Seit kurzem ist der Grafikhammer Heavy Rain bei uns zu Lande erhältlich und ich hatte eine größere Vorfreude auf das Spiel, wie auf kein Anderes in der letzten Zeit. Schon als ich damals die ersten Infos und Screenshots in einem Spielemagazin gesehen habe, konnte ich es kaum erwarten das Ding endlich in den Händen zu halten.

Die Grafik sah einfach umwerfend aus und das Gameplay sollte das Medium Videospiel in völlig neue Bahnen lenken. Bereits der inoffizielle Vorgänger Fahrenheit wollte seiner Zeit neue Wege gehen und versuchte mit einer spannenden Story, in der die Charaktere und deren Taten, Gefühle und Neigungen im Vordergrund standen, den Spieler zu fesseln. Letztendlich machten aber die vielen Quick Time Events dem Spielspaß schon nach kurzer Zeit einen Strich durch die Rechnung. Resultat: Gute Ideen, unausgereiftes Konzept. Trotzdem war Fahrenheit bei weitem kein schlechtes Spiel. Quantic Dream will nun mit Heavy Rain einiges besser machen. Technisch gesehen ist Heavy Rain schon mal unantastbar aber wie sieht es mit dem Gameplay aus? Ich verrate es euch!

Eines zu Beginn. Ich werde hier nichts von der Story spoilern. Die Geschichte selber ist das wichtigste Element von Heavy Rain und ich möchte keinem dieses besondere Spielerlebnis versauen. Ihr könnt also beruhigt weiterlesen.

Nur kurz zum Verständnis. In Heavy Rain geht um den berüchtigten Origami Killer. Dieser entführt Kinder und bringt diese immer auf die gleiche Art und Weise um. Er lässt sie ertrinken. Ihr werdet es mit vier verschiedenen Charakteren im Spiel zu tun bekommen. Jeder einzelne hat eigene Ecken und Kanten, Probleme, Ängste und Sehnsüchte. Alle vier haben direkten oder indirekten Bezug zum Origami Killer, jedoch möchte jeder von ihnen herausfinden wer hinter dem Pseudonym steckt und verfolgt dabei die eigenen Ziele.

Die Geschichte beginnt mit dem Familienvater Ethan Mars. Ihr wacht an einem sonnigen Tag, welcher sich schnell als der Geburtstag seines Sohnes herausstellt, auf und erledigt mit ihm alltäglichen Dinge. Beim Duschen, Zähne Putzen und Rasieren lernt ihr die Grundlagen der Steuerung kennen aber dazu später mehr. Nachdem ihr euch angezogen habt, verbringt ihr noch kurze Zeit alleine mit Ethan in dem großen Haus. Die Zeit könnt ihr im Garten tot schlagen oder ihr macht euch daran, Ethans Architekturentwürfe fertig zu stellen. Schon bald kommen Ethans Frau und seine beiden Söhne nach Hause. Jetzt habt ihr die Möglichkeit eurer Gattin zur Hand zu gehen, den Tisch zu decken und kurz mit den Kindern zu spielen.

Szenenwechsel. Ihr seid nun in einen Einkaufszentrum und eure Ehefrau lässt euch mit Sohn Jason eine kurze Zeit alleine, weil Sie noch Einkäufe zu erledigen hat. Als ihr für euern Sprössling einen Ballon kaufen wollt, verschwindet dieser plötzlich. Schnell macht sich Ethan auf die Suche und verfolgt einen roten Ballon, welcher wohl Jason gehören könnte. Hektisch durchquert Ethan die Mall, immer wieder Jasons Namen schreiend. Vor dem Einkaufszentrum findet er ihn endlich auf der anderen Straßenseite wieder. Der fast schon verzweifelte Vater ruft seinen Sohn zu sich und als Jason die Straße überquert passiert das unvermeidliche. Beim Überqueren wird Jason von einem Auto erfasst, Ethans Bemühungen seinen Sohn zu retten scheitern.

Zwei Jahre sind seitdem Tod von Jason vergangen, als ihr wieder in die Geschichte einsteigt. Ethan Mars ist sichtlich vom Tod seines Sohnes gezeichnet. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und er wohnt in einer heruntergekommenen Wohnung. Das Verhältnis zu seinem anderen Sohn Shaun hat ebenfalls gelitten. Als ihr jedoch zusammen mit ihm auf einen Spielplatz seid, kommt kurz wieder eine Vater – Sohn Beziehung auf. Diese ist jedoch nur von kurzer Weile. Ethan hat eine Art Blackout. Als er wieder zu sich kommt ist auch Sohn Shaun auf einmal spurlos verschwunden. War es der berüchtigte Origami Killer?

An dieser will ich nicht weiter auf die Story eingehen. Es werden nun die anderen Charaktere vorgestellt und ab hier wechselt die Geschichte ständig von einer Person zur Anderen. Ihr erlebt aus vier verschiedenen Perspektiven die Jagd auf den Origami Killer. Eine spannend erzählte Geschichte ist also garantiert.

Aber was muss denn der Spieler nun eigentlich tun, außer der aufregenden Story zu folgen? Die Antwort ist klar: Nicht viel!

Heavy Rain versteht sich im Grunde eher als digitaler Film als ein waschechtes Videospiel. Dies merkt man gleich an der sehr einfach gehaltenen Steuerung. Der Spieler steuert zwar die Figuren im Spiel, die Aktionen derer werden jedoch zu jeder Zeit lediglich kontextsensitiv ausgeführt. Das heißt ihr könnt eben nur dann Aktionen ausführen, wenn es euch das Spiel erlaubt. Dazu kommt, dass ihr eigentlich nicht mehr zu tun habt, außer den rechten Analogstick in verschiedene Richtungen zu bewegen, die vier Aktionsknöpfe sowie die Schultertasten in verschiedenen Variationen gleichzeitig gedrückt zu halten und mal hier mal da den Controller zu schütteln. Mehr ist es eigentlich nicht. Nun ist das je nach Schwierigkeitsgrad leichter oder kniffliger aber mehr ist es einfach nicht. Das hört sich jetzt natürlich unspektakulär an und für Coregamer, die mit dem Filmgenre gar nichts am Hut haben und die schon nach kurzer Zeit verzweifeln, weil sie nicht wie bekloppt auf den Controller dreschen und eine Megakombo nach der anderen raushauen können, werden definitiv nicht glücklich. Vielleicht ist das auch ein bisschen übertrieben aber ich wollte eben folgendes zum Ausdruck bringen. Heavy Rain ist ein Spiel im dem es primär um die Geschichte und ihre Charaktere geht. Der Spieler soll sich zu jeder Zeit mit den Figuren identifizieren können. Er soll mit den Figuren mitfühlen, er soll mit ihnen trauern, leiden und glücklich sein. Er soll Entscheidungen treffen, welche für die Charaktere schlimme Konsequenzen haben können. Grade die Momente, in denen man sich im Prinzip nur zwischen Not und Elend entscheiden kann, sind die Höhepunkte in Heavy Rain. Ich habe dann selber darüber nachgedacht, was ich in diesen Situationen machen würde, doch in vielen Situationen im Spiel gibt es einfach kein richtig oder falsch. Ihr müsst entscheiden was für euch moralisch vertretbar ist und wie weit ihr über diese moralische Vertretbarkeit hinaus gehen wollt. Wenn ihr euch auf dieses besondere Spielgefühl einlasst, werdet ihr sicherlich genau so glücklich mit dem Spiel, wie ich.

Wir haben also geklärt, dass Heavy Rain eher ein Film als ein Spiel ist. Aber was brauch jeder gute Film zum Erfolg? Na klar! Einen grandiosen Soundtrack. Hier brauch sich Heavy Rain ebenfalls nicht zu verstecken. Jeder Charakter hat ein eigenes Theme und jedes Musikstück unterstreicht die zu sehenden Bilder mit der richtigen Stimmung. Das Theme von Ethan Mars zum Beispiel erklingt mit lauten Streichern und melancholischen Piano. Glaubt mir wenn ich euch sage, dass ich nicht nur einmal fast zu Tränen gerührt war. Im Gegensatz dazu, gibt es in Hektischen Situationen oder Kämpfen schnelle Klangfolgen und puschende Sounduntermalungen. Einfach nur klasse.

Ich komme nun langsam zum Schluss und möchte hiermit einfach nur nochmal eine klare Spielempfehlung aussprechen. Ganz ehrlich, wer dieses Spiel verpasst ist selber schuld. Es hat einfach zu viel zu bieten, was man noch nie zuvor gesehen hat. Eine spannende Story bei der man bis zum Schluss im Dunkeln tappt, ein zu jederzeit passender und stimmiger Soundtrack und eine eigene Spielerfahrungen, welche es so, noch nicht gegeben hat. Also lasst euch auf dieses Spiel ein und geht zusammen mit Ethan auf die Jagd nach dem Origami Killer, es lohnt sich allemal.