Foto: Nicole Richwald

Den Pop10 Hörern wird die Band mit dem Slogan im Bandnamen Use your Fucking Headphones aus Berlin bereits bekannt sein. Wir trafen Franz Lehmann und Julius Liljeberg von UYFH im Oktober 2010 kurz vor ihrer Tour für ein Autointerview in und durch Berlin. Hier das verschollen geglaubte Interview für Euch. Viel Spaß damit.

Im Auto durch Berlin mit Use Your Fucking Headphones

Interview im Auto in und durch Berlin im Oktober 2010.

Fotos & Transcript: Nicole Richwald   Interview: Daniel Voigt

 

Pop10: Wo fahren wir jetzt hin?Use Your Fucking Headphones Logo

Julius: Wir fahren zu mir nach Hause.

Pop10: Ihr seid ja hier Berlin International.

Julius: Ja, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Neukölln.

Pop10: Laß uns mal über die Platte reden?

Julius: Erzählen wir euch gerne. Das sind zwei Platten. Das wird ein Doppeldebut-Release. Die EP die jetzt mit auf Tour geht ist eine Doppel-EP. Wild Sessions sind die Accoustic Sessions und die andere ist selftitled. Hatte ich dir glaube ich auch geschrieben?

Pop10: Chikinki hatten die ja aufgenommen?

Julius: Ja, die eine Platte hat Ed East von Chikinki aufgenommen. Da sind 4 Songs drauf. Die 2. haben wir mit Jonathan Wild aufgenommen. Der hat eine Akkustic EP von uns aufgenommen. Davon sind 3 auch auf dem Fullset. Aber wir könnten uns die direkt life anhören? Oder ihr hört euch das Zeug an während ich den Drucker hole.

Franz: Ich bin dafür, das wir äußerst Professionel arbeiten. Das ist das A und O überhaupt.

Julius: Genau wie das Produkt „Use Your Fucking Headphones“. Das Produkt ist auf D.I.Y. basierend. Philipp (Gitarre) macht die Grafik dafür. Wir machen das Merchandise selbst und habe uns die Tour selbst zusammengebucht. Nun drucken wir die EP auch selbst.

Pop10: Jetzt mal eine ganz offizielle Frage, wie habt ihr euch kennengelernt?

Franz: Das war 2007 in einem Puff für Minderjährige…Nee, im BWL Studium.

Julijus: Ich habe es nach einem halben Jahr wieder abgebrochen. Ich studier jetzt Eventmanegement. In der Uni kann man sagen, ich habe Phillip in einem anderen Bandprojekt kennengelernt und Franz in der Uni und dann sind wir alle zusammengekommen. Das steht aber auch auf Motor.

Franz: Beantworte doch einfach die Frage und sag nicht wo die Antowort steht.

Pop10: Warum nutzt ihr keine Bassgitarre?

Franz: Wir haben ohne Bassgitarre angefangen und das ist die Herrausvorderung einen coolen Sound zu machen. Wir haben zwar Bass mit drin, aber durch den Synthie.

Julius: Ich finds immer noch schade, dass uns das jeder fragt, weil wir zu 3. versuchen das zu schaffen als wären wir zu 5. Ich arbeite gerade viel mit dem Synthesizer und Franz überlegt, ob er sich einen Trigger holt.

Franz: Ja, er holt sich einen Trigger. Wenn er genug Geld hat. Es fragen uns auch eine Menge Leute, die dann angeschleimt kommen und fragen: „Wollt ihr noch ein Bassisten haben?“ Weil sie unbedingt in einer Band spielen wollen.

Julius: Ich glaube, wir brauchen gar kein Bassisten, wenn man sich so einfuchst in den Sound, oder?

Pop10: Was muss ein guter Song textlich und musikalisch beinhalten für euch?

Julius: Melody, Rhythmus und ein Text. Früher waren uns die Texte egal, aber mittlerweile spricht es doch aus einem heraus. Du schreibst eben nicht, über etwas was dich gar nicht tangiert. Sondern, schon über Sachen, die du selbst erlebst oder die dich beschäftigen. Das habe ich früher nicht so erkannt. Ich hab mehr Wert auf Melody und Tanzbarkeit gelegt. Die alten Texte sind mir aber auch nicht peinlich.

