Die Schlange ist so lang wie eine Ewigkeit. An diesem Club steht heute die ganze Stadt an und jeder möchte rein.
Direkt über dem Eingang stehen drei Worte: „Bombay Bicycle Club“. Hier wird gerade ein neuer Hype geboren. Ein Hype, der keinem Londoner mehr die Schuhe ausziehen wird, denn Bombay Bicycle Club sind in der britischen Hauptstadt schon lange bekannt.
Diese drei Worte, die eine indische Herkunft vermuten lassen aber kleine haben, prangen an einem deutschen Indieclub in Berlin. Hier wird eine Band präsentiert die dir deine Schuhe ausziehen wird, denn deine Tanzsohlen werden glühen.

Hier wird eine Band präsentiert die dir deine Schuhe ausziehen wird, denn deine Tanzsohlen werden glühen.

Genug mit den Superlativen. Die Band um Sänger Jack Steadman ist mir eine der Liebsten geworden. Seit ihrem Debüt „I Had The Blues But I Shook Them Loose” bin ich ein Fan der Briten und sehne mich nach jeder neuen Platte. Was die vierer Combo so anders macht im Vergleich zu den gefühlten drei Millionen anderen Indie-Kapellen?
Das Kopfkino das Bombay Bicycle Club in meinem cinematographischen Gehirn zaubern ist ein anderes. Nein, es ist überhaupt erst ein Kopfkino, denn viele Bands langweilen mich oder berühren mich schlicht nicht. Ohne Berührung gibt es auch kein Kopfkino.
Bombay Bicycle Club berühren mich und darum gibt es quasi zu jedem Song der Band auch ein Musikvideo in meinem Kopf. Die band-eigenen Videos zu ihren Songs sind oft ganz andere Filme, als die in meinen Gedanken.

Ohne Berührung gibt es auch kein Kopfkino

Was habe ich nicht schon erlebt zu ihren Songs. Lange Wege zu „Always Like This“, Streitereien zu „Evening / Morning“ oder der Spielfilm zu „Cancel On Me“. In Gedanken lebe ich mich aus zu den Songs der Band und mache mir meine eigenen Musikvideos.

Bei detektor.fm habe ich in einem Interview das Video zu Carry Me zum Musikvideo der Woche erklärt. Wieso? Das hört du hier

Zum vierten Mal ist es nun also soweit und Jack, Jamie, Suren und Ed haben da etwas für dich und mich im Gepäck. Mit „So Long, See You Tomorrow“ erscheint im Januar das neue Album der Band, die lange Tage im Studio scheut, wie mein Hund das Wasser (leider).
Das Video zum Song „Carry Me“ ist ein erster Vorgeschmack auf ein Album, dass vermuten lässt viel elektronischer zu werden, als alles zuvor Gehörte von Steadman & Co.

Let’s make it bombay!

In einem Interview mit Jack hatte ich vor kurzem die Gelegenheit zu fragen, ob das vierte Album ein Elektroschlager wird. „Nein wir machen nicht plötzlich Elektropop, auch wenn die ersten Songideen keine einzige Gitarre vorgesehen hatten.“ So Jack. „Unsere Songs entwickle ich immer am Laptop und nutze dabei nur elektronische Sounds und Effekte. Die Songgerüste müssen wir dann gemeinsam als Band zu einem Bombay Bicycle Club Song machen. Ich sage immer ‚Let‘ s make it Bombay‘.“ Scherzt der Sänger der Band. Auf  „So Long, See You Tomorrow“ wird es exotisch, sprich sehr bombay, zu gehen. Die erste Single „Carry Me“ lässt schnell vermuten das Bollywood, das indische Kino und insbesondere die dazugehörige Musik, ihren Einfluss auf Bombay Bicycle Club hatten.
Ganze Songs aus indischen Filmen sampelten die Briten, jagten sie durch den Mixer und arrangierten sie neu. Geblieben ist eine musikalische Materialschlacht, die ich dir nur ans Ohr legen kann.
Fazit:
Eine Materialschlacht, die mir ab kommenden Jahr regelmäßig neue Filme in meinem Kopfkino aufführen wird.