Tanzen, bangen, feiern, zittern – das Landesfinale von Local Heroes war für die Bands eine emotionale Achterbahnfahrt. Der Wettbewerb ist die Chance für Nachwuchsmusiker, auf einer große Bühne zu spielen. Am Freitag legten sich sieben Bands aus dem ganzen Bundesland ins Zeug, um am 5. November beim Bundesfinale in Salzwedel gegen die besten aus ganz Deutschland antreten zu können. Doch nur einer kann Sachsen-Anhalt vertreten.

Bands wie Tokio Hotel, Madsen oder Schmutzki sind schon aus dem Contest hervorgegangen. Doch auch wer nicht weiterzieht, kann von dem Auftritt bei Local Heroes profitieren: Neben der Chance, auf einer großen Bühne zu spielen, bekommen die Musiker ein professionelles Coaching mit X-Factor-Sieger David Pfeffer, der auch in der Jury vertreten ist. Hierzu gehören außerdem Tim Gerrits, Singer/Songwriter aus Magdeburg, Lina Burghausen von Mona Lina (PR Coaching), Torsten Kieling, Musikredakteur bei Sputnik, Gunter Lutze von der Modern Drum School in Merseburg und DJ Alex Ninow. Wie die Bands beim Landesfinale performten, haben wir hier für euch festgehalten:

Sin Arrest

Sin Arrest  © Nils Nedel

Sin Arrest
© Nils Nedel

Man hat es nie leicht, als erste Band des Abends zu starten. Dieses Los zogen die Jungs von Sin Arrest. Schon auf Facebook gab es von Seiten der Fans Beschwerden. Da dies nicht zu verhindern war, brachten Sin Arrest ihre Show knallhart über die Bühne. Es waren eindeutig Nu Metal Elemente, die man von Limp Bizkit kennt, zu hören und zu sehen. Fabio, der Sänger der Band, wollte den Zuschauern zu Beginn des Abends richtig einheizen, weswegen er von der Bühne sprang und einen Jutebeutel voller Konfetti in die Menge schmiss. Die arme Person, die zum Schluss alles wegfegen musste… Insgesamt ein solider Auftritt!

- Marvin

Sonjas Cosmos

Sonjas Cosmos  © Nils Nedel

Sonjas Cosmos
© Nils Nedel

Stimmgewaltig, emotional, ehrlich und authentisch – allein mit einer Gitarre zog die Singer/Songwriterin Sonja die Zuschauer in ihren Bann. „Ich würde jetzt eigentlich sagen, jetzt wird es etwas ruhiger, aber eigentlich ist bei mir heute alles eher ruhig“, scherzte die sympathische Sängerin und spielte damit auf ihre Konkurrenten an, die zum großen Teil laute, schnelle Rockmusik und Metal mitbrachten. Man merkt Sonja ihre langjährige Bühnenerfahrung an, wenn sie alles aus ihrer Stimme und der Gitarre rausholt. Es ist nicht das erste Mal, dass sie bei Local Heroes auftritt: Bereits 2011 machte sie den zweiten Platz im Landesfinale. Dafür wirken ihre Ansagen bescheiden, wenn nicht sogar etwas zurückhaltend. Sie spielt mehr für sich allein und interagiert wenig mit dem Publikum. Die Zuschauer schien das jedoch kein Stück zu stören und sie wirkten mitgerissen von ihrer kräftigen Stimme und den emotionalen Texten.

- Sarah

Zwischenspiel

Zwischenspiel  © Nils Nedel

Zwischenspiel
© Nils Nedel

Eine Gitarre, ein Keyboard und zwei junge Männer, die zweistimmig singen – das sind Alexander Kiel und Johannes Kuschick alias Zwischenspiel. Bisher sind die beiden häufig mit Cover Songs aufgetreten, doch mittlerweile haben sie ihre eigenen Songs am Start. Als Singer/Songwriter sind ihre Texte autobiografisch und authentisch, ihre Melodien melancholisch und emotional, zum Teil muten sie auch etwas kitschig an. Ihre Performance ist etwas in sich gekehrt, was das Publikum trotzdem nicht davon abhielt, sich von den Liedern in ihren Bann ziehen zu lassen. Musikalisch sind Zwischenspiel gut ausgebildet: Beide haben eine Gesangsausbildung absolviert und waren schon im Kabarett tätig. Insofern scheint Local Heroes als Bühne für Newcomer jeglicher Richtungen neues Terrain mit einem neuen Publikum für die Jungs zu sein. Dafür konnten sie die Zuschauer jedoch schnell für sich gewinnen und mit ihrem Können überzeugen.

- Sarah

…Auch!

