Wir schlüpfen im Jahre 1989 in die Rolle eines namenlosen Antihelden, der durch ominöse Anrufe Mordaufträge mit Rahmung des organisierten Verbrechens erhält, die er dann rigoros und ohne weitere Fragen zu stellen ausführt. Dass es ihm an Beschäftigung in Miami fehlt kann man schnell als ersten Grund für diese Hinwendung zur Gewalt festmachen, stellt sich im weiteren Verlauf des Spieles aber heraus, dass nicht nur der von uns gesteuerte gesichtslose Mann diese Art Anrufe bekommt.

Das Gameplay bleibt auf den ersten Blick simpel: Reingehen, umkloppen, abhauen. Nur ist diese Vorgehensweise aufgrund der Tatsache, dass der Spieler selbst nach einem Treffer das Zeitliche segnet keine taktisch Kluge. Hier gilt es, genau zu wissen, welche Gegner an welcher Stelle stehen, wie sie sich bewegen und wie man die eigene Figur manövriert. Durch diese fast schon Stealth-artige Herangehensweise entsteht ein Schlieren ziehender Sog, den ich schon lange an keinem Spiel mehr gesehen habe und der durch seiner Schnelligkeit und Gnadenlosigkeit bis zum Ende der ca. 5 Stunden Spielzeit motiviert.

Isopixelansicht: NES-Style

Isopixelansicht: NES-Style

Zusätzlich hat man die Möglichkeit am Anfang eines Abschnitts verschiedene Tiermasken aufzusetzen, die einem unterschiedliche Boni im Kampf geben und durch ihren Facettenreichtum nicht zu unterschätzen sind. Kombos können beispielsweise mit einer Froschmaske verlängert werden, eine Ameisenbärmaske macht das Licht in einem Level dauerhaft aus und im Look eines Walrosses hält man als Spieler sogar eine Kugel aus. Freischaltbar sind von diesen Masken über 30 und zusätzlich gibt es Nah – und Fernkampfwaffen, die alle ihre eigenen kleinen Tötungsfinessen haben.

Masken soweit das Auge reicht.

Masken soweit das Auge reicht.

Die Motivation eines erneuten Durchspielens wird somit aufrechterhalten, da es faktisch unmöglich ist alle Geheimnisse und Möglichkeiten von Hotline: Miami auszuloten. Stilistisch befinden wir uns hier wunderbar treffend gezeichnet in der zwielichten Version der 80er Jahre, die zum Einen vor Glamour, Farbe und Aufregung überquillt zum Anderen aber auch die Schattenseiten der Reagan-Ära und ihrer ganzen kriminellen und menschenverachtenden Energie durch Gnadenlosigkeit und Wahn in diesen kurzen Spielabschnitten zum Leben erweckt. Und das obwohl wir uns nicht in eienr freien Welt bewegen können, sondern nur in klar abgetrennten Abschnitten Hin und Herhuschen um Blut zu vergießen.

Freizeit nach einem Auftrag

Freizeit nach einem Auftrag

Anfänglich und ungenau betrachtet könnte man Hotline: Miami vom schwedischen Spieleentwickler Cactus relativ leicht als abstoßende Mordsimulation bezeichnen, sind Blut und Verderben doch in jedem Level allgegenwärtig und visuell greifbar. Gleichzeitig kann man es aber auch als provokatives Element betrachten, welches dem Spieler den eigenen Voyeurismus von Augen hält und diese Abartigkeit in einer wirren Story verpackt, die auch David Lynch stolz machen würde. Der Goreaspekt ist hier mal wieder ein Beweis für die Faszination und die Abartigkeit von Gewalt in gleichen Teilen. Ein wenig wie die Fahrstuhlszene im Kultfilm Drive, spürt man Distanz und Inolvierung in gleichen Teilen, kann sich aber von dieser inszenatorischen Perle zu keinem Zeitpunkt abwenden. Hotline:Miami ist für schlappe 10 Kröten bei Steam und Gog.com erhältlich.

Hier die pop10-Gamesnews des Novembers 2012, natürlich auch mit Hotline: Miami:

Zusätzlich ein Stück aus dem ungalublich grandiosen New-Wave-Techno Soundtrack, der so treibend und abartig ist, dass das Gehirn vor Glück anfängt zu vibrieren: