Chris und seine Videoshow...

Chris und seine Videoshow...

Vorsicht, jetzt wird es subjektiver, als ein Blog eh schon von der Definition her ist. Das kann man schon daran erkennen, dass ich hier versuche, Sachen zusammenzupacken, die nicht so wirklich passen. Jedenfalls kann ich mir kaum vorstellen, dass Chris Cunningham und die Jungs von Slagsmålsklubben heute gemeinsam gefrühstückt haben.

Melt! 2010, Samstag nacht. Es ist dunkel auf der Bühne der Mainstage. Ein langhaariger Schatten schwirrt vorrüber, es könnte ein weiterer Bühnentechniker sein. Das Publikum will, dass es Chris Cunningham ist und applaudiert. Der Schatten blinkt mit seiner Taschenlampe kurz zurück und signalisiert: Ich bin’s, und schon verschwindet er hinter einem Turm von Festplatten, Rechnern und Videomischern. Die Show beginnt. Es kommt, was ich als Bildsprache Cunninghams kenne. Es ist hart, es ist laut, es ist krass. Nach einigen Minuten überrascht mich ein harter Schnitt auf das friedliche Bild von Insekten, sie schwirren in Farbe und lautlos. Dann geht die Maschine weiter. Bis Cunningham in blauem Spotlicht die Bühne verlässt. Die Show ist vorbei.

Ich habe die Vermutung, dass der kreative Prozess irgendwo dahinten, hinter Techniktürmen und Kinoleinwänden stattgefunden haben muss, aber ich bleibe mit meinem mediatechnischen Halbwissen allein zurück und habe die Wahl: Mich entweder vor einem Videoguru und seiner Bildkunst ehrfurchtsvoll zu verneigen oder von technischer Präzision gelangweilt meiner Wege zu gehen.

Melt! 2010, Samstag, 17. Juli | Chris Cunningham live

Melt! 2010, Samstag, 17. Juli | Chris Cunningham live

Melt! 2010, Samstag, 17. Juli | Chris Cunningham live

Melt! 2010, Samstag, 17. Juli | Chris Cunningham live

Melt! 2010, Sonntag nachmittag. Slagsmålsklubben stürmen auf die Bühne. Die Electronicer entpuppen sich als Kollektiv. Sieben sympathisch-nerdige Jungs verteilen sich auf vier Tische, die mit Synthesizern, Labtops und Elektronikkonsolen vollgestellt sind. Aber anstatt dahinter abzutauchen, tasten sie und schrauben und tauschen die Plätze und lassen in diesem organisierten Chaos jenen verspielt-seltsamen Electrosound entstehen, den ich bei ihrem ‘Brutal Weapon’ so lieben gelernt habe. Und Slagsmålsklubben haben sogar einen Bildungsauftrag: “We have analog synths, hi-filter, lo-filter and saws. Please demonstrate!” Und weiter geht’s. “And now the base.”

Das Zelt tanzt. Und ich hebe meinen Becher Mango-Lassi und spreche einen Toast aus auf die analoge Frequenzweiche!

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live

Melt! 2010, Sonntag, 18. Juli | Slagsmålsklubben live