...Auch!  © Malte Schmidt

…Auch!
© Malte Schmidt

Eindeutig die speziellste Band des Abends – vom Digeridoo-Solo zum Dummy-Kostüm bis hin zu einer leuchtenden Tom, auf die Wasser gegossen wurde. Durch die bunten Spritzer fühlte man sich ein wenig wie bei der Blue Man Group. Die fünf Jungs machten auf jeden Fall die meiste Stimmung auf der Bühne. Mit ihrem Alternative Rock brachten sie das Publikum zum tanzen und feiern.

- Marvin

The Great Meltdown

The Great Meltdown  © Nils Nedel

The Great Meltdown
© Nils Nedel

Fakt ist, dass die Verschiedenheit der Genres beim Local Heroes Landesfinale eindeutig erkennbar ist. Nach Singer/Songwriter und Alternative Rock kommt nun The Great Meltdown mit „Technical Melodic Deathmetal“. Was das heißt? Jede Menge Blastbeats, tiefe Growls, hohe Pig Squeals und schnelle Gitarrenriffs. Einige Verspieler hier und da waren leider nicht vermeidbar. Ich hätte mir ein paar mehr Clean Parts gewünscht. Gerade solche fand ich äußerst interessant und haben mich an die Post Hardcore Band „Northlane“ erinnert. Mit ein wenig mehr Ideen können The Great Meltdown bestimmt ganz groß werden.

- Marvin

Bolte

Bolte  © Nils Nedel

Bolte
© Nils Nedel

Rockige Gitarren, abwechslungsreiche Melodien und gesprochene Zeilen machen die Musik von Bolte aus. Bereits im Vorausscheid in Magdeburg konnte Bolte mit ihrer dynamischen, mitreißenden Performance überzeugen. Seitdem haben die Jungs noch einen drauf gelegt und ihr Zusammenspiel weiter ausgebaut. Dafür hat ihre Bühnenshow am Freitag etwas an Dynamik eingebüßt. Highlight der Performance war die zusätzliche Percussion von Sänger Felix mit leuchtenden Drumsticks auf einer Tom. Die starke Ausstrahlung der Jungs übertrug sich auch aufs Publikum, in dem sich eine große Bolte-Fanbase tummelte. Beim Song „Miss Getaway“ hüpften zwei der Fans mit Textzeilen zum Mitsingen auf Schildern vor der Bühne herum. Bolte interagierten mit dem Publikum, animierten es zum Springen und sicherten sich so Sympathiepunkte. Apropos Sympathie: Die Jungs standen bei jeder der anderen Bands vorn unter den Zuschauern dabei und tanzten mit.

 - Sarah

MacCallister

MacCallister  © Nils Nedel

MacCallister
© Nils Nedel

Technisch gesehen waren MacCallister die beste Band des Abends. Die Jungs werden ja schon über Hardcore Worldwide, der Hardcore Plattform schlechthin, promotet. Die emotionsgeladenen Songs erinnerten mich stark an Counterparts. Auch hier hätte ich mir ein paar melodiösere Riffs gewünscht, um ein wenig Abwechslung nach dem ganzen Gitarrengeschrammel zu bekommen. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit der Leistung der Jungs und kann mir gut vorstellen, sie demnächst auf Support Tour mit The Ghost Inside oder Counterparts zu sehen.

- Marvin

Die Entscheidung

Während die Jury sich zur Beratung zurückzog, gehörte 3Viertelelf die Bühne. Mit ihrer Band kann die Magdeburgerin Angela Peltner schon auf eine kleine Erfolgsgeschichte zurückblicken, in der sie beispielsweise beim Bundesvision Song Contest aufgetreten ist. 3Viertelelf brachten die Zuschauer mit Gute-Laune-Popmusik zum Tanzen und unterstützten mit ihrer Performance die Newcomer der Region.

3viertelelf  ©Nils Nedel

3viertelelf
©Nils Nedel

Nach dem Auftritt von 3Viertelelf gab die Jury die Sieger bekannt. Das Publikum konnte für seinen Favoriten abstimmen. Dieser wurde bei der Entscheidung der Jury mit einbezogen. Die meisten Stimmen aus dem Publikum erhielten die Jungs von Bolte. Tim Gerrits verkündete, dass die Jury viel diskutiert habe und die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Schließlich überzeugte Bolte jedoch auch die Juroren und wird Sachsen-Anhalt beim Local Heroes Bundesfinale am 5. November in Salzwedel vertreten.

Bolte  © Nils Nedel

Bolte
© Nils Nedel

Der Wettbewerb Local Heroes feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Passend dazu könnt ihr bis zum 25. September noch die Ausstellung zu 25 Jahren Popmusikgeschichte im Landtag in Magdeburg bewundern.

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Sarah Düvel und Marvin Jiménez