Blasse Haut, zerzauste schwarze Mähne, geheimnisvoller Blick und ein ausgefallener Kleidungsstil – Jack White sieht aus wie eine von Tim Burton erschaffene und von Johnny Depp verkörperte abstruse Figur. Bei Liveauftritten setzt der Mann aus Detroid auf das Verzerren von Gitarrenklängen und Überstrapazieren seiner einzigartigen Stimme. Kritiker bezeichnen ihn als den Bob Dylan unserer Zeit. Mit seinem Solodebüt beweist der Vollblutmusiker mal wieder, dass er es niemandem mehr beweisen muss.

Kinder, es ist angerichtet! John Anthony Gillis, besser bekannt als Jack White, hat aufgetischt. Nach einem ausgeklügelten Rezept hat er folgende Zutaten vermengt:

  • ganz viel Blues
  • ein wenig Folk und Country
  • einen Schuss Alternative-Rock und
  • eine Prise Punk.

Herausgekommen ist eine Art Sahnetorte für die Ohren, die den Namen einer Schusswaffe trägt: „Blunderbuss“.

Neun Jahre ist es schon her, dass die aus Jack und Meg White bestehenden White Stripes ihre Jahrhundertsingle „Seven Nation Army“ rausbrachten. Das gute Stückt wurde inzwischen von zahlreichen Musikzeitschriften zu einem der besten Gitarrensongs aller Zeiten ernannt.

Seither ist viel passiert: Jack White hat mit Raconteurs und Dead Weather Nebenprojekte gestartet, in einigen Filmen mitgewirkt, eine eigene Plattenfirma („Third Man Records“) gegründet, ein Model namens Karen Elson geheiratet, zwei Kinder gezeugt, sich wieder scheiden lassen und dann auch noch die White Stripes aufgelöst. Ganz unproduktiv war der einstige Betreiber eines Polstereibetriebs also nicht.

Den ganzen Geschehnissen setzt der wohl Berühmteste der insgesamt 11 Gillis-Sprösslinge also nun eine Krone auf, indem er sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Doch die 13 Songs der Platte sprechen nicht nur dafür, dass White heil aus der ganzen Geschichte herausgekommen ist. Sie geben auch zu verstehen, dass es sich nicht mehr “nur” um den bunt gekleideten und seltsam dreinschauenden Gitarristen der White Stripes handelt. Viel mehr begrüßt uns ein erwachsen gewordener und vor allem genialer Musik-Virtuose.

White war schon immer ein außerordentliches Multitalent, keine Frage. „Blunderbuss“ stellt aber seine schon fast lächerlich perfekte Fingerfertigkeit unter Beweis. Allein das vorhandene Instrumentenspektrum überzeugt. Jack beherrscht bekannterweise selbst allerhand Musikinstrumente: Gitarre, Orgel, Klavier, Schlagzeug, Bass… Eigentlich hätte er das gesamte Album auch allein einspielen können. Jedoch wäre Jack White nicht Jack White, hätte er keine kuriose Vorstellung von einer erfolgreichen Studioarbeit. Und so beauftragte er gleich zwei Bands: The Peacocks (eine reine Frauenband) und Los Buzzardos (ausschließlich aus männlichen Mitgliedern bestehend). White meint, dass Frauen anders musizieren als Männer und dass es diese Abwechslung zu genießen gilt. Inzwischen tourt er mit beiden Bands und entscheidet beim Frückstück, wer am Abend mit ihm auf der Bühne stehen darf.

Das neue Album ist im Grunde wie der Musikgigant selbst: verschroben, mitreißend und immer am Puls der Zeit.

Übrigens könnt ihr das grandiose Video zur Singleauskopplung „Sixteen Saltines“ in die POP10-Charts voten!

Wer das Spektakel auch live erleben möchte, sollte sich beeilen. Bald beehrt uns der 36-jährige Produzent, Schauspieler, Familienvater und Musiker gleich drei Mal:

  • 26. Juni 2012 – Berlin
  • 27. Juni 2012 – Köln
  • 05. Juli 2012 – Hamburg