Pop10: Hast du da ein Vorbild an dem du dich orientierst?

Julius: Nee, eigentlich nicht. Was Eddy Argos (anm. d. Red. Leadsinger bei Art Brut) macht find ich sehr gut, aber das kann man von mir auch nicht erwarten. Es ist aber auch nicht so peinlich wie,… jetzt muss ich aufpassen…The Kooks z.B. Das ist ja ganz offensichtlich und schleimig.

Pop10: Was findest du so faszinierend an Eddy Argos?

Julius: Was er aus seinen Texten macht. Er ist sehr kreativ und erzählt einfach gute Geschichten, lustige Geschichten, die sich auch noch reimen. Der ist ein richtiger Poet der Typ. Das bekomme ich nicht so hin. Ich bin nicht mal jemand der viel liest, außer im Internet mal was, aber meist über Musik.

Bücher, ich scheue mich echt vor Papier mit Schrift.

Pop10: Der Hörbuch Typ also?

Julius: Ich les eher im Internet kurze & informative Texte.

 

 

Pop10: Wovon handeln eure Songs?

Franz: Ich kenn die Texte nicht?

Julius: (lacht)

Pop10: Tic Tac habe ich gelesen handeln von einem U-Bahn Fahrer?

Julius: Ja, genau.

Franz: Julius meint da speziell jemand, den er in der U1 mal gesehen hatte. Meistens sind das ganz verrockte Typen. Der Opernsänger war so einer. Der hat direkt noch die Frauenstimmen drüber gesungen.

Pop10: Ihr verwendet in euren Stücken Klanghölzer, Sylophon

Julius: …und Mundharmonika.

Pop10: …Genau. Sind das noch Instrumente, die ihr aus der Kindheit kennt und früher immer gespielt habt?

Julius: Ich muss sagen, ich kann mich ganz schlecht an meine Kindheit erinnern. Eigentlich fast an gar nichts. Ich weiß nicht mehr welche Instrumente ich damals in die Hände bekommen habe.

Ich kann aber so viel sagen, dass wir die Mundharmonika abgeschafft haben. Das hat uns Ed East abgewöhnt. Was hatte er gesagt? (zu Franz)

Franz: Das ist zu Dylan.

Julius: Mittlerweile kommt eben auch viel vom Synthesizer.

Pop10: Ihr veranstaltet auch selbst Partys in Berlin KILL,KILL,KILL und BoundTogether bei den ihr auch Konzerte veranstaltet. In wie fern bringt euch das auch was für eure eigene Band?

Julius: Sehr viel. KILL,KILL,KILL muss ich dazu sagen, gibt es nicht mehr. Wir haben jetzt entschieden, das es Use Your Fucking Headphones-DJ Set ist. Wir veranstalten auch alle Konzerte selbst, weil wir es schwachsinng finden einen Veranstalter dazwischen zu schalten, der dann die Kohle abgreift und wir die eigentlichen Kreativ-Träger in der ganzen Sache gehen leer aus. Flyer verteilen und Poster kleben können wir auch. Bound Together ist ja mittlerweile eine richtige Eventagentur geworden, mit 2 Mitarbeitern und Praktikanten und soweiter. Das läuft und es hilft auf jedenfall auch weiter.

Pop10: Also Networking betreiben.

Julius: Die erste Veranstaltung, die wir damals mit I Heart Sharks im BangBangClub gemacht hatten, waren über 500 Leute da. Das auf einen Sonntag! Das war schon sehr fett. Das hat uns dann angespornt, die Sachen weiter selbst zu machen. Wäre es jetzt über einen Veranstalter gelaufen, hätten wir vielleicht max. 200 Euro bekommen und so hatten wir halt eine vernünftige Gage erhalten.

Franz: (lacht)

Julius: Ja, das war schon ein bisschen mehr als Vernüftig. Momentan sind wir am Proben für die Tour. Das wird unsere erste richtige Tour.

