MM

Am Mittwochabend dieser Woche, im Berliner Tempodrom, war es so weit: Marilyn Manson lässt seine Wahlheimat wieder mal spüren, was er und Band live zu bieten haben.

Fangen wir mit der Vorband an: esOterica, da ich mir nach einem MySpace-Eindruck jede weitere Konfrontation mit dieser Band sparen wollte, war’s das auch schon mit der Vorband.

Genau aus diesem Grunde kam ich pünktlich an, um den Start vom Schockrocker persönlich nicht zu verpassen.Von den vielen Eingänen des Tempodroms war nur noch einer zugänglich und selbst an dem musste ich mich durch klopfen bemerkbar machen, um noch reinzukommen. Ich hab mit viel zu viel Menschenandrang, schlechtem Stehplatz ohne guter Sicht und kaum Platz zum Atmen gerechnet. Doch so was? Das Tempodrom hat eine Kapazität für bis zu 3500 Zuschauer. Im Innenraum musste gestanden werden und auf der trichterförmigen oberen Ebene gab es haufenweise Sitzplätze. Die zu fast 60 % besetzt wurden. Wow! Selbst im Innenraum gab es Platz, um weitere nichteintreffende Menschenmassen unterzubringen. Was ist denn hier los? Mr. Manson schafft es nichtmal mehr 3500 Personen anzuziehen? Witzigerweise liegt der Grund nicht in Berlin, denn auch die danach folgenden Städte wurden von dem Andrang heimgesucht, was sich dadurch äußert, dass das Publikum keine großen Hallen, sondern die etwas kleineren Brüder aufsuchen muss.
Frei nach dem Motto: „Wie, ich bin hier falsch? Der sollte hier doch heute spiel’n!“ „Tja, verlegt.“

„Wie, ich bin hier falsch? Der sollte hier doch heute spiel’n!“ „Tja, verlegt.“

Es ist 21 Uhr und wir beginnen das Spektakel mit „Cruci-Fiction in Space“. Ein Song aus der „Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)“ Ära, welches mitunter eine seiner Besten war. Hachja, die alten Platten, die waren noch toll. Weiter im Text: Auf jeden Song folgte ein weiterer, bis wir bei insgesamt 14 ausgespielten Songs gelandet sind. Siehe Setlist:

Cruci-Fiction in Space
Disposable Teens
Pretty as a Swastika
Irresponsible Hate Anthem
Four Rusted Horses
Devour
Dried Up, Tied and Dead to the World
Coma White / Coma Black
The Dope Show
We’re From America
Rock is Dead
Sweet Dreams (are made of this)
If I Was Your Vampire
The Beautiful People

Wie man anhand der Liedauswahl erkennen kann, war es eine sehr „albumausgewogene“ Songselektion. Definitiv jedoch zu viel des Guten. Bei bisher 7 veröffentlichen Alben, hätten es weitaus mehr alte Songs treffen dürfen.
Die Bühnenshow, wenn man das abgelieferte so nennen darf, hat mich diesmal leider wenig umgehauen. Keine besonderen Hilfsmittel, kein tausendfacher Kostümwechseln, naja. Das letzte mal, als ich die Band um den netten Herren Brian Hugh Warner live erlebt habe, war dies zum vorhergehenden Album: „Eat Me, Drink Me“. Da wurde weitaus mehr Wert auf das ganze Auftreten und die Präsenz gelegt, aber diesmal? Kein Geld? Keine Lust? Woran es lag, weiß ich nicht, aber mehr hätte auf alle  Fälle sein können!  Wie das bei solchen Abendlichen Veranstaltungen leider auch üblich ist, sind sie schneller vorbei, als einem lieb ist. So auch heute. Für den Ausklang musste fürs berliner Publikum, der fast bekannteste Titel: „Beautiful People“ herhalten. Wer kennt ihn nicht. Die Massen toben, singen mit, zum Ende gibt’s noch ein Konfetti-Gewitter und das wars.! What the F*ck? Ein Blick auf die Uhr gibt mir Preis, was ich nicht aussprechen wollte. Es ist 22.24 die Lichter und Rauswerfmusik gehen an, das sitzende Volk erhebt  und bewegt sich gen Ausgang. Und jetzt? Früh genug, um den Tag noch anderweitig zu einem guten Ende zu bringen.

Fazit: Bei dem Kaliber als Superstar, was der gute Herr immer werden wollte, hätte man ein ausverkauftes Konzert erwartet. Aber dementsprechend gut hätte die letzte Scheibe auch sein müssen!