again!” Robyn’s Kooperation mit Röyksopp

Ziemlich lässig war ein paar Stunden vorher schon der Auftritt der drei Haim-Schwestern. Dafür sorgten sie höchstselbst mit der richtigen Portion aus Rotzigkeit und Coolness.

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Die richtige Attitüde macht’s

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Este Haim

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Ja, Haim hatten sichtlich Spaß!

 

 

Welcome to the Heat: Der Samstag

 

Auch am Samstag war die Ferropolis Temperaturtechnisch das Death Valley in Mitteldeutschland. Wer konnte, ergatterte sich eines der wenigen und daher besonders begehrten Plätzchen im Schatten. Nur die ganz Harten versammelten sich brav in der Hitze vor der Mainstage und staunten ob der Performance von Ballet School. Dafür gab es am Schluß auch ordentlich Props von Frontfrau Rosie. Verdient!

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Ballet School auf der Mainstage am Samstag

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Sängerin Rosie von Ballet School

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Tanzende Besucher vor der Mainstage beim 17. Melt!-Festival

Ordentlich eingeheizt war es für die Isländer von FM Belfast ein Leichtes, das Publikum schon nach gefühlten zwei Sekunden auf der Bühne zum Ausrasten zu bringen. Von den “Professional Party People” hatten wir das aber auch nicht anders erwartet. Und einen besseren Hit als “Underwear” hätte es an diesem Wochenende auch nicht geben können – obwohl, “The Heat” von Jungle war auch ziemlich passend, aber dazu gleich mehr.

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FM Belfast = Ausrasten!

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FM Belfast

Erst einmal war es Zeit für eine 180°-Drehung: The Notwist sind ja nicht gerade bekannt für ihre übertriebene Gestik und Performance auf der Bühne, sondern für eine fast schon nerdige Verliebtheit in Sounds und musikalische Winkelzüge. So verloren wir uns dann eine Stunde lang gemeinsam in ihren melancholisch-schönen Songs, die nie zu enden schienen und sich in immer neue Höhen bzw. Teifen schraubten. Großartiger Auftritt!

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Bodenständig: The Notwist

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Eine Portion traumhafter Melancholie mit The Notwist

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Markus Acher von The Notwist

Auch Bodi Bill waren zu Gast, beziehungsweise ihr nicht mehr ganz so neues Projekt The/Das. Sänger Fabian Fenk erschien wohl überlegt in ein Handtuch gewickelt auf der Bühne, denn die nächste Stunde sollte er keine Sekunde stillstehend verbringen.

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The/Das im Intro-Zelt

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Unter dem Handtuch war Gott sei Dank noch eine Hose

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Fabian Fenk von The/Das und ehemaliger BodiBill-Sänger

Aber bevor es auf die Isomatte oder wahlweise zum Sleepless-Floor ging, bezauberten noch Metronomy das Publikum mit einem der sympathischsten Auftritte des gesamten Wochenendes. Da war es auch völlig OK, dass sie ihren Über-Hit “The Bay” gleich zwei mal spielten. Doppelt großes Kino!

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Der Preis für den charmantesten Auftritt geht an: Metronomy!

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“Because it isn’t Paris, and it’s not Berlin” – It’s Melt!

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Metronomy-Mastermind Joseph Mount

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Synchrontanz und Synchronkleidung at it’s best

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Metronomy

 

Großartiger Abschluss am Sonntag

 

Und der Sonntag so? Der war eigentlich nur einer Band gewidmet: Portishead. Das ist natürlich ein bisschen gemein den anderen Bands gegenüber, aber das war beim Auftritt von Björk vor einigen Jahren auch nicht anders. Wäre das Melt ein Drei-Gänge-Menü, dann wären sie an dem Tag eben der Hauptgang gewesen. Plus Dessert. Ein großes Dessert. Mit Topping und Glitzer (warum auch immer).

Aber erst einmal ganz easy. Nach dem unheimlich energischen Auftritt von Elliphant (wie hat sie das in der Hitze nur gemacht?) kam der entspannte Amerikaner und das Sprach-Genie John Grant gerade recht, damit man ein wenig Luft holen konnte.

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Ein Sprachen-Tausendsassa: John Grant

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Grant sorgte für entspannte Atmosphäre auf der Mainstage

Danach gab es die inoffizielle Hymne des diesjährigen Melt-Festivals: “The Heat” von Jungle. Hier konnte man sich noch mal irre tanzen, bevor man anschließend zum Hauptact des Abends ging.

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Jungle heizten das Intro-Zelt ein

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Jungle

Portishead. Brauchen wir eigentlich nicht viel zu sagen. Wer erst einmal googeln muss, ist selber Schuld. Viele Besucher sind am Sonntag wahrscheinlich nur wegen der Band um Geoff Barrow angereist. Zu Recht. Eine beeindruckend minimalistische Show mit exzessiv genutzter Videoleinwand, in deren Vordergrund die treibenden und atmosphärischen Sounds der Band sowie der unverkennbare Gesang von Beth Gibbons standen. Gänsehaut pur, vom ersten bis zum letzten Klang. Auch die Band selbst war ziemlich begeistert, Gibbons freute sich am Ende wie ein kleines Kind. Kein Wunder, dass es noch eine Zugabe gab.

Wer vorher schon abgereist war, darf sich an dieser Stelle getrost in den Allerwertesten beißen und nebenbei “Machine Gun” laufen lassen.

 

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Portishead mit standesgemäßer Leinwandbespielung

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Portishead verzauberten das Publikum Sonntag Nacht

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Portishead-Sängerin Beth Gibbons

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Adrian Utley in seinem Element

Ach ja, Bombay Bicycle Club gab es auch noch. Ganz zum Schluss, quasi als Rausschmeißer. Irgendwie gemein. Aber trotzdem sehr schön. Und sie waren vermutlich die einzige Band vom Wochenende mit echten Groupies. Verrückt!

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BBC-Sänger Jack Steadman

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Bombay Bicycle Club lieferten ein gewohnt perfektes Konzert

Und während die letzten Beats vom Sleepless-Floor verklingen, wir unseren Sonnenbrand verarzten und den Glitzer aus den Haaren spülen, schauen wir schon in den Kalender, um die Tage zu zählen, bis wir uns wiedersehen. Unter den großen Kränen im Herzen Mitteldeutschlands.

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Tschüss Melt!

(Alle Fotos © Torsten Porstmann)