Wenn im sonst eher stillen Westerhüsen Gitarrensound durch die Dunkelheit schallt, wenn freundschaftlich mit Bier angestoßen wird und man gemeinsam über Bandnamen rätselt, dann ist der Local Heros Bandwettbewerb wieder in Magdeburg. Vier Bands stellten sich im Vorausscheid am 31. August 2017 der Jury – und sogar zwei ziehen weiter ins Landesfinale. Dieses Jahr entschied FATBAM den Wettbewerb für sich. Die Wildcard ging an Brain Funk. Franzi stellt euch alle Bands des Abends vor:

Brain Funk

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Vor kurzem noch zu fünft, rockten Brain Funk zu viert die Bühne. Seit April übernimmt Christian (Hirschi) neben der Gitarre auch noch den Gesang. Neben ihm rocken Leon, ebenfalls an der Gitarre, und Jakob an den Drums. Katha komplettiert die Viererkombo am Bass.

Seit knapp zwei Jahren spielt die Band zusammen. Christian hatte 2015 einmal Musiker für einen Gig gesucht und sie sind geblieben.

Ihre Musik beschreiben sie selber als eine Art Pop-Punk. Dabei beziehen sie ihre Inspiration aus verschiedenen Genres, von Pop bis Black Metal. Auch Bands wie Sum41 und Slipknot dienen als Vorbild. Heraus sticht aber ihr gut verpackter Green Day Sound.

Dem Namen haben sie einer Freundin von Hirschi zu verdanken. Die spielte ursprünglich mal mit verschiedenen bekannten Bandnamen, indem sie sie einfach rückwärts sprach. Christian fand diesen „Hirnschiss“, wie er ihn nennt, witzig und gab dieses Wort prompt beim Google Tanslater ein. Heraus kam Brain Funk. Wie es sich für richtige Rockstars gehört, hat die Band auch coole Anekdoten auf Lager. Auf einem Gig bei einem Festival in Köln haben sie einen Bierkasten mitgehen lassen und sich dann später darüber hergemacht. Natürlich nicht einfach so. Ziel war es, das Intro von „Die Tribute von Panem“ auf Bierflaschen zu spielen. Wer den Ton versemmelt hat, musste die Flasche austrinken und es mit einer neuen probieren. Ganz schön suffig der Abend.

Aktuell haben sie ihre Energie aber nicht in das Trinken von Bier gesteckt, sondern in die Produktion ihres ersten Albums. Das ist gerade erschienen und hört auf den Namen „Modern Hell“.

Bei den Local Heros machten sie den Anfang und legten schon mit der ersten Nummer „Cheeky Fist“ ein ordentliches Brett hin. Das Publikum war vom ersten Moment an dabei und klatschte ordentlich mit. Mit „Nothing New On Cherry Way“ singt Christian über seine Arbeit in einer Tankstelle am Kirschweg in Magdeburg und versteht es, seine Geschichte gut zu verpacken.

Die vier haben eine energiegeladene Show geboten, bei der es kaum Verschnaufpausen gab. Kein Wunder also, dass die ersten 25 Minuten schnell um waren.

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6AM

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Die Drums zu spielen, ist eine ziemlich coole Sache, dachte sich auch Sandra. Sie gibt bei 6AM den Ton an. Frontmann Thomas singt und spielt Gitarre. Auch Daniel zupft die sechs Saiten mit Vorliebe. Komplettiert wird das Vierergespann von Max am Bass. Von den vier Bands des Abends spielen sie schon am längsten zusammen, nämlich seit 2011.

Sandra hatte damals mit einem Schulfreund zusammen angefangen und über StudiVZ dann neue Bandmitglieder gefunden. Thomas fand einen Aushang der Band am Mediziner-Wohnheim und so war die Band dann vollzählig. Sandras Schulfreund ist mittlerweile nicht mehr dabei – er wählte aber der Bandnamen und der ist so geblieben.

Der Sound der Band ließ sich schwer festlegen. Sie beschreiben ihre Musik selber als einen Mix aus Alternative und Grunge. Dabei greifen sie aber auch Elemente aus anderen Genres auf. Den coolsten Moment erlebt sie, als sie ihr erstes Konzert überhaupt und dann auch noch in der Factory von knapp 300 Leuten spielten. Eine besondere Feuertaufe, denn zu diesem Zeitpunkt war Thomas gerade eine Woche dabei.

