ModernWarfareDie leidige Debatte über “Killerspiele” hat neuen Brennstoff bekommen. Aber diesmal sind die beiden einstmals verfeindeten Partein plötzlich einer Meinung. Wer ist diesmal der Böse? Die Produzenten von “Call of Duty: Modern Warfare 2″

Call Of Duty: Modern Warfare 2 – Titanic der Videospiele. Nachdem sich der erste Teil des Ego-Shooters mehr als 13 Millionen Mal verkauft hatte, musste natürlich ein neuer Teil ran. Gesagt, getan: Hier kommt er!! Größer, schöner und besser sollte alles werden, eine riesige PR-Kampagne wurde aufgefahren und eigentlich zweifelte niemand mehr daran, dass wir es hier mit dem besten Shooter of all times zu tun haben. Nur hatte es zu dem Zeitpunkt noch niemand gespielt. Okay, bis auf die Cliffhanger-Mission bei E3 und Gamescom zumindest. Man hat ein paar Videos und Bilder gesehen, eine Mission gezockt aber an dem Spiel hat trotzdem niemand wirklich gezweifelt. Was sollte auch passieren, man muss ja eigentlich nur alles so machen wie im letzten Teil.

Spielerisch kann man Modern Warfare 2 auch absolut nichts vorwerfen. Es ist nicht besser als der erste Teil aber es ist trotzdem ein hervorragendes Spiel. Doch vielleicht lag da das Problem: Wie kann man ein Spiel interessant machen, das eigentlich nicht besser als der Vorgänger ist? Activision ist anscheinend nur eine Grenze eingefallen, die Modern Warfare 2 in Vergleich zum Vorgänger (und auch aller anderen Spiele) einreißen kann: die ethische. Die Mission “No Russian”  im ersten Drittel des Spiels, hat bereits einige Tage vor dem offiziellen Release eine riesige Debatte entfacht. Wer besagte Szene noch nicht gesehen hat kann sich hier ein Bild davon machen:

http://www.youtube.com/watch?v=mHPbkTtNk7g

Wir wollten etwas machen, das beunruhigt und aufregt — aber auch etwas, zu dem die Leute einen Bezug haben [...] Unsere Absicht war es daher, den Spieler so nah wie möglich an so eine Gräueltat heranzuführen. Welchen Effekt das auf jemanden hat, haben nicht wir zu entscheiden – Jesse Stern, Scriptwriter

Beunruhigen und aufregen tut diese Szene allerdings. Ein Amoklauf in einer Flughafen-Lobby regt vorallem nicht nur alle diejenigen auf, die sich eh schon über sämtliche anderen Spiele aufregen, die Gewaltdarstellungen beinhalten, sondern auch diejenigen, die solche Spiele verteidigen. Wie soll man als Videospieler eine solche Szene rechtfertigen – in einem Land das von Amokläufen jeglicher Art schon allzuviele zu bedauern hat. In Deutschland wurde zwar die Einschränkung seitens der Entwickler gemacht, dass man keine Zivilisten töten darf, die Mission erfolgreich zu absolvieren, die amerikanische Version stellt einem jedoch frei, ob man tatenlos nebenherläuft oder selbst schießt. Vor dem Beginn der Mission wird man sogar darauf hingewiesen, dass die folgenden Szenen explizite Gewaltdarstellungen beinhalten, und es wird nachdrücklich gefragt ob die Mission spielen oder überspringen möchte. Doch mal im Ernst: Man spielt einen Undercover-Soldaten, der in einer terroristischen Vereinigung untergetaucht ist und um keinen Preis auffallen darf. Wieviel Sinn macht es da ein Warnschild, das einem verbietet auf Zivilisten zu schießen. Da könnte man auch gleich schreiben: “Die Entwickler wollten das du auf die wehrlosen Menschen schießt, aber die USK sieht das anders, also darfst du nur auf  bewaffnete Polizisten schießen.” Oder: “Hey, das darfst du nur in der US-Version”

In wieweit die Mission storytechnisch Sinn macht oder nicht, bleibt Ansichtssache. Fakt ist jedoch, das der Spieler hier aktiv an einem Massaker beteiligt ist. Das hätte man auch anders darstellen können. Hier hätte ein Situation entstehen müssen, in der man Schuld und Mitgefühl entwickelt, doch das ist hier nicht der Fall. Man wird ohne Einleitung in die Flughafenlobby geschmissen und ehe man sich versieht wird losgeballert. Ein paar Minuten später ist alles vorbei und man spielt weiter. Okay, Level geschafft…

Für Videospiel-Fans bedeutet Modern Warfare 2 die akkute Gefährdung ihres Hobbys. Die Flughafen-Szene ist in aller Munde und stellt die perfekte Gelegenheit dar, Videospiele mit Amokläufen in Verbindung zu bringen. Immerhin spielt man ja da einen! Wie soll man also als Gamer sagen, das hätte nichts miteinander zu tun. Hier gibt es nichts zu beschönigen, die Szene ist schlicht und einfach nicht in Ordnung. Alles was uns Gamern bleibt, ist die Hoffnung, dass man versteht das wir uns diese Szene nicht ausgesucht haben und wir sie auch nicht verteidigen. Diesmal sind wir mit euch einer Meinung, liebe Opposition.