Rastlos, niemals eine Pause einlegen und immer auf der Suche. Wonach? Das können Jennifer Rostock auf ihrem fünften Album nicht beantworten und suchen weiter. Dafür haben sie aber ein Wort für ihre stete Suche gefunden: “Schlaflos”.
Ein Pre-Listening von Maurice Gajda

Für Jennifer Weist, Frontfrau der Wahl-Berliner, ist Schlaflosigkeit eine Sache, die sie in den letzten zwei Jahren immer begleitet hat. Sie war auf der Suche in den Clubs der Hauptstadt, auf Tour und manchmal alleine in der Nacht. Die Antwortsuche findest du nun in den 13 neuen Songs auf “Schlaflos”.

Familie Rostock ist begeistert von der neuen, eigenen, Platte und hat mich bereits einige Songs vor der Veröffentlichung hören lassen.

Ich teile die Begeisterung nicht für jeden Song der Platte.
“Blinder Passagier” zum Beispiel ist bester Einheitsbrei für die BlaBlaBlubb-Hörer im Nebenbeimedium – andere sagen Radio. Dann “Tauben aus Porzellan”. Der Weltfrieden wird herbei gewünscht. Der Song könnte auch “Coldplay trifft Helene Fischer” heißen, denn so mutet dieser Ausreißer an.

Dennoch, trotz Ausreißer, feuere ich die Platte nicht in die Ecke sondern empfehle diese zwei Tracks einfach zu skippen und sich auf die coolen Songs des Albums zu stürzen.

Fangen wir mit der ersten Single “Ein Schmerz und eine Kehle” an, die ihr vielleicht schon kennt. Jennifer Rostock Sound ‘at its best’. Hier wird der Fan bedient und jeder Newbie wird die Kombi aus Frontsau und Rockband im Hintergrund lieben.

Mehr davon bitte. Mit “Kein Bock aber Gästeliste” machen sich Jennifer Rostock an dem Musikindustrie – Business Eine auszuwischen. Selbst Teil der Industrie haben die früheren Nordlichter erkannt, dass sich tonnenweise falsche Freunde im Umkreis einer jeden erfolgreichen Band tummeln. Neben den ‘false friends’ ist der Song auch eine Abrechnung mit vielen Möchtegern-Promis die sich auf den Gästelisten der Welt verstecken und darauf hoffen die Seiten der Gala zu stürmen.
Im Song werden sie übrigens von befreundeten Künstlern wie Madsen, Feine Sahne Fischfilet und MC Fitti unterstützt.

Nicht nur inhaltlich überraschen mich die Rostocks auf “Schlaflos”, sondern auch musikalisch. Die Band hat sich weiterentwickelt und kann mit den Feinjustierungen begeistern.
Besonders der Titelsong “Schlaflos” kickt mich. Ich mag ein durchdachtes Ende im Song und genau damit kommen die Jungs von Jennifer um die Ecke. Schließe ich meine Augen habe ich manchmal sogar das Gefühl hier singt Ina Müller statt Jennifer Weist.

Mein Fazit: Hören!
Auf ihrem neusten Album üben Jennifer Rostock die große Pop-Geste , aber vergessen dabei ihre detailverliebten Fans nicht. Was bleibt ist die Frage was in den letzten Jahren bei den Bandmitgliedern privat passiert ist. Es muss viel passiert sein, denn diese neue Tiefsinnigkeit kommt nicht von ungefähr. Vielleicht frage ich mal nach wenn Jennifer Rostock demnächst auf Tour gehen.