Als zweite Band spielten die vier dann beim Local Heros Vorausscheid dann ihr 25-minütiges Set. Dabei konnte der Sänger mit einer warmen, jungen und interessanten Stimmfarbe begeistern. Waren es Anfang doch eher ruhigere Töne, wurde zum Ende doch richtig gerockt. In der Band steckt Potential, welches noch nicht ganz ausgeschöpft ist. Vielleicht trauen sie sich demnächst noch mehr zu.

Auftritt von 6AM beim Local Heroes Vorausscheid 2017 in Magdeburg.

 

FATBAM

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Für die Überraschung und den Sieg sorgten die fünf Jungs von FATBAM. Mit ihren deutschsprachigen Liedern konnten der Sänger Eric, die Gitarristen Maik und Alex, Dominik am Bass und (6-)Pat an den Drums überzeugen.

Die Jungs klingen, als würden sie schon sehr lange zusammen Musik machen. Tatsächlich gibt es die Band so erst seit 2016. Davor hatte der ein oder andere aber Solo-Projekte. Maik kam sogar erst im Januar dieses Jahres dazu. Wie es sich für eine Rockband gehört, haben sich die Jungs nach und nach übers Biertrinken kennen und lieben gelernt.

Sie nennen ihre Musik selbst Happy-Metal und holen sich Inspiration bei Montreal oder der amerikanischen Band Sunrise Skater Kids.

FATBAM steht übrigens nicht für einen lauten Knall oder ähnliches. Beim Brainstorming zum Bandtitel wurde ein Kriterienkatalog festgelegt. Drei Merkmale musste der Bandname haben. Er sollte zwei Silben haben, ein Eigenname sein und für den Begriff „Ossi“ stehen, denn all Bandmitglieder kommen aus den neuen Bundesländern. Was liegt da näher als die gute alte Fettbemme… Nichts! Und deswegen heißt die Band jetzt FATBAM.

Auf der Bühne beim Local Heros Vorausscheid überzeugten sie mit Bärten in gefühlt allen Formen und Farben sowie ihren coolen Texten. Das Musik für die Jungs wichtig ist, hat man ihnen beim Auftritt absolut abgenommen. Sie wirken sympathisch und bodenständig.

Kindheitserinnerungen haben sie definitiv mit dem Song „Benjamin Blümchen“ geweckt, bei dem das Publikum ordentlich mit „törööööte“.

Kurzum, die Band hatte das Publikum mit ihrem mehrstimmigen Gesang und den witzigen Kommentaren voll im Griff. Ein verdienter Sieger.

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Kakerpapers

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Zum ersten Mal auf einer so „großen“ Bühne haben die Kakerpapers gespielt. Die Jungs um den Sänger Fabi spielen eine Art deutschsprachigen Garagen-Rock. Ihrer Meinung nach finden auch Bands wie Feine Sahne Fischfilet Einfluss in ihre Musik.

Kakerpapers sind keine Windeln, sondern ein Ausdruck für Klopapier. Danach hat eine Bekannte der Band nämlich öfter gefragt, wenn sie mal ums Eck musste. Die Jungs fanden es anscheinend gut.

Ihr Auftritt war der erste öffentliche überhaupt für sie. Dafür machten sie ordentlich Stimmung und hatten ein Debüt, das sich definitiv sehen lassen kann.

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Sarah: Insgesamt waren alle Bands an diesem Abend sehr stark. FATBAM sicherten sich mit ihrer mitreißenden Show zwar den Platz im Landesfinale, aber es profitieren alle Bands von ihrem Auftritt: Am Ende bekommen alle ein konstruktives Feedback von der Jury, um in Zukunft gezielt an ihrer Musik zu arbeiten. FATBAM als Sieger erhalten außerdem ein Bandcoaching mit David Pfeffer, Lina Burghausen und Christoph Eisenmenger mit Workshops zu den Themen Bühnenperformance, PR und Bandfotografie. Zwar ist auch die Enttäuschung nicht in allen Gesichtern zu verbergen, aber dort stehen auch die Freude über die geilen Shows und Entschlossenheit, weiter an der Performance und Professionalität zu arbeiten. Denn dies steht bei Local Heroes im Vordergrund: das Fördern von Nachwuchskünstlern.

Wir freuen uns auf das Landesfinale am 16. September im Moritzhof in Magdeburg! Mit dabei sind bisher nicht nur FATBAM und Brain Funk aus Magdeburg, sondern auch Elephant’s Foot sowie die zweitplatzierten Crooked vom Vorausscheid in Halle, MARTHE als Siegerin vom Handcraft Music Award und DenManTau als Special Guest.

Franziska Meier & Sarah Düvel