Pop10: Wie ist das bei euch mit Revolver Promotion. Die nehmen ja häufiger auch kleinere Bands auf?

Julius: Ja, die kommen dann meistens über die Musikinitiative rein und haben darüber einen Finanziellen Vorsprung, den man natürlich braucht um mit denen zusammen zuarbeiten. Deswegen pressen wir unsere CD´s noch selbst. Ich find das ok.

Pop10: Wenn ihr jetzt hier einen Tagtraum hättet, wovon würde der handeln?

Julius: Das kann ich jetzt hier nicht sagen. Auf jedenfall würde der mit Karo (Freundin) zu tun haben.

Franz: Ich hatte letztens auch ein Traum, der war ganz furchtbar. Da ist mir mein Penis abgebrochen. Ich habe in ein Pissoir gepinkelt und wollte den dann wieder einpacken. Ich hatte ihn dann auf einmal in der Hand. Konnte ihn aber wieder raufstecken und komischer Weise ist er auch wieder angewachsen.

Julius: Tagtraum Franz, nicht Albtraum.

Pop10: Wenn ihr ein Mixtape machen müsstet, welche Musik würdet ihr da drauf tun?

Julius: Auf den Mixtapes die wir machen kommt natürlich nur Musik drauf die wir mögen. MGMT und Kings of Lion haben da kein Platz drauf.

Pop10: Was hat Platz drauf?

Julius: Unbekannte Bands, aber auch aus unserem Raster – AlphaPony, Cindy Ciser. Ich find die gut, Franz mag die nicht so. F.A.L.K That stands for Fuck Art.Let´s Kill und Use Your Fucking Headphones natürlich und Two Shoes. Ich würde ja auch super gerne mal das Ohrspiel bei Motor FM machen.

Franz: Musik die ich auf dem iPhone per zufälliger Wiedergabe nicht weiterdrücke z.B. Simon and Garfunkel, das höre ich grad ziemlich oft oder House.

Julius: Simon und Garfunkel?

Franz: Julius, du hast kein Musikgeschmack. Du weißt nicht was gut ist.

Pop10: Was hat euch am meisten am Musik machen begeistert?

Julius: Die Kreativität eben.

Franz: Spielen, Phillip hats einfach tierisch drauf.

Julius: Der hat auch klassisch Gitarrenunterricht gehabt.

Franz: Ich hatte mal Unterricht in meinem Heimatdorf. Das lief aber eher so ab, das er mir Figuren gegeben hat die man drauf haben sollte. Die haben wir alle mal geübt, und dann bin ich zur nächsten Stunde gekommen und es hat nicht geklappt. Ich habe dann gleich Anpfiff bekommen, warum ich nicht übe…. Dann haben wir Songs nachgespielt von Van Halen und so ne Sachen. Mittlerweile mache ich das eher über das Hören.

Pop10: Wenn ihr ein Song produziert? Wie geht ihr ran?

Franz: Wir jammen dann, und lassen es anwachsen, so das viele Teile zusammenkommen, am Ende strukturieren wir das ganze nochmal. Bis zu einem bestimmten Punkt, wo man nicht mehr weiterkommt. Dann wird wieder gejammt, und geschaut, wie die Sachen am besten zusammenpassen.

Pop10: Wie wird das Tourleben für euch?

Franz: Das finden wir dann raus. In Hamburg müssen wir dann unbedingt ins Clochard gehen. Das ist eine absolut runtergerockte Bar. Da hängen die Leute ab, die sich tagsüber das Geld auf der Straße zusammen gebettelt haben und es dort versaufen. Es läuft auch die ganze Zeit irgendwelche Metallica Mucke. Die Gläser sind auch alle dreckig, deshalb drink man lieber aus der Flasche.

Pop10: Was reizt dich an dieser Bar?

Franz: Ich mag diese abgefuckten Bars und die runtergerockten Leute dort und du kommst mit ihnen ins Gespräch. Sie erzählen dir ihre Geschichte, auch wenn du sie vielleicht gar nicht hören willst. Geschichten von Leuten, die 1995 auf einem Ecstasy-Trip hängen geblieben sind, oder die von dem Aggraringeneur, der mit 2.0 abgeschlossen hat und jetzt auf dem Kiez Geld zusammenbettelt.

