Am Stausee Rabenstein in Chemnitz können Musikfreaks in der Sonne chillen, bei Konzerten und Partys wild abgehen oder mit Kraftklub Flunkyball spielen. Das Kosmonaut Festival bietet eine ganz besonders familiäre Atmosphäre: Es ist ein Festival für Freunde mit viel Liebe. Doch wie schon bei einigen Festivals in diesem Jahr machte das Wetter auch dem Kosmonaut einen Strich durch die Rechnung.

Am Nordrand des Erzgebirges liegt Chemnitz – Heimat von Bands wie Playfellow, Bombee und Kraftklub. Spätestens seit dem Song „Karl-Marx-Stadt“ hat der Rest Deutschlands die Stadt in Sachsen auf dem Schirm. Aber Kraftklub besingen ihre Heimat nicht nur, sie laden auch Fans und Freunde auf ihr eigenes Festival dorthin ein. Dieses Jahr ging es in die vierte Runde: Die Dauer wurde mittlerweile von einem auf zwei Tage verlängert. Das bedeutet: mehr Bands, mehr DJs, mehr Party.

Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Eine Besonderheit des Kosmonaut Festivals ist außerdem der geheime Headliner: Der Slot für den Hauptact am Samstag um 22:40 Uhr ist freigehalten, doch keiner weiß für wen. Normalerweise zieht die Veröffentlichung der Namen großer Künstler im Vorfeld viele Besucher zu einem Festival, doch Kraftklub und die Veranstalter machen eine Überraschung für die Besucher daraus. Dafür können sie vorher wetten, wer letztendlich auf der Hauptbühne steht: Auf der Website des Festivals standen 50 Bands zur Auswahl. Ganz oben mit dabei: Deichkind, Annenmaykantereit und K.I.Z. Zu gewinnen gibt es dabei Tickets fürs nächste Jahr.

Freitag. Die ersten Fans sind schon zur Öffnung des Zeltplatzes um 8:00 Uhr angereist, die anderen stehen (so wie wir von pop10) im Stau und erreichen das Festival erst am Nachmittag. Die Sonne meint es gut: das Thermometer sprengt die 30°C und Sonnencreme gehört zur Festivalgarderobe – genau wie die T-Shirts von Casper. Der Künstler kündigt sein neues Album mit dem Releasedatum am 23.09. an und verteilt mittags Shirts mit dem Aufdruck LLDT (steht für den Albumtitel Lang lebe der Tod) vor dem Festivalgelände. Fans mit weißen Casper-Shirt gehören nun zum Festival-Repertoir. Jungs in Badehosen und Mädchen im Bikini tanzen über Zeltplatz und Festivalgelände. Bei den Temperaturen ist der See wortwörtlich zum Glück nur einen Katzensprung entfernt. Daneben gibt es auch eine Seilbahn, mit der Festivalbesucher nur an einem Seil von Tower zu Tower flitzen können.

Seilbahn. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Seilbahn. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Bei Sonne, guter Musik und See herrscht eine ausgelassene Stimmung. Zwischen den Auftritten auf der Hauptbühne können Besucher auf einer kleinen Bühne am Eingang ihr Herzblatt finden – nach dem Prinzip der gleichnamigen Show. Wer zur Presse gehört, Veranstalter oder Bands kennt, hat Zugang zum Freunde-Bereich. Hier können Künstler und Freunde ebenfalls am See chillen, baden und gepflegt ein Bier trinken.

Ab 14:00 Uhr spielt die erste Band The Peters. Auch Okta Logue aus Hessen hat einen der ersten Auftritte. Itchy Poopzkid spielt wie immer spaßige Rocknummern mit viel Publikumsinteraktion und Schnipo Schranke treiben manchem Zuhörer mit ehrlichen, rohen Texten über Pisse oder Sperma die Schamesröte ins Gesicht. Headliner am Freitag ist Casper, der mit einer fetten Bühnenshow das Festivalgelände zum Beben bringt. Er tritt im Duo mit Felix Brummer von Kraftklub auf und spielt zum ersten Mal den Song Lang lebe der Tod (feat. Blixa Bargeld, Dagobert & Sizarr) von seinem gleichnamigen neuen Album.

Casper. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Casper. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Eins meiner persönlichen musikalischen Highlights war Mule & Man. Die beiden Künstler Tobias Jundt (Bonaparte) und Jose Antonio Garcia Soler (Kid Simius) rocken in Bademänteln auf der Bühne an Keyboard und Gitarre. Dabei spielen sie sowohl eigene Songs wie 10k Types of Torture als auch Evergreens ihrer anderen Bandprojekte (z.B. Anti Anti). Die kleinere noisy-Bühne wird zur großen Party.

Mule & Man. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Mule & Man. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Nach den Bands tanzen Feierwütige noch bei der Aftershowparty oder beim Siggy, einem kleinen DJ-Wagen zwischen Fressbuden und Dixiklos, wo noch bis spät in die Nacht aufgelegt wird.

Samstag. Aufgewacht, die Sonne lacht – und zwar so stark, dass es schon um 8:00 Uhr fast unmöglich ist, sich bei der Hitze noch länger im Zelt aufzuhalten. Doch so früh ziehen auch schon die Ordner über den Zeltplatz: „Sichert ihr bitte eure Zelte wegen des Unwetters?“ Unwetter? Wir hatten im Vorfeld von Regen gelesen, aber nicht von Unwetter. Die Aussicht auf ein bisschen Abkühlung kommt zunächst ganz gelegen. Nach und nach kommen mehr Leute aus ihren Zelten, schleppen sich in knappen Klamotten über den Zeltplatz und suchen Duschen und Wasserstellen auf. Bald dröhnt die erste Musik aus den Boxen der Nachbarn, die Party geht weiter. Doch bis 13:00 Uhr bleibt das Festivalgelände erst einmal zu.

