Verträumt melancholische Musik gepaart mit einer kraftvollen Stimme: Das ist die in Berlin lebende Schwedin Adna. Auf Spotify hat sie für verschiedene Singles bereits jeweils über 3 Millionen Plays. Im Frühjahr 2017 kommt ihr mittlerweile drittes Album „Closure“ in die Plattenläden. Wir haben die 22-Jährige bei einem Konzert vom Musikkombinat im Magdeburger Oli-Kino getroffen.

2017 wirst du dein neues Album herausbringen, und man kann bereits die neueste Single daraus hören, die „Overthinking“ heißt. Kannst du uns erzählen, worum es in dem Song geht oder auch wie Leute sich mit dem Song verbunden fühlen können?

Ich habe den Song vor mehr als einem Jahr geschrieben und das ganze Album beschäftigt sich mit meinem Hintergrund, weil ich bin eigentlich gebürtige Bosnierin und in Schweden aufgewachsen. Und es sind letztes Jahr so viele schlechte Dinge in der Welt passiert, und jetzt ja auch mit der Flüchtlingssituation. Das hat mich alles inspiriert und ich hatte den Drang, diesen Song zu schreiben.

Was hast du im Allgemeinen für Motive beim Songschreiben? Wo nimmst du deine Inspiration her?

Von innen heraus, wenn man das so sagen kann. Ich denke, ich habe das Bedürfnis, Dunkelheit zum Ausdruck zu bringen.

Also sind es meistens deine Gedanken und Gefühle, die du in deinen Songs zum Ausdruck bringen möchtest?

Ja, ich denke jeder hat eine dunkle Seite in sich und wir bewältigen es auf verschiedene Weisen.

Du produzierst deine Musik selbst, du machst also auch das instrumentale Arrangement selbst, ist das richtig?

Ja, ich schreibe alles und nehme es auf, arrangiere es. Ich produziere eine Menge. Bei den Sachen, bei denen ich nicht so die Ahnung hab, frage ich einen Freund.

Wie fängst du an, deine Songs zu arrangieren? Ist da zuerst eine Melodie, ein Beat oder ein paar Akkorde? Gibt es eine typische Art, wie du beginnst?

Es kommt darauf an, manchmal geht es mit einem Songtext los, weil der selbst schon eine Melodie haben kann. Meistens habe ich einfach viele Klänge in meinem Kopf und ich versuche, mit denen etwas anzufangen.

Du sagtest bereits, dass du ursprünglich aus Bosnien kommst bzw. deine Eltern, und dass du deine Kindheit in Schweden verbracht hast. Jetzt lebst du in Berlin. Inwiefern haben deine Wurzeln Einfluss auf die Musik, die du machst?

Ich denke viel darüber nach, das ist auch der Grund, warum ich die Platte gemacht hab. Die alte, religiöse bosnische Musik inspiriert mich sehr, weil ich die Melodien sehr schön finde. Also versuche ich das irgendwie in meine Musik mit einzubringen, das inspiriert mich.

Beim Hören deiner Songs fällt auf, dass du schon sehr erfahren bist im Komponieren. Wann hast du angefangen, Musik zu machen?

Mit zehn Jahren habe ich angefangen, mehr über Musik zu lernen, aber da habe ich noch eher im Chor gesungen und Theorie gelernt. Und später dann ging ich auf ein Musik-Gymnasium und da habe ich das alles erst angefangen für mich zu entdecken. Dort habe ich auch ein paar Kurse übers Produzieren besucht. Aber ich hab vieles selbst gemacht, weil ich mag dieses „learning by doing“-Konzept, ich denke, es ist gut, etwas so zu lernen.

Wann hast du gemerkt, Musik ist etwas, das ich hauptsächlich machen möchte?

Ich weiß nicht genau, ob es mir jemals wirklich bewusst geworden ist. Ich glaube ich war so 16, 17 Jahre alt, als das Label, bei dem ich jetzt bin, mich angeschrieben hat. Die wollten mich unter Vertrag nehmen und ich wollte erst nicht. Ich weiß nicht, wie es kam, aber wie gesagt, ich hatte schon so lange mit Musik zu tun gehabt, und auf einmal konnte ich etwas hinter der ganzen Theorie erkennen.

Wie hat das Label dich kontaktiert?

Irgendwann bin ich zum ersten Mal in einem Café aufgetreten, und ich glaube, ein paar vom Label waren da. Die haben mir dann eine Mail geschrieben.

In einem Interview mit einem anderen Magazin hast du gesagt, dass es dir nicht leicht fällt auf der Bühne zu stehen, weil du schüchtern bist und dich deswegen auf der Bühne nicht so wohl fühlst. Gibt es dir trotzdem etwas, auf der Bühne zu stehen?

Ja, also natürlich liebe ich es zu singen. Singen ist wirklich etwas Kraftvolles. Aber auf der Bühne zu stehen fühlt sich sehr seltsam an, mit den ganzen Leuten, die vor mir stehen, fühlt sich das schon unangenehm an. Aber ich lerne mit jedem Auftritt dazu, und versuche, Gutes darin zu finden. Aber es erschreckt mich eher.