Am 13. April spielten Impala Ray in der Kulturwerkstatt in Magdeburg ein wunderschönes Konzert mit einem Mix aus guter Laune, energiegeladener Bühnenperformance und Gänsehaut-Momenten. Wir haben uns mit Rainer Gärtner, dem Kopf von Impala Ray, ins Stübchen gesetzt und über die Tour, das Album, Impalas und neue Projekte gequatscht.

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Magdeburg heißt Halbzeit bei der Tour. Wie sieht’s aus, lief’s bisher geschmeidig? IR: (lacht) Ja, geschmeidig ist gut, das ist jetzt ehrlich gesagt die roughe Tour für uns. Die erste Tour die wir gemacht haben, war hauptsächlich in Süddeutschland und jetzt kommen wir quasi in Gebiete rein, wo wir noch nicht so bekannt sind. Da merkt man natürlich schon, dass da auch nicht ganz so viele Leute kommen wie im Süden. Deswegen für uns aber auch ‘ne total neue Erfahrung, mit Leuten zu sprechen, die auch mal weit weg von der Heimat sind. War jetzt schon ‘ne schöne Tour, ‘ne schöne Erfahrung.

Gab’s bisher irgendwelche Highlights? IR: Verlief bisher alles nach Plan, wir waren oben an der Küste in Flensburg und Rostock und das war geil, weil wir in Flensburg irgendwie so ‘ne Hardcore-Fanbase haben, das ist ganz witzig. Gestern in Leipzig war echt schön, weil die Stadt einfach total spannend ist. Joa, die Leute waren super freundlich und ganz ganz herzlich irgendwie.

Also seid ihr mit dem Publikum dann immer direkt in Kontakt getreten? IR: Wir reden immer mit den Leuten, während der Show auch schon ein bisschen und dann nach der Show kommen die Leute vorbei, wir quatschen ein wenig und trinken ein Bier miteinander. Ist immer schön zu erfahren, wie die Leute, die die Musik hören, so ticken, wie die drauf sind, was das eigentlich für Menschen  sind.

Das erste Album “Old Mill Valley” hast du nach deiner Heimat, dem Altmühltal benannt, das neue Album heißt “From the valley to the sea”. Willst du mit dem neuen Album quasi in hohe See stechen? IR: Das ist der Anschluss an’s Debütalbum, dass es vom Tal weiter geht jetzt in Richtung Meer. Das Meer ist im Prinzip die zweite große Sehnsucht von mir, also die Berge, das Meer und viele Songs drehen sich auch um die See. “Sailor” zum Beispiel, da geht’s um diesen alten Mann und das Meer oder “Napa” über’s loslassen, über’s absegeln. Das sind alles so Stilelemente im Prinzip.

Was dann auch in Musikvideos thematisiert wird gewissermaßen. IR: Ja, bei “One”, der erste Track vom Album, da haben wir eben diese Tour zurückgelegt, die wir jetzt beschreiben in diesem Albumtitel. Wir sind in den Bergen gestartet mit dem Bus und sind dann quasi über die Berge rüber und auf der anderen Seite in Italien am Meer rausgekommen. Das Video zeigt die Bilder dazu.

Bist du dann selbst auch Haupterantwortlicher für die Videoideen? IR: Meistens ist es meine Grundidee und die wird dann ein bisschen verändert. Da kann man hier und da noch was bringen, aber die Grundidee kommt meistens von mir.

Genau so auch bei den Songideen? Alle Songs und die musikalischen Aspekte kommen komplett aus deiner Feder? IR: Ja, Impala Ray ist ein Solo-Projekt und die Band drumherum die ist fix, das sind immer dieselben Musiker und sowieso meine Freunde. Wir machen das halt miteinander live, aber die Songs, die schreib ich. Dann hau ich die rein und sag das ist der Song und dann sagen die anderen “Ja gut, wir haben ‘ne Idee für die Tuba oder für’s Hackbrett” und so läuft das dann.

Wenn du schon Tuba und Hackbrett ansprichst – Das ist eine relativ ungewöhnliche Besetzung für Pop-Musik. Was war die Überlegung dahinter?  Ging’s tatsächlich nur um den Sound oder steckt da mehr dahinter? IR: Das eine ist Zufall, das andere ist: Ich hab die Nicola kennengelernt und die hat so schön Tuba gespielt, dass ich mir dachte “geil, das probieren wir jetzt erst mal zu zweit aus”. So ist das gestartet. Wir waren zu zweit, dann haben wir den Dominik kennengelernt, das ist ein Arbeitskollege von mir gewesen, am Schlagzeug, dann haben wir auf ‘ner offenen Bühne die Carmen kennengelernt, die hat gesungen und das war so geil, wie sie gesungen hat. Da hab ich gesagt “Ja Carmen, was ist eigentlich mit deiner Stimme los? Hey hast du Bock bei uns mitzumachen?” Sie hat erst mal nur gesungen, bis wir festgestellt haben, dass sie eigentlich aus Südtirol kommt und Hackbrett spielt. Dann hab ich gesagt “Hey bring mal in die Probe das Hackbrett mit, dann probieren wir’s mal aus”. Das hat irgendwie einen verrückten Sound gehabt und dann haben wir gesagt “Ja geil, machen wir das einfach mal”. So kam dann das Hackbrett dazu.