Das ist allerdings nicht meine Lieblingsbeschäftigung, ich find dort die Bierpreise eben auch ganz moderat.

Franz: Ich habe mal mit dem Tourmanager von The Blood Arm gesprochen, da hatte ich gerade ein Poster im Lido aufgehängt und der meinte: „Oh Gott, ich bin wieder mit Blood Arm auf Tour, das ist die am meisten saufende Band auf Tour die ich kenne. Bis morgens um 8 Uhr, bis sie nicht mehr stehen können. Dann ins Taxi getragen, zum nächsten Ort, Zeug aufgebaut, gespielt und wieder besauffen bis früh um 8 und so ging das jeden Tag.“

Julius: Ja, wär ich nicht Sänger.

Franz: Wenn ich bei meinen Eltern bin, schaue ich immer auf ZDF „Die letzten 24 Stunden des….“, da hatte ich mal die Sendung mit Keith Moon gesehen, der Drummer von The Who. In dem Teil donnerte Keith Moon an die Hotelwand, neben dem der Tontechniker schlief und auf einmal brach die Wand ein und Keith Moon, stand in dem Nebenzimmer und meinte : „Willste was saufen?!“ …

Pop10: Wie ist das mit Groupies bei euch?

Franz: Je nachdem wie du dich gibst, springen die an. Aber wir sind da ja nicht so die Ficker, wir haben alle unsere Frauen zu Hause, die auf uns warten, mit warmen Essen.

Julius: Du erkennst schon, wenn es einen Groupie gibt, das hatten wir aber noch nicht?

Pop10: Hättet ihr das gerne?

Julius: Die sollen unsere Musik mögen.

Franz: Die sollen unsere CD´s kaufen und unsere Pools beheißen, damit wir auch im Winter baden gehen können.

Pop10: Was ist euer Lebensmotto?

Franz: Ich habe kein Lebensmotto. Lebensmottos sind irgenwie komisch. Wie dieses, Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter oder sowas?

Julius: Da hatten wir vorhin ein Beutel gesehen, da stand drauf „egal, ich lass das jetzt so“. Das kann sogar ein Lebensmotto sein.

Franz: Oder, „egal ich mach das später weg“. Aber das ist kein Lebensmotto.

Pop10: Nee, das ist ein Lebensstil, aber vielleicht auch ein guter Songtitel?

Franz: Unsere Songtexte sind am meisten inspiriert aus Trickfilmen.

Julius: Als wir damals angefangen haben Musik zu machen, lagen wir viel auf der Couch und haben Trickfilme geguckt.

Franz: Also Southpark, Family Guy und Simpsons.

Julius: Entsprechend waren unsere Sachen betitelt.

Franz: „Tick Tack“ ist der Name, den Bart bekommt, als er seine große Schlagzeugerkarriere beginnt, die dann auch bald wieder zu Ende ist, weil ihm ein Löwe in den Arm abbeißt. Bart ist in dem Teil hyperaktiv und fängt an mit Schlagzeug spielen, was ihm gut gefällt, da er sich vorstellt er würde auf Homer eindreschen. Lisa wollte ja immer Jazzmusikerin werden und geht dann einmal mit Bart in eine Bar und er legt dort voll los und spielt die krassesten grooves. Die ganzen alten Jazzmusiker nehmen Bart dann in eine Combo auf und er bekommt einen Jazzmusiker-Spitznamen Tick Tack. Dann beißt ihm der Löwe in den Arm und im Krankenhaus liegend, sagt er dann: „früher war ich ein begnadeter Musiker, heute bin ich gar nichts mehr, genau wie Phil Collins“.

http://www.youtube.com/watch?v=JWp2DqAGvvs

 

Links:

http://www.bound-together.de/

http://www.myspace.com/useyourfuckingheadphones

http://www.regioactive.de/useyourfuckingheadphones

http://www.youtube.com/watch?v=JWp2DqAGvvs