Unser Moderator Tobi verteilt pop10-Aufkleber.

Unser Moderator Tobi verteilt pop10-Aufkleber.

Das pop10-Team ist Samstag nach dem Schönheitsschlaf ausgeschlafen, munter und umwerfend schön. Foto: Albrecht Elstermann, 2016.

Das pop10-Team ist Samstag nach dem Schönheitsschlaf ausgeschlafen, munter und umwerfend schön. Foto: Albrecht Elstermann, 2016.

Auf dem Zeltplatz vor dem Einlass zu den Bühnen gibt es eine kleine Arena, die abgetrennt vom Rest des Festivals ist. Hier befindet sich ein kleines Spielfeld mit Tribünen und einem Schiedsrichterhochsitz. Unser Moderator Tobi nennt ihn den olympischen Sport der Zukunft: Flunkyball. Und die Veranstalter haben für das große Flunkyball-Turnier am Samstag extra eine kleine Arena gebaut. Es wird von Kraftklub höchstpersönlich eröffnet: Zuvor konnten sich Fans online mit einem herausfordernden Kommentar unter einem Facebook-Post der Band qualifizieren. Das Besucherteam verlor sehr knapp gegen Kraftklub, die sich selbst die besten Flunkyballspieler der Welt nennen. Aber Verlierer gibt es hier nicht wirklich, denn man ist ja unter Freunden.

Mittags ziehen langsam Wolken herauf. Ein starker Schauer kommt vom Himmel. Kurz darauf hört es wieder auf, doch ein Gewitter liegt in der Luft. Der Einlass wird aus Sicherheitsgründen auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Besucher werden angewiesen, sich am besten in ihre Autos zu setzen und auch anderen Menschen ohne Auto einen Platz anzubieten. Die Festivalordner lassen niemanden den Zeltplatz verlassen. Eigentlich sollte die Stimmung gedrückt sein, doch die Festivalgänger haut das nicht so schnell aus der Bahn: Sie feiern trotzdem – und wenn nicht auf dem Festivalgelände, dann halt auf dem Parkplatz.

Einmal donnerte es krachend laut, doch bis auf ein wenig Regen über den Tag verteilt war glücklicherweise nicht mehr viel mit Unwetter. Die Konzerte starteten dann ab 17:00 Uhr. Einige Auftritte wurden verschoben, einige fielen jedoch leider auch komplett aus. Die Veranstalter scheinen sehr vorsichtig zu sein, weil es dieses Jahr bereits bei Rock am Ring und beim Southside Festival starke Unwetter und Verletzte gegeben hatte.

Für uns ging es weiter mit Drangsal: Max und Tobi quatschten im Interview über die Liebe zur Musik und die Bekanntschaft unter Künstlerkollegen. Dabei ging es auch um Wanda: Wie passend, dass auch Ray und Lukas von Wanda uns kurz darauf schon mit lustigen Anekdoten Rede und Antwort standen. Alle Interviews (inklusive Schnipo Schranke) seht ihr nächste Woche in unserer Sendung.

Tobi mit Max von Drangsal im Interview. Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Tobi mit Max von Drangsal im Interview. Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Wanda tauschen unseren Poppschutz gegen einen Tannenzapfen. Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Wanda tauschen unseren Poppschutz gegen einen Tannenzapfen. Foto: Lucienne Marie Martin, 2016.

Auch Feine Sahne Fischfilet heizten dem Publikum wieder mit Punk Deluxe, bunten Bengalos und aufblasbaren Delfinen ein. Auch Olli Schulz und Turbostaat bringen die Menge zum Toben. Als einer der Hauptacts sorgte Aligatoah für eine beachtliche, zweistöckige Show im Himmel mit Engelskostümen. Schon bald wurde enthüllt, wer der geheime Headliner ist.

22:35 Uhr. Kraftklub betreten die Bühne, bedanken sich bei allen für die fette Party am Wochenende und wünschen viel Spaß beim geheimen Act. Kurz darauf wird es dunkel. Hinter dem schwarzen Vorhang sieht man leuchtende Lichtpunkte, elektronische Musik ertönt. Ist das Deichkind? Nein, es ist „25“ von den Fantastischen Vier. Die Jungs krönen das Wochenende mit ihrer Show als gebührenden Abschied.

Als letzter Act des Festivals spielen Frittenbude auf der kleinen noisy-Bühne. Mit elektronischen, fetten Bässen lassen sie das Wochenende ausklingen. Trotz des immer stärker werdenden Regens ist das Publikum feierwütig. Es wird getanzt und gesprungen, was das Zeug hält.

Frittenbude. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Frittenbude. Foto: Sarah Düvel, 2016.

Für uns war das Festival an dieser Stelle vorbei. Trotz der Wetterlage und den verschobenen Konzerten hatten alle viel Spaß und haben auch im Regen auf dem Parkplatz gefeiert. Das Kosmonaut Festival bietet eine wunderschöne Location, viele nette Menschen, natürlich gute Musik und Nähe zwischen Acts und Fans. Es ist, was es verspricht: ein Festival für Freunde.

Mehr Bilder findet ihr in unserer Fotostrecke.