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Du hast gerade eben angesprochen dass Dominik ein Arbeitskollege war, da sind wir schon beim Stichwort Arbeit. Du hast deinen Bürojob hingeworfen, wie kam’s denn zu dieser Entscheidung? IR: Den Wunsch und den Traum, den hatte ich schon immer so drin die Jahre über und es ist relativ einfach, irgendwann geht beides halt einfach nicht mehr und du musst dich entscheiden. Dann hab ich halt gesagt “Mein Gott, in’s Büro kann ich mich ja immernoch reinsetzen, jetzt hab ich schon ein bisschen Kohle zusammengespart, jetzt kündige ich einfach und dann schauen wir mal was so geht mit der Mucke”.

Imapala Ray ist nicht das erste musikalische Projekt. Gab es denn noch viel mehr davor?IR: Du fängst halt irgendwie als Schüler an mit deiner Schülerband, machst halt da dann Mucke mit deinen Mitschülern und so hat sich das dann weiterentwickelt. Mit ‘nem alten Kumpel dann so’n Zweier-Projekt mal gestartet: “Rain Tom”. Schlagzeug und Gitarre. Dann ist das hier entstanden: Impala.

Impalas findet man ja weder in Bayern noch in der Bay-Area, nach der eure Musik klingt. Was hat denn Impala Ray mit Impalas gemeinsam? IR: (lacht) Ja, da hast du Recht. Es gibt Steinböcke und solche Geschichten bei uns, aber Gazellen joa… ich war halt in Afrika ‘ne Zeit lang und hab da an einer deutschen Schule gearbeitet und Kinder betreut. Ich war dort viel auf Safaris und hab mir das da angeschaut. Da hüpfen eben diese Gazellen rum, diese Impalas. Das ist erstens ein total schöner Name, klingt so schön, zweitens ist das Tier halt schon… diese Hörner, diese Zeichnung vom Gesicht, das ist geil einfach. Dass es so schnell laufen und springen kann, das hat mich irgendwie fasziniert dieses Tier. Dann ist es jetzt das Impala geworden.

Sie springen, sind dynamisch, das beschreibt gewissermaßen auch die Musik, nicht?IR: Hmm, da würde ich keine Parallele ziehen. Eher noch zu dem Auto, das es an der Bay-Area gibt, also diese alten Impalas. Bay-Area ist im Prinzip auch diese Sehnsucht, der Sound den wir machen, diesen San Francisco- Folk, der ist auch quasi ein bisschen in diesem Auto verkörpert.

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Hast du auch musikalische Einflüsse aus der Ecke? IR: Ja, definitiv, Bob Dylan, Bruce Springsteen sind da so Einflüsse. So ‘nen Iren höre ich gerade auch sehr viel…Egal, mir fällt sein Name gerade nicht ein. Diese Folker sind auf jeden Fall so’n Einfluss.

Aus der bayrischen Ecke auch irgendwas? IR: Die ganz großen Wegbereiter sind natürlich La Brass Banda, die halt diesen Brass, Tuba und Trompete salonfähig gemacht haben. Aber bayrische jetzt nicht, Haindling vielleicht noch, aber der ist ja mit vielen verschiedenen Instrumenten am experimentieren, der’s noch interessant, ja.

“Stay” hat mit 20 Wochen in den Radiocharts schon ganz gut vorgelegt. Wo siehst du dich denn in Zukunft mit dem Projekt Impala Ray? Hast du konkrete Pläne? IR: Der Traum, den man immer hat, ist dass man mal rüber fliegt in die Staaten, da mal ‘ne Tour macht. Das ist zumindest so’n Traum von mir. Dass man es mal schafft, da drüben zu spielen, also da wo der amerikanische Folk herkommt und einfach mal zu sehen, wie die Amis darauf reagieren, wenn Folk mit ganz anderen Instrumenten gespielt wird. Ob das denen taugt oder gar nicht. (lacht) Das wäre ganz lustig, das würde ich gerne mal machen.

Planst du auch schon andere Projekte? Irgendwas Neues in naher Zukunft? IR: Joa, schon neue Songs produzieren und schreiben. Jetzt gerade sind wir viel auf Tour, da geht nicht so viel mit Kreativität, ein Tag zum anderen irgendwelche Städte, hin und her. Wenn dann wieder ein bisschen Ruhe einkehrt, dann sind zwar auch schon die Festivals, aber dazwischen haben wir dann wieder Phasen, wo man ein bisschen kreativ werden kann, da freu ich mich schon drauf. und natürlich auch diesen Impala Sound weiterzuentwickeln. Der ist jetzt noch in der Entwicklung. Die erste Platte war sehr rough, sehr roh, auch absichtlich so. Die zweite ist schon deutlich ausproduzierter. Die dritte wird ein bisschen anders, ich schätze elektronischer, da werden wir etwas rumexperimentieren. Gerade mit der Tuba, was wir live machen, dass wir die durch den Octaver durchjagen, damit die fetter klingt, dass die noch mehr schiebt. Hackbrett nochmal…bisschen Effekte ausprobieren, also da gibt’s jetzt viele Möglichkeiten, wir haben im Prinzip pur gestartet, nur akustisch, das ist der Gag. Jetzt versuchen wir das Instrument, so wie es pur ist, das haben wir verstanden jetzt, das greifen wir raus und zerlegen alles und zerhacken’s elektronisch. Da müssen wir mal schauen, was am Sound passiert.

Kannst du dir da auch Kooperationen mit Künstlern aus dem elektronischen Bereich vorstellen? IR: Ja, im elektronischen super spannend. Die’s dann verstehen ne Tuba zu nehmen und dann daraus was zu basteln. Das wäre natürlich hochinteressant, sowas anzugehen.

Wir sind sehr gespannt, was da kommt. Klingt auf jeden Fall vielversprechend. Vielen Dank für das